Der Fußball-Bundesligist Bayer 04 Leverkusen wollte sein neues Sportleistungszentrum in Monheim am Rhein bauen. Mehrere Flächen wurden geprüft. Zuletzt beantragte die Bayer 04 Immobilien GmbH die Einleitung eines Bauleitplanverfahrens für ein Areal an der Alfred-Nobel-Straße. Der Rat stimmte am 15. Juli 2026 mehrheitlich dagegen.
Wenn in Leverkusen im Jahr 2031 der Um- und Ausbau der A1 beginnt, entfallen rund um die BayArena Trainingsflächen, Gebäude und Parkplätze. Bayer 04 Leverkusen braucht daher Ersatzflächen für den Spiel- und Trainingsbetrieb. In dem Zusammenhang möchte der Verein ein großes neues Sportleistungszentrum für die Nachwuchsgewinnung von Spitzensportlerinnen und Spitzensportlern errichten. Bayer 04 sucht dafür seit rund zehn Jahren nach einem geeigneten Standort. Mehr als 70 Flächen in unterschiedlichen Städten der Region wurden geprüft. In den vergangenen zwei Jahren konzentrierte sich die Suche auf Monheim am Rhein.
In einer Machbarkeitsstudie im Auftrag von Bayer 04 wurden, in Absprache mit den Bezirksregierungen Köln und Düsseldorf, feste Bewertungskriterien bestimmt. Anhand derer wurden in Monheim am Rhein vier (Teil-)Flächen in den Blick genommen sowie zusätzlich eine Fläche am Schloss Laach mitbetrachtet:
Für alle Flächen gab es Einschränkungen und Planungshindernisse. Keine der Flächen war ohne Weiteres vollständig geeignet. Deshalb erfolgten detailliertere Prüfungen dieser Standorte sowie weiterer, durch die Politik eingebrachter Vorschläge.
Zunächst rückte die ca. 28 Hektar große Fläche „Schloss Laach“ in den Fokus. Das landwirtschaftlich genutzte Areal gehört der Bayer AG. Es gab Voruntersuchungen und Gutachten, um zu prüfen, ob das Projekt mit den Belangen vor Ort vereinbar ist. Das Konzept wurde darauf ausgerichtet, naturnah zu planen und die Freiraumfunktion des Gebiets zu beachten. Besondere Aufmerksamkeit fiel auf den Grundwasserschutz.
Der Monheimer Stadtrat zog die Angelegenheit an sich und gab mit
dem Aufstellungsbeschluss vom 30. Oktober 2024 grünes Licht für den Start der Bauleitplanungen. In der Ratssitzung wurde das Vorhaben ausführlich der Öffentlichkeit vorgestellt.
Im Rahmen der frühzeitigen Beteiligungen wurde jedoch erkannt, dass die Vereinbarkeit mit dem Trinkwasserschutz nicht gegeben ist. Weiter konnten die Ziele des Landesentwicklungsplans NRW an dieser Stelle nicht erfüllt werden, die einen unmittelbaren Anschluss an einen Allgemeinen Siedlungsbereich (ASB) oder Gewerbe- und Industrieflächen (GIB) vorgeben. Der Regionalrat der Bezirksregierung Düsseldorf sprach sich gegen die weitere Planung an dieser Stelle aus und brachte eine andere Fläche ins Spiel: den Bereich südlich der Ida-Siekmann-Straße.
Im Folgenden konzentrierten sich die Planungen auf die Fläche gegenüber von Bayer Crop Science, zwischen Alfred-Nobel-Straße, Ida-Siekmann-Straße und Käthe-Kollwitz-Straße. Sie gehört ebenfalls der Bayer AG und wird landwirtschaftlich genutzt. Ergänzend gibt es für Teilflächen des Areals Planungsrecht für eine gewerbliche Nutzung.
Bayer 04 Leverkusen und die Stadtverwaltung stimmten sich auch hier eng mit den zuständigen Behörden ab. Die Stadt stellte für die Fläche die Bedingung, dass die durch den Campus für Monheim am Rhein nominell wegfallende Gewerbefläche im Regionalplan kompensiert werden müsse.
Die Bezirksregierung prüfte die Eignung dieses Standorts. Im März 2025 berieten der Regionalratsausschuss und der Regionalrat, ein Ergebnis stand jedoch weiter aus. Die Fachverwaltung der Bezirksregierung äußerte Bedenken hinsichtlich eines zu erwartenden Funktionsverlustes des Regionalen Grünzuges.
Die Stadt zeigte sich dennoch zuversichtlich, dass die Bezirksregierung durch Anpassungen der Planung im Laufe des Verfahrens ihre Zustimmung geben würde. Der Ausschuss für Klimaschutz, Stadtplanung und Verkehr fasste daher am 20. März 2025 den
Aufstellungsbeschluss zum Bebauungsplanverfahren. Geplant wurde das Sportleistungszentrum mit 12,5 Fußballfeldern auf rund 17,5 Hektar Fläche. Das Plangebiet war mit 29 Hektar größer gefasst, um einen Grünzug rund um den Campus zu ermöglichen.
Um die Bürgerschaft einzubeziehen, fand am 28. April 2025 ein
Informationsabend statt. Vom 15. Juli bis zum 3. August 2025 führte die Stadt eine
Befragung im Mitmach-Portal durch, die sich insbesondere dem geplanten Grünzug rund um den Sportcampus widmete. Am 28. August 2025 lud Bayer 04 zu einem
Workshop in die Aula am Berliner Ring.
Nach der Kommunalwahl stellte sich der neugewählte Monheimer Stadtrat gegen die Planung südlich der Ida-Siekmann-Straße und
traf in seiner Sitzung am 5. November 2025 mehrheitlich den Beschluss, das Bauleitplanverfahren einzustellen.
Seit November 2025 berieten daraufhin Bayer 04 Leverkusen, die Monheimer Bündnisparteien CDU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP und die parteiunabhängige Bürgermeisterin Sonja Wienecke über das Projekt. In den Gesprächen wurden verschiedene Planungsvarianten, auch mit Blick auf die möglichen Alternativstandorte, untersucht und bewertet. Bayer 04 schlug eine reduzierte Planung an der Ida-Siekmann-Straße vor: verkleinert auf 10,5 Plätze und eine Campusfläche von 14,7 Hektar. Bei den Alternativflächen bestehen aus Sicht des Vereins viel größere Planungshindernisse. Diese Einschätzung wurde von hinzugezogenen Fachplanern sowie den Verwaltungen der Städte Leverkusen und Monheim am Rhein geteilt.
Ende Mai 2026 legte die Bayer 04 Leverkusen Fußball GmbH auf Grundlage der Beratungen dann erneut ein überarbeitetes Konzept vor, welches den Bau des Nachwuchs- und Leistungszentrums an der Alfred-Nobel-Straße vorsieht. Bayer 04 stellte die geänderte Planung für das eigenfinanzierte 130-Millionen-Euro-Projekt bei einem Informationsabend am 8. Juni 2026 im Bürgerhaus Baumberg vor (
hier die Präsentation als pdf-Datei). Die Verwaltung präsentierte den Sachstand
am 18. Juni 2026 im Ausschuss für Klimaschutz und Stadtplanung.
Die neuen Planungen bezogen sich weiterhin auf 10,5 Fußballfelder und 14,7 Hektar Fläche. Durch Umplanungen ging Bayer aber auf verschiedene Anregungen ein. So sollte das Funktionsgebäude aus dem regionalen Grünzug nach Süden an die Alfred-Nobel-Straße verlegt werden und das geplante Parkhaus an den Rand des Crop-Science-Campus. Die Abstände zur Wohnbebauung sollten größer ausfallen, dazu wurden verschiedene Möglichkeiten eröffnet, wie der Offenlandkorridor als Puffer zwischen Siedlungsrand und Campus gestaltet werden könnte.
Ende Juni beantragte die Bayer 04 Immobilien GmbH als Vorhabenträgerin zu diesem Konzept die Einleitung eines vorhabenbezogenen Bauleitplanverfahrens „Bayer 04 Campus“ auf Grundlage des § 12 Baugesetzbuch im Parallelverfahren.
Der Rat stimmte in seiner Sitzung am 15. Juli 2026 in geheimer Abstimmung mehrheitlich dagegen. Damit werden die Planungen vonseiten der Stadt nicht weiterverfolgt.
Die Bayer AG besitzt für knapp 6,5 Hektar des Plangebiets bereits Baurecht für gewerbliche Nutzungen mit Bauhöhen von bis zu 24 Meter und einem Versiegelungsgrad von bis zu 80 Prozent. Der Konzern hat hierzu bei der Stadt eine Bauvoranfrage eingereicht.
Umfassende Informationen rund um das Sportleistungszentrum gibt es auf der
Projektseite von Bayer 04 Leverkusen.