Monheim-Lexikon: Zweiter Weltkrieg

Letzte Phase (1)

Nach dem schweren Luftangriff vom 21. Februar 1945 waren die Tage des „Dritten Reiches“ auch in Monheim gezählt. Bürgermeister Josef Grütering setzte sich nach Olpe ab. Die zu Kriegsbeginn 1939 eingerichtete Luftschutz-Warnstelle im Rathaus stellte offenbar ihre Arbeit ein. Es erfolgten auch keine weiteren Luftangriffe mehr, die Lage blieb aber für die Monheimer und Baumberger Bevölkerung weiterhin gefährlich.

Seit Anfang März befand sich das linke Rheinufer von Remagen bis Düsseldorf in der Hand der Alliierten. Gegenüber Monheim und Baumberg lagen Einheiten der 1. US-Armee. Deren Artillerie feuerte fortwährend Granaten herüber.

Durch den Beschuss kamen in den nachfolgenden sechs Wochen etwa zwanzig Personen ums Leben. Wehrmacht und Volkssturm, zu dem alle waffenfähigen Männer von 16 bis 60 Jahren dienstverpflichtet wurden, vermochten nur noch schwache Gegenwehr zu leisten.

Monheim und Baumberg lagen nunmehr in der „Hauptkampflinie“, waren also Frontgebiet. Hans Meixner, Kaplan der Katholischen Pfarrgemeinde St. Gereon, berichtet:

„Was es heißt, in der Hauptkampflinie zu leben, sollten wir in der Nacht vom 7. auf den 8. März erfahren. Von 23.45 Uhr bis 7 Uhr morgens lag ununterbrochen starker amerikanischer Beschuß auf dem Dorf. Das Pfarrhaus bekam in der Südseite des Keller-Geschosses einen Treffer. Zum Glück wurde keiner verletzt. Aber schon waren die Nerven durch derartige Erlebnisse überreizt, daß im Pfarrhaus keiner mehr bleiben wollte und auch keiner mehr bleiben konnte. […] Es wird davon gesprochen, daß alle räumen müssen, und diese Gerüchte gehen wochenlang mit uns, finden immer neue Nahrung. Durch den Eindruck des nächtlichen Beschusses verlassen viele ihre Heimat. Am Freitag [9. März] wird allgemeine Evakuierung bis Sonntagabend [11. März] 20 Uhr angeordnet. Die jetzt noch da sind, sind sich darin einig, daß sie bleiben werden.“

Die Lage in Baumberg schildert Pfarrer Wilhelm Gehrmann: Ab Anfang März „lagen wir 6 Wochen unter dem hinüber- und herübergehenden Artilleriefeuer. In dieser Zeit wurde auch täglich von drüben ins Dorf hineingeschossen. Unruhige Tage wechselten mit ruhigeren. Mit Ausnahme des letzten Tages [16. April] erfolgte von morgens 6‒10 Uhr kein Schuß in unsern Ort. Die gefährlichsten Stunden waren meistens nachmittags zwischen 5 und 6 Uhr und abends um 9. Nachts wurden meistens Störungssalven ins Dorf hineingesandt, besonders auf Straßenkreuzungen.“

Diesem Stundenplan mussten sich Alltags- und Gemeindeleben fügen. Die Frage „ausharren oder bleiben“ war auch in Baumberg akut, wie Pfarrer Gehrmann berichtet: „Am 10. März wurde eine Räumungsaufforderung ausgeschellt, die aber nachmittags wieder zurückgenommen wurde. Abends ging ein Transport von Baumbergern bis Bergisch Neukirchen. Im Ganzen hatten nur ca. 100 Einwohner den Ort verlassen.“

An den Osterfeiertagen 1945, am 1. und 2. April, wurde der Gottesdienst nicht in der Pfarrkirche St. Dionysius, sondern im Backhaus der Bäckerei Busch an der Hauptstraße abgehalten. Eine Granate hatte am 24. März das Dach der Kirche durchschlagen. Außer dem Dach wurde auch die Orgel beschädigt, das Kircheninnere war übersät mit Schutt und Staub.

Die Monheimer Pfarrkirche St. Gereon, die ja beim Bombenangriff vom 21. Februar weitgehend zerstört worden war, wurde ebenfalls beschossen. Am 26. März setzten gegen 20 Uhr Phosphorgranaten den Helm des Kirchenturms in Brand. Die einzige verbliebene Glocke schmolz. Die Turmspitze brach in sich zusammen.

Über den Alltag während der Beschusszeit von Anfang März bis Mitte April berichtet der evangelische Pfarrer Dr. Paul Goldberg:

„Im Dorf Monheim selbst mußte man einfach wegen der Artillerie-Einschläge im Keller wohnen; die Ofenpfeifen der Herde, die in die Keller gestellt waren, ragten aus den Kellerfenstern überall auf die Straßen hinaus und qualmten.

Im Laufe der Zeit stellten sich dann allerhand Kellerkrankheiten – Erkältungen, die schwer weichen wollten, und lästige Darmstörungen – heraus; auch das Zusammensein in den engen Kellern bei schwierigen Heiz- und Kochproblemen und mangelhafter Beleuchtung war nicht einfach. Dabei war jedes Betreten der Strasse nicht ungefährlich; an manchen Stellen mitten im Ort war von der anderen Rheinseite her Feindeinsicht; und es gab Ecken, von denen man wußte, daß dort – nachdem mehrere Leute sich da gezeigt hatten – mit einem Schrapnellsegen zu rechnen war. Morgens zwischen sieben und neun Uhr war die stille Zeit; aber sicher war auch das durchaus nicht.“

Zuletzt geändert am 9. April 2020

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