Ein paar Tage ohne Luftalarm, ohne Angst vor Angriffen und mit vielen neuen Eindrücken: 33 Kinder aus der Ukraine im Alter von acht bis 14 Jahren verbringen derzeit zehn Ferientage in Deutschland. Im Rahmen ihres Feriencamps führte sie ein Ausflug auch nach Monheim am Rhein. Im Rathaus wurden die Kinder und ihre zwölf Betreuungspersonen von der stellvertretenden Bürgermeisterin Dr. Angela Linhart begrüßt.
Ins Leben gerufen wurde die Ferienaktion von der Bayer AG. Bei der Auswahl der teilnehmenden Kinder orientierte sich das Unternehmen an den ukrainischen Partnerstädten Kölns und Monheims am Rhein: Dnipro und Volodymyr. Organisatorische Unterstützung leistet der Verein blau-gelbes Kreuz. Er kümmerte sich unter anderem um die Auswahl der Kinder in der Ukraine, unterstützte bei der Einreise und begleitet die Gruppe während ihres Aufenthalts.
Städtepartnerschaft erst im Februar beschlossen
Im Monheimer Ratssaal erinnerte Dr. Linhart daran, dass die Städtepartnerschaft zwischen Monheim am Rhein und Volodymyr erst am 10. Februar dieses Jahres offiziell beschlossen wurde. Die Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrag soll noch in diesem Jahr stattfinden. Seit Beschlussfassung gab es bereits verschiedene Kontakte und Begegnungen. Mit den Kindern seien nun aber erstmals Menschen aus der Zivilgesellschaft aus Volodymyr im Rahmen eines solchen Austauschs zu Gast. Zuvor waren es vor allem Erwachsene, die in offizieller Funktion nach Monheim am Rhein gekommen waren.
In ihrer Begrüßung richtete Dr. Linhart den Blick auch auf die Situation der Familien in der Ukraine. „Ich kann nicht sagen, wie ihr euch fühlt. Aber ich versichere euch: Wir bekommen mit, was bei euch zu Hause passiert, und wir schauen nicht weg“, sagte sie. Sie verneige sich sinnbildlich vor den Vätern, Müttern und Familien, die in der vom Krieg geprägten Heimat ihren Alltag weiter bewältigen müssten. „Wir sind froh, dass wir Teil dieser Reise sein können.“
Zugleich erinnerte die stellvertretende Bürgermeisterin daran, dass inzwischen viele Menschen aus der Ukraine in Monheim am Rhein leben. Auch das Kyiv Symphony Orchestra sei mittlerweile ein fester Teil der Monheimer Stadtgesellschaft. Dr. Linhart verurteilte den russischen Angriffskrieg und ermutigte die jungen Gäste, während ihres Aufenthalts viel über ihre Heimat zu erzählen. Sie seien in diesen Tagen auch Botschafterinnen und Botschafter ihres Landes.
Anreise nach Deutschland gestaltete sich schwierig
Wie wichtig vor allem das Gefühl von Sicherheit während der Reise ist, machten die Kinder selbst deutlich. Nicht ständig mit der Angst vor Luftangriffen leben zu müssen, sei für sie eine besonders wertvolle Erfahrung. Gerade für einen Teil der Gruppe aus Dnipro war bereits die Anreise schwierig. Auf dem Weg Richtung Polen gerieten die Reisenden zeitweise in gefährliche Situationen und mussten wegen der Kriegslage Verzögerungen in Kauf nehmen.
Trotz des ernsten Hintergrunds standen beim Empfang im Rathaus vor allem die Begegnung und die Freude über den Besuch im Mittelpunkt. Die Kinder hatten zahlreiche Geschenke mitgebracht. Sie überreichten selbst gemalte Bilder, Fahnen und ukrainisches Porzellan und führten gemeinsam einen Tanz auf. Für einen besonders bewegenden Moment sorgte die elfjährige Anna. Sie sang ein Lied im Gedenken an alle Väter, die im Krieg ihr Leben lassen mussten. Zum Abschluss erklang gemeinsam die ukrainische Nationalhymne.
Auch der von Monheimer Ukrainerinnen und Ukrainern gegründete Verein Leleka begrüßte die Gruppe im Rathaus. Die Vereinsmitglieder hatten unter anderem Stoffbeutel und Universalladekabel für Mobiltelefone als Geschenke vorbereitet. Von der Stadt Monheim am Rhein erhielten die Kinder jeweils eine Tasse und fair gehandelte Schokolade. Nach dem Empfang ging es für die Gruppe weiter in eine Eisdiele, wo der Vormittag bei einem gemeinsamen Eis ausklang.
Untergebracht sind die Kinder während ihres zehntägigen Aufenthalts im Bayer-Gästehaus Große Ledder in Wermelskirchen. Von dort aus starten sie zu verschiedenen Ausflügen. Neben Monheim am Rhein standen unter anderem schon Köln, Remscheid und ein Besuch im Phantasialand auf dem Programm. Die Fahrten bestreitet die Gruppe jeweils mit dem Reisebus der Bahnen der Stadt Monheim. Übrigens: Die Bayer AG organisiert in diesem Sommer noch ein zweites Feriencamp mit ukrainischen Kindern aus anderen Städten. (tb)


