Monheim-Lexikon: Zweiter Weltkrieg

Der Bombenangriff vom 21. Februar 1945 (1)

Wie oft Monheim und Baumberg das Ziel von Luftangriffen waren, ist nicht völlig sicher. Im Stadtarchiv liegen Angaben zu 39 Angriffen vor. Sie wurden zunächst von der britischen Royal Air Force geflogen, seit Januar 1943 unterstützte die US Air Force den Luftkrieg gegen Deutschland. Die amerikanischen Bomber griffen auch tagsüber an.

Vom Beginn der Angriffe auf Monheim und Baumberg im Mai 1940 bis etwa Juni 1943 fielen jeweils meist weniger als zehn Bomben. Es blieb bei Sachschäden, Tote waren nicht zu beklagen. Ab Mitte 1943 wurden die Bombardements heftiger.

So wurden bei zwei nächtlichen Angriffen am 25. und 29. Juni 1943 insgesamt rund 3600 Brandbomben und 33 Sprengbomben abgeworfen. Schäden entstanden bei der [intern]Rheinischen Pappenfabrik, im Werk der [intern]Rhenania-Ossag, bei [intern]Haus Bürgel und an zahlreichen Wohngebäuden.

Ein noch schwererer Angriff erfolgte in der Nacht vom 22. zum 23. August 1943, als 3000 Brandbomben, 500 Phosphorbrandbomben, eine Luftmine und vier Sprengbomben eingesetzt wurden. Geradezu verheerend war die Sprengkraft von Luftminen.

Diese Hochkapazitätsbomben, auch „Blockbuster“ („Wohnblockknacker“) genannt, waren mit bis zu 1,5 Tonnen Sprengstoff gefüllt. Nach dem großen amerikanischen Angriff auf die Rhenania am 15. Oktober 1944 erfolgten für den Rest des Jahres offenbar nur noch kleinere Aktionen.

„Das Ende des Jahres 1944 war für uns eine Stille vor dem kommenden Sturm. Mit unseren Kindern waren wir zusammen und konnten ziemlich ungestört Weihnachten feiern. An einem der Feiertage kamen bei strahlendem Sonnenschein, der den Schnee blendend aufleuchten ließ, Scharen feindlicher Flieger über uns hergeflogen; wir erwarteten einen ganz besonders schweren Angriff bei uns oder in der Nähe, aber zur allgemeinen Verwunderung blieb alles still“, schrieb der Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde, Dr. Paul Goldberg (1898–1967), in einem Erinnerungsbericht.

Die höchste Steigerung von Zerstörung und Tod brachte dann der Februar 1945. Zwei Angriffe galten zunächst der Rheinischen Pappenfabrik, wo elf Menschen ums Leben kamen.

„Die Schutzgräben, die an den Wegen ausgehoben worden waren, um bei Tiefangriffen eine Zuflucht zu bieten, konnte man gelegentlich kaum schnell genug unterwegs erreichen, während schon die Bordwaffen der Flugzeuge ihre Reihenschüsse abgaben. […] Im Dorf war aber nur eine Meinung darüber, daß dies erst der Auftakt zu dem sein würde, was man hier erleben würde“, berichtet Pfarrer Goldberg.

Die Vorahnung wurde in der Nacht vom 20. zum 21. Februar zur furchtbaren Gewissheit. „Am späten Abend des 20. Februar war ein Alarm gekommen, der aber nichts Besonderes war; wir gingen mit den Kindern in den feuchten, kalten Keller und hörten die Nachrichten des Drahtfunks, die ziemlich beruhigend klangen.“ Es sei sogar schon Vorentwarnung gegeben worden, doch als die Entwarnung letztlich ausblieb, kehrte Familie Goldberg in den Keller zurück, gerade noch rechtzeitig.

„[…] und als wir nicht allzu lange unten waren, kamen Massen von Flugzeugen, und über uns ging eine Hölle los. Das Licht erlosch, der Keller bebte, manchmal meinte man deutlich zu spüren, wie sich der Fußboden des Kellers hob und der ganze Raum sich bewegte; dann Krachen und dumpfe Detonationen näher und ferner; über uns hörten wir Splittern, Klirren von Glas und Stürzen“, schildert Pfarrer Goldberg die Schrecken des schwersten Bombenangriffs der Royal Air Force auf Monheim, der am 21. Februar gegen 1.30 Uhr begann und etwa 25 Minuten dauerte.

Der Angriff forderte mindestens 51 Menschenleben. Die schwersten Schäden entstanden im Ortskern, zudem an den Werksanlagen von Rhenania-Ossag, Rheinischer Pappenfabrik sowie Kettenfabrik Pötz & Sand. An folgenden Straßen wurden 29 Wohnhäuser völlig zerstört: Alte Schulstraße, Drehwanstraße, Franz-Boehm-Straße, Frohnkamp, Grabenstraße, Heinrich-Späth-Straße, Kapellenstraße, Knipprather Straße, Krischerstraße, Krummstraße, Meisburgstraße, Niederstraße, Opladener Straße, Poetengasse, Rotdornstraße (alle Straßennamen nach Stand 2020).

In der Bombennacht erhielt auch der 1920 eröffnete Erweiterungstrakt des St.-Josef-Krankenhauses (gegründet 1904) einen Volltreffer. Dabei kam ein 71-jähriger Mann ums Leben, von möglichen weiteren Opfern ist nichts bekannt. Noch am 20. Februar war im Krankenhaus ein Kind geboren worden. Mutter und Kind müssten also den Angriff überlebt haben.

Offenbar hatte der Großteil der Patienten, darunter zahlreiche alte, alleinstehende oder pflegebedürftige Menschen, das Krankenhaus rechtzeitig verlassen. Sie wurden nach Engelskirchen evakuiert, begleitet von Ordensschwestern der Armen Dienstmägde Jesu Christi, die sowohl im Monheimer als auch im Engelskirchener Krankenhaus tätig waren.

Sicherer als in Monheim war es in Engelskirchen freilich keineswegs. Die seit Februar 1945 auf Engelskirchen gerichteten Luftangriffe erreichten ihren Höhepunkt am 19. März, als der Ortskern weitgehend zerstört und mehr als zweihundert Menschen getötet wurden. Insgesamt hatte das 5760 Einwohner zählende Engelskirchen rund dreihundert Ziviltote zu beklagen.

Von den Monheimer Patienten starben während des Aufenthalts in Engelskirchen von März bis Mai 1945 mindestens acht, alle eines natürlichen Todes.

Zuletzt geändert am 1. Juli 2020

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