Aus der Gesamtschule am Berliner Ring ist im Zuge eines feierlichen Festakts die
Ulla-Hahn-Gesamtschule Monheim am Rhein geworden. Die Schulgemeinschaft, aber auch geladene Gäste aus Rat, Verwaltung und Bürgerschaft, begingen in der Aula am Berliner Ring gestern gemeinsam die neue Namensgebung.
Bereits im September vergangenen Jahres beantragte die Schulkonferenz der Gesamtschule den neuen Namen bei der Stadtverwaltung, die unmittelbar in die Prüfung einstieg. Unbekannt ist die Schriftstellerin, die in Monheim am Rhein aufwuchs und mit der Stadt auch heute noch eng verbunden ist, schließlich nicht. Nach positiver Prüfung stand zeitnah fest: Das Wirken von Ulla Hahn ist in der Stadtgesellschaft allgegenwärtig, einer neuen Namensgebung steht nichts im Weg. Die formale Umbenennung fand bereits zum 1. Mai dieses Jahres statt.
Sprache steht im Fokus des schulischen Miteinanders
Und Ulla Hahn, die als Schriftstellerin mit ihren Worten überzeugt hat, war auch bei der Feierlichkeit allgegenwärtig, obwohl sie selbst aus gesundheitlichen Gründen dem Festakt nicht beiwohnen konnte. Dass es aber gerade die Sprache ist, die im Fokus des schulischen Miteinanders steht, präsentierten Schülerinnen, Schüler und Lehrerschaft in einem vielseitigen Programm. Die Schulband, aber auch Tanzeinlagen und Solo-Klavierdarbietungen führten zu einer kurzweiligen Feierlichkeit. Ein Höhepunkt stellte der Abschluss des Saxa-Projekts dar, ein Kunstprojekt an dem sich Schülerinnen und Schüler unterschiedlicher Jahrgänge beteiligen. Gemeinsam hatten sie sich mit Gedichten und Texten der berühmten Schriftstellerin auseinandergesetzt und im Gesamtwerk ein Bild der neuen Namensgeberin geschaffen, das aus 60 einzelnen Blättern und komplett aus Wörtern besteht.
Doch wer ist Ulla Hahn überhaupt und was bedeutet Sprache für uns? Diesen Fragen gingen die beiden Schülerinnen Metra und Estelle nach, die einen Rückblick aus das literarische Wirken der Schriftstellerin lieferten und gleichzeitig veranschaulichten, dass Worte und Sprache Realität, Kultur und Gefühle darstellen. „Nutzt eure Sprache um zu verstehen, zu verbinden und zu motivieren“, forderten die Schülerinnen die Schulgemeinschaft auf.
Bürgermeister Daniel Zimmermann erinnerte in seinem Grußwort an einen Besuch bei Ulla Hahn, die heute in Hamburg lebt. „Wir wollten von ihr wissen, ob wir die Gesamtschule nach ihr benennen dürfen“, so der Bürgermeister, der sich über eine schnelle Zusage freuen durfte. „Ulla Hahn hat mit ihren Büchern der Stadt ein Denkmal gesetzt und mit dieser Namensgebung setzen wir ihr ein Denkmal.“ Die Namensgebung sollte gleichzeitig ein Geschenk zu ihrem 80. Geburtstag sein. Abschließend dankte er allen Beteiligten, die sich für den neuen Namen ausgesprochen haben und stellte in Aussicht, dass Ulla Hahn zum Jahresende einen Besuch angekündigt hat, bei dem sie auch die Schule besuchen möchte.
Schule soll bilden und Spaß machen
Grüßende Worte Ulla Hahns hatte Kirsten Witt, Leiterin des Ulla-Hahn-Hauses, mitgebracht. „Schule soll bilden, aber sie soll auch Spaß machen“, gab die Schriftstellerin ihren Schützlingen mit auf den Weg. Wie wertvoll die Schulbildung ist, hat Ulla Hahn am eigenen Leib erfahren. Sie selbst besuchte die Lottenschule und absolvierte später nach der Mittleren Reife das Abitur. Vorgesehen war dieser Weg für sie nicht, Schulbildung wurde in den 1950er- und 1960er-Jahren besonders für Mädchen nicht als wichtig erachtet. Unterstützung bekam sie jedoch durch die Lehrerschaft. „Und ganz besonders durch meinen Lehrer Wilhelm Schulte. Als er alle Kinder aufforderte sich hinzustellen, die nach der Grundschule auf eine weiterführende Schule gingen, blieb ich sitzen. Er forderte mich auf aufzustehen“, erinnert sich Ulla Hahn in ihrem Grußbrief und veranschaulichte so einen schulischen Meilenstein in ihrer Karriere. Abschließend wünschte sie allen Schülerinnen und Schülern viel Spaß auf ihrer Schule.
Schulleiterin Stephanie Bräuer zitierte in ihrer Rede aus Shakespeares Romeo und Julia: „Was ist denn schon ein Name?“ Es habe im Vorfeld viele Vorschläge gegeben, darunter beispielsweise Muhammad Ali. „Doch sie alle hatten nichts mit unserer Stadt und unserer Schule zu tun“, so Bräuer, die mit Ulla Hahn eine Frau als Namensgeberin gefunden hat, die Monheim am Rhein nicht nur kennt, sondern der auch Bildung wichtig ist. Und auch Schuldezernentin Karin Büschenfeld von der Bezirksregierung Düsseldorf gratulierte zu der gelungenen und treffenden Umbenennung der Schule von einer bloßen Adresse hin zu einem Namen mit Sinn. „Ich erinnere mich noch gut, dass ich vor sechs Jahren die ersten Jahrgänge zum Schulstart begrüßte. Jetzt gibt es wieder einen Grund zu feiern und ich merke, dass Sprache an dieser Schule als prägendes Element der Bildung und der Erziehung genutzt wird“, so Büschenfed abschließend. (tb)


