
Auf dem Kreisverkehr Krischerstraße / Kapellenstraße brodelt und zischt es. Leichter Nebel wird versprüht in einer künstlichen Natur, die nicht hierher gehört. Immer wieder, in größeren zeitlichen Abständen, entfaltet diese natürlich wirkende und doch fremdartig bewachsene Insel ihre gewaltige, temporäre Monumentalität.
Die vormals ruhige Stimmung wird durch eine kurz anhaltende, aber heftige Eruption abgelöst: In unregelmäßigen Abständen bricht der Geysir geräuschvoll aus. Eine über zehn Meter hohe Wassersäule taucht den Kreisverkehr für kurze Zeit in ein einziges Nass, bevor sich das Wasser wieder in ein kleines Becken inmitten der Insel zurückzieht, die mit bemoosten Flusskieseln bedeckt ist.
Für genau diesen Ort geschaffen
Der gebürtige Schweizer und in Düsseldorf lebende Künstler Thomas Stricker (*1962, St. Gallen) setzt sich in seinen Werken stets mit Themen des öffentlichen Raums und der Natur auseinander. Seine vielfältigen, weltweit geschätzten Installationen und Skulpturen behandeln dabei diverse Aspekte von Ortsspezifik. So befindet sich im nahegelegenen Grevenbroich seine Skulptur „Permanent Lightning“ seit 2009 am Eingang des Stadtparks und zeigt einen dauerhaften Blitzeinschlag aus Metall, der Bezug nimmt zur örtlich bedeutenden Energiewirtschaft.
Als ortsspezifische Kunst gilt diejenige, die für einen bestimmten Ort geschaffen wurde, mit diesem untrennbar verbunden ist und sich dabei nicht nur formal (architektonisch, funktional), sondern auch inhaltlich (historisch, soziologisch, politisch) mit diesem befasst. Das Thema der Ortsspezifik hat sich seit den späten 1960er-Jahren als fester Bestandteil von Kunst im öffentlichen Raum manifestiert und entscheidet in vielen Fällen über die Qualität einer entsprechenden künstlerischen Arbeit.
Thomas Stricker schließt sich dieser kunsthistorisch verankerten Idee an, die Umgebung der künstlerischen Arbeit nicht nur mitzubedenken und dazu eine Haltung zu entwickeln, sondern als Ausgangspunkt in die künstlerische Arbeit selbst zu integrieren.
Ein verbindendes Erlebnis
In Strickers Werk „Der Monheimer Geysir“ sowie in seinem gesamten künstlerischen Schaffen gehört zur Ortsspezifik stets sowohl die räumliche, das heißt städtebauliche und landschaftliche, Umgebung, als auch der soziale Aspekt des interaktiven Kommunikationsprozesses mit Auftraggebenden und Besuchenden. So wird die Betrachtung der Ausbrüche zu einem gemeinschaftlichen Ereignis und verbindet die Menschen auf den Balkonen und hinter den Fenstern der Häuser mit den Menschen auf der Straße, während der Verkehr mit seiner alltäglichen Betriebsamkeit für eine kleine Weile ruht.
Thomas Stricker hat ein Kunstwerk mit signifikantem Ausblick auf den Rhein geschaffen und in seinem Konzept die örtlichen Begebenheiten und die Stimmung des Ortes aufgegriffen. Der Kontrast von Städtebau und dem für den Ort ungewöhnlichen Phänomen eines Geysirs spielt dabei eine bedeutende Rolle.
Auf einer eigenen
Geysir-Seite informiert die Stadt über die Wahrscheinlichkeit des nächsten Ausbruchs, der festen Gesetzmäßigkeiten erfolgt und sich dabei insbesonder an der Anzahl gesammleter „Sonnenstunden“ orientiert. Hier gibt es den
Bericht zur Einweihung des Kunstwerks.
