Der Feuchtigkeitsschaden im Stadtarchiv ist größer als zunächst angenommen. Mit Unterstützung der Monheimer Feuerwehr und Fachkräften aus dem Leverkusener Stadtarchiv wurde die Archivbibliothek in den vergangenen Tagen ausgeräumt und zur Feuer- und Rettungswache gebracht. „Rund 3500 feuchte Bücher sichten wir nun hier auf der Wache. Für einige kam aber leider jede Hilfe zu spät“, bedauert Archivleiterin Sonja Felten.
Da in der Archivbibliothek, an der Westfassade des Rathaus-Altbaus, Schimmel entdeckt wurde, ist das Stadtarchiv für Besucherinnen und Besucher seit dem 10. April nicht mehr zugänglich. Auch die Wände der Nordfassade, an der Alten Schulstraße, sind feucht. Die Ursache ist wohl eine schadhafte Abdichtung des Gebäudes im Erdbereich. Die notwendigen Sanierungsarbeiten sollen in Kürze beginnen. Wann das Stadtarchiv wieder öffnen kann, ist aber noch unklar. Die Feuerwehr half beim Ausräumen der Archivbibliothek, transportierte die Bücher mit einem Lastwagen zur Feuer- und Rettungswache und stellt für die Sichtung der Bücher eine ganze Wagenhalle zur Verfügung. „Kulturgutschutz ist eine freiwillige Leistung, deshalb sind wir für die großzügige Unterstützung beim Ausräumen und auch hier vor Ort sehr dankbar“, sagt Felten beim Rettungseinsatz auf der Feuer- und Rettungswache.
Fachleute wägen ab, was entsorgt werden muss
Mit Schutzanzügen und Schutzmasken sichten Sonja Felten, Archivmitarbeiter Tobias Marx und Eva Hansen vom Ulla-Hahn-Archiv jedes einzelne Buch, vermerken es in einer Schadensliste und fächern feuchte Werke zur Trocknung auf. Bei besonders schweren Schäden wägen die Fachleute ab, was noch restauriert werden kann und was entsorgt werden muss. Unterstützt wird das Monheimer Team von Archivaren und einem Fachbibliothekar aus dem 2013 gegründeten Notfallverbund Niederwupper, der aus den Stadtarchiven Leichlingen, Leverkusen, Langenfeld und Monheim am Rhein besteht. Den ersten gemeinsamen Einsatz hatten sie nach dem Starkregen im Juli 2021 in Leichlingen. Nun kommen die Kolleginnen und Kollegen zur Feuer- und Rettungswache nach Monheim am Rhein. „Dass die Kolleginnen und Kollegen ihre eigene Arbeit liegen lassen, um tatkräftig mit anzupacken, ist ganz große Klasse. Wir haben hier wirklich ein paar herausfordernde Tage hinter uns und sind sehr glücklich über die Unterstützung. Ohne die Kolleginnen und Kollegen hätten wir sicher nicht so viel retten können“, bedankt sich Felten.
Besonders beschädigt ist unter anderem der Adressbuchbestand, der bis in die 1920er-Jahre zurückreicht. Die Adressbücher sind selten, antiquarisch nicht verfügbar, aber Hauptquelle für viele Familienforscherinnen und -forscher. „Diese Bücher erzählen unsere Stadtgeschichte“, macht Felten deutlich. „Wer hat wo gewohnt? Welche Berufe gab es? Welche Firmen? Ein Verlust dieser Quellen wäre dramatisch.“ Neben den Adressbüchern müssen auch identitätsstiftende Werke wie ein vom gesamten Panikorchester signiertes Buch restauriert werden. Alleine für die Restaurierung beläuft sich die Schadenssumme nach ersten Schätzungen auf rund 40.000 Euro. Noch nicht berechnet ist die Auffüllung von Materialien aus den Notfallboxen, die der Verbund für solche Schadenslagen vorhält und der Verlust der Bücher, die entsorgt werden mussten.
Sammlungen aus privater Hand oder von Vereinen befinden sich in einem anderen Magazinraum und sind nicht betroffen. Das Stadtarchiv ist weiterhin telefonisch unter +49 2173 951-4720 oder per E-Mail an
archiv@monheim.de erreichbar. Bürgerinnen und Bürger müssen wegen der aktuellen Lage aber mit längeren Wartezeiten rechnen. (bh)


