Es ist ein ungewohntes Bild, das sich derzeit auf den Plätzen und Gehwegen von der Altstadt über Monheim Mitte bis zum Ernst-Reuter-Platz bietet: Farbenfrohe Botschaften wie „Make Space for Yourself“ oder „Keep Living – You`re Worth it“ oder auch „Miteinander = Inklusion“ und „Deine Würde ist unantastbar“ gesprüht mit knalliger Kreidefarbe ziehen die Blicke der Passantinnen und Passanten auf sich.
Dahinter steckt die Aktion „Say it! Spray it! Dein Statement für Respekt“ der Kunstschule Monheim am Rhein – und vor allem das Engagement zahlreicher Schülerinnen und Schüler von allen drei weiterführenden Schulen. Diese hatten sich in den vergangenen Wochen anlässlich der Internationalen Wochen gegen Rassismus zu mehreren Workshops verabredet. Das Ergebnis lässt sich seit Samstag im Öffentlichen Raum sehen und ab Freitag, 27. März, für zwei Tage in der Altstadtkirche.
Live in der Stadt statt virtuell
„Diskriminierung im Alltag ist ein sehr aktuelles Thema, was man bekannt machen sollte“, sagt Franka Olthoff (18), Schülerin am Otto-Hahn-Gymnasium (OHG), während sie mit einer selbstgefertigten Schablone ein Statement auf den Boden vor dem Rathaus aufsprüht. Passanten bleiben stehen, man kommt ins Gespräch. „Genau das wollen wir erreichen“, sagt Künstler und Kunstlehrer Christian Dünow, der die Entstehung der Graffiti-Schablonen begleitete. „Wir treffen uns bewusst im öffentlichen Raum, live in der Stadt und nicht virtuell. So kommen spannende Gespräche mit unterschiedlichsten Menschen aller Generationen zu Stande.“ Auch Tarik Emir, Kontaktbeamter für interkulturelle und religiöse Angelegenheiten im Kreis Mettmann, und Journalistin und Aktivistin Oyindamola Alashe begleiteten die Gruppe in den vergangenen Wochen.
In vorbereitenden Workshops setzten sich die Jugendlichen intensiv mit Diskriminierung und Rassismus im Alltag auseinander – besonders mit der Rolle von Sprache. Gemeinsam überlegten sie, welche Botschaften sie vermitteln wollen. „Es sollte nicht nur darum gehen, die negativen Aspekte von Ausgrenzung zu benennen. Wir wollen uns für die guten Dinge einsetzen“, sagt Johanna Gräf (16). Und so entstanden rund ein Dutzend mutmachende Botschaften, die „empowern sollen“, so die Schülerinnen. Sowohl auf Englisch als auch auf Deutsch – damit Menschen, die kein Deutsch sprechen, nicht ausgegrenzt werden, so die Jugendlichen.
So gut wie jeder war bereits von Ausgrenzung betroffen
Ersonnen und geplant hatte die Aktion Brigitte Schörmann von der Kunstschule Monheim am Rhein. „Ich fand es total spannend, dass wirklich aus allen Schulen Teilnehmende dabei waren“, sagt sie. „Die Atmosphäre in den Workshops war sehr entspannt und vertraut.“ So unterschiedlich die Jugendlichen auch sind, es eine sie, dass so gut wie jeder bereits von Ausgrenzung betroffen gewesen sei. „Man merkt das oft gar nicht mehr, weil es so normal geworden ist“, sagt Franka und nennt Beispiele: stereotype Zuschreibungen – Frauen sind emotional und sensibel, Männer stark –, Kritik am Kleidungsstil oder Situationen, in denen man öffentlich bloßgestellt wird. „Es betrifft wirklich jeden“, betont auch Johanna. Neben Rassismus und Sexismus ging es in den Workshops um Ableismus – also die Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen. Johanna, die selbst betroffen ist: „Man sollte auf Bedürfnisse achten und darauf eingehen“, sagt sie. „Zum Beispiel bei Hörbeeinträchtigungen einfach laut genug sprechen.“ So einfach könnte es sein.
Eine Ausstellung in der Altstadtkirche zeigt Bilder, Plakate und die Statements
In einer abschließenden Ausstellung mit Plakaten, Bildern und Berichten über das Projekt, die am Freitag in der Altstadtkirche feierlich eröffnet wird, möchten die Jugendlichen mit Interessierten ins Gespräch kommen. „Wir hoffen auf viele Besucherinnen und Besucher“, sagt auch Projektverantwortliche Brigitte Schörmann. „Das wird sicher ganz toll.“ Zu sehen sind die Werke der Jugendlichen von Freitag, 27. März, 15 bis 18 Uhr, und Samstag, 28. März, 11 bis 17 Uhr in der Evangelischen Altstadtkirche. „Say it! Spray it!“ wird mit dem mit 2.000 Euro dotierten Förderpreis „(D)Ein Ding“ des Kultursekretariats Gütersloh ausgezeichnet. (pm)


