Monheim-Lexikon: Zweiter Weltkrieg

Der Bombenangriff vom 21. Februar 1945 (2)

„Als die letzten Bomben gefallen waren, gingen wir vorsichtig herauf; draußen war es glühend hell; das große Werk [Rhenania-Ossag] im Norden des Ortes mit seinen riesigen Kesseln brannte lichterloh“, hielt der evangelische Pfarrer Dr. Paul Goldberg über die Nacht des 21. Februar fest.

Auch Kaplan Hans Meixner, Kaplan an der Katholischen Pfarrgemeinde St. Gereon, machte Aufzeichnungen: „In blutrot-flackerndem Scheine brennender Öltanks der Rhenania bot Monheim ein grauenvolles Bild der Verwüstung. Es war fast unfaßbar, wie sich in 20 Minuten solche Vernichtung austoben konnte. Die Zufahrtstraßen ins Dorf waren durch Blindgänger und Bombentrichter blockiert. Nur die Opladener Straße [heute Frohnstraße] war bis in Höhe des Friedhofes für Fahrzeuge benutzbar.“

Die Katholische Gemeinde hatte in der Bombennacht ihre Kirche verloren. Das Kirchenschiff war in einen Trümmerhaufen verwandelt. Der Turm, der ebenfalls Schaden genommen hatte, stand noch.

Kaplan Meixner berichtet: „Als die Gläubigen in der Nacht von der Zerstörung der Kirche erfuhren, konnten sie es kaum fassen. Nach den Toten empfand man den Verlust der Kirche als schwersten Schaden der Gemeinde.“

Gleich am Tag nach der Bombennacht stellte Pfarrer Dr. Goldberg die evangelische Kirche den Katholiken für ihre Gottesdienste zur Verfügung. Durch die Explosion einer Drei-Zentner-Bombe war auch die evangelische Kirche beschädigt worden; sämtliche Fenster waren zerstört, das Gebäude aber noch benutzbar.

Zu Jahrestagen der Bombennacht vom 21. Februar 1945 sind immer wieder alte Monheimerinnen und Monheimer nach ihren persönlichen Erlebnissen und Erinnerungen gefragt worden. Hier einige Stimmen:

Anneliese Clemens (* 1937) durchlitt die Bombennacht im Keller des Postamts an der Alten Schulstraße. „Auf einmal leuchteten ,Christbäume‘ [Leuchtmunition] über dem Dorf und alles ging sehr schnell. Die Bomben kamen nach dem Alarm so schnell, daß wir kaum Zeit hatten, den Keller aufzusuchen. Vor der Post schlug eine Bombe ein und wir glaubten, im Staub und Kalk ersticken zu müssen. Erst im Morgenlicht waren die Verwüstungen zu erkennen. Mehrere Bomben waren in den Seitenflügel des Katholischen Krankenhauses eingeschlagen. Eine schwere Treppenstufe des Hospitals fand sich später auf dem Dachboden der Post wieder. Andere Stufen waren bis zu 150 Meter weit in die umliegenden Gärten und Gebäude geschleudert worden“ (nach Rheinische Post, 21. Februar 1975).

Johanna Süß (* 1919): „Wir waren erst kurz zu Bett gegangen. Dann heulten die Sirenen. Ich wickelte mein noch nicht einjähriges Kind in Decken, nichts wie runter in den Keller. Meinen Sohn gab ich meiner Mutter auf den Schoß. Sonst legte ich ihn immer in einen Korb und stellte ihn in die Kartoffelecke. Diesmal tat ich das nicht und das war sein großes Glück. Eine Luftmine schlug in unser Haus an der Parkstraße ein, hob es regelrecht hoch, verschüttete uns alle. Es kam mir wie eine Ewigkeit vor, bis man mich befreite. Von meinem Kind und den Eltern hörte ich nichts. Erst gegen 7 Uhr fand man sie. Vater und Mutter waren tot, mein Sohn lebte. Meine Mutter hatte das Kind fest an sich gepreßt und sich über es gebeugt. Das hatte ihm das Leben gerettet“ (nach Westdeutsche Zeitung, 18. Februar 1995).

Karl König (* 1935): „Ich stand mit meinem Bruder Willi vor unserem Haus an der Alten Schulstraße 9. Auf einmal zeigten sich ,Christbäume‘ über dem Schelmenturm. Schnell liefen wir in den Keller, wo sich meine Mutter – mein Vater war im Krieg – und die Nachbarn eingefunden hatten. Dann ein ohrenbetäubender Knall. Der Keller bebte, das ganze Haus schwankte, wir wurden wild durch den Raum geschleudert, die Menschen schrien, ein Teil lief nach oben. Mitten auf der Straße war an der heutigen Doll Eck eine Bombe eingeschlagen. Wir hatten Glück. Unser Haus war wohl sehr stark beschädigt, aber es stand noch. Viele Häuser in der Krumm-, Frohn- und Grabenstraße waren ebenfalls getroffen und brannten lichterloh. Ein heller Feuerball stand über der Rhenania, wo die Öltanks niederbrannten. Am nächsten Morgen legte sich über Tage hinweg ein schwarzer Rauchschleier über ganz Monheim. Der Tag wurde zur Nacht. Das alles machte die Bergungsarbeiten in den zerstörten Häusern noch schwieriger“ (nach Westdeutsche Zeitung, 18. Februar 1995).

Der letzte Eintrag im Wachbuch der Luftschutz-Warnstelle im Rathaus vom 21. Februar 1945 lautet:

„ca. 0.30 Uhr Öffentliche Luftschutzwarnung kein Strom da
ca. 0.35 Uhr Fliegeralarm
1.30 Uhr Angriff auf Monheim
Dauer ca. 25 Minuten
Starker Bombenabwurf im gesamten Ortsgebiet.
Funkstation und Telefonanlagen gestört
Polizeipräsidium Düsseldorf durch Kradmelder über Meldekopf Langenfeld und Baumberg verständigt. Nach Wiederherstellung der Telefonanlage Polizeipräsidium Düsseldorf in Kenntnis gesetzt und Kräfte angefordert.
Durch Landratsamt Feuerwehren des unteren Kreises in Marsch setzen lassen.
Sämtliche Zugangsstraßen durch große Bombentrichter unpassierbar. Feuerwehr-Trupps zur Wiederherstellung eingesetzt.
Großbrand in Rhenania-Großtanks und Raffinerie in Brand.
Zahlreiche Einzelbrände durch freiwillige Feuerwehr gelöscht.
Laufend Meldungen über Verschüttungen.“

Zuletzt geändert am 9. April 2020

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