Mehr als acht Jahre lang wurde geplant, entwickelt und gebaut. Nun ist aus der denkmalgeschützten Fassabfüllhalle der ehemaligen Raffinerie am Monheimer Rheinufer endgültig ein neuer Kulturort geworden: Mit dem Grand Opening der Kulturraffinerie K714 hat die Stadt Monheim am Rhein an diesem Wochenende das größte Einzelbauprojekt ihrer Geschichte eröffnet. Wo vor mehr als 100 Jahren Mineralöl verarbeitet und verladen wurde, kommen ab sofort Menschen aus Monheim am Rhein, der Region und weit darüber hinaus zusammen, um Kultur in all ihren wundervollen Facetten zu erleben.
Gleich zu Beginn des Abends landeten Bürgermeisterin Sonja Wienecke und Martin Witkowski, Intendant und Geschäftsführer der Monheimer Kulturwerke, in einem zur Zeitmaschine umgebauten DeLorean auf der Bühne des Großen Saals und wurden damit selbst Teil der ersten Szene einer inszenierten Zeitreise. Gemeinsam mit den Gästen ging es von dort zunächst mehr als ein Jahrhundert zurück.
Eine Reise durch die Zeit
Die eigens für das Grand Opening entwickelte Inszenierung „Eine Reise durch die Zeit“ erzählte im ersten Teil die Geschichte des Ortes von den Anfängen der Raffinerie im Jahr 1913 bis zu ihrer Stilllegung 1986/87. Schauspiel, Tanz und Musik ließen dabei unterschiedliche Epochen lebendig werden. In Videosequenzen kamen Monheimer Zeitzeugen und ehemalige Beschäftigte zu Wort, darunter Emil Drösser und Udo Bormacher, der von seiner Ausbildung und Arbeit in der Raffinerie berichtete. Ihre persönlichen Erinnerungen machten zugleich deutlich, wie stark das Werk über Jahrzehnte die Stadt und das Leben der Menschen geprägt hat.
Nach der Pause führte die Zeitreise wieder zurück in die Gegenwart und vor allem in die Zukunft des nun eröffneten Hauses. Das amtierende Monheimer Prinzenpaar und die Monheimer Prinzengarde Blau-Weiß brachten den Karneval auf die Bühne, Sänger Sasha zeigte nur begleitet durch einen Pianisten eine ganz andere Facette des Saals und das Kyiv Symphony Orchestra ließ erleben, wie phantastisch gut große Orchestermusik in der Kulturraffinerie tatsächlich klingt. Den Abschluss bildete ein Feuerwerk vor der Kulisse des leuchtenden Kubus, der als modernes Zentrum der Kulturraffinerie von der historischen Industriearchitektur umschlossen wird.
Martin Witkowski versprach zu Beginn eine Inszenierung, die spürbar machen sollte, was das Haus „von der DNA her, von der Seele her“ bereits erlebt hatte, und zugleich zeigen sollte, welche Vielfalt die Kulturraffinerie ab sofort ermöglicht. Er hielt Wort. Die Idee und künstlerische Leitung der Eigenproduktion der Monheimer Kulturwerke lagen bei ihm, die musikalische Leitung bei Felix Krieger. Die Schauspielregie übernahm der Hamburger Regisseur Helge Schmidt, die Choreografie stammte von Roberta Pisu.
Vielfalt und Lebendigkeit
Für Bürgermeisterin Sonja Wienecke ist die Eröffnung vor allem der Beginn eines neuen Kapitels für die Stadt. „Die Kulturraffinerie K714 soll ein Haus sein, das lebt. Ein Ort, an dem internationale Künstlerinnen und Künstler ebenso zu Hause sind wie die Menschen unserer Stadt“, hatte sie bereits beim Pre-Opening am Mittwoch betont. Damit verbindet sich der Anspruch, der Kulturraffinerie internationale Strahlkraft zu verleihen und zugleich vor allem ein kulturelles Zuhause für die Menschen in Monheim am Rhein zu schaffen. Zum Abschluss ihrer Ansprache hatte Wienecke gesagt: „Der Vorhang ist offen. Die Bühne ist bereit. Lassen wir die Kulturraffinerie K714 lebendig werden.“
Wie unterschiedlich dieses Haus bespielt werden kann, zeigt bereits die Eröffnungswoche. Beim Pre-Opening am Mittwoch brachte das Royal Concertgebouw Orchestra Amsterdam unter der Leitung von Santtu-Matias Rouvali gemeinsam mit dem Pianisten Víkingur Ólafsson den Großen Saal erstmals unter Konzertbedingungen zum Klingen. Nur zwei Tage später verwandelte sich derselbe Raum für das Grand Opening mit Schauspiel, Tanz und Orchester in eine große Theaterbühne. Genau diese Wandelbarkeit gehört zum Kern der Kulturraffinerie.
Denn die Kulturraffinerie ist weder klassisches Konzerthaus noch Theater, ebenso wenig ist sie ausschließlich Messehalle oder einfach nur Kongresszentrum. Sie vereint Elemente all dieser Gebäudetypen. Rund 50 unterschiedliche Sitz- und Bühnenszenarien sind allein im Großen Saal möglich. Automatisch ausfahrbare Tribünen können vollständig verschwinden, Seitenwände lassen sich öffnen und die Bühne kann an unterschiedlichen Stellen des Raumes positioniert werden. Je nach Konfiguration finden etwa 500 bis nahezu 5000 Menschen Platz. Auch die Akustik lässt sich auf unterschiedliche Veranstaltungsformen abstimmen.
Hochmodernes Spartenhaus
Entstanden ist dieses hochmoderne Mehrspartenhaus innerhalb der denkmalgeschützten Hülle eines bedeutenden Zeugnisses der Monheimer Industriegeschichte. Der um 1913 errichtete Industriebau gehörte zur Raffinerie, die über Jahrzehnte wirtschaftlicher Motor der Stadt und Arbeitsplatz für Generationen von Monheimerinnen und Monheimern war. Die historische Fassabfüllhalle bildet heute die Wandelhalle, die den neuen Veranstaltungskubus umschließt. Die Geschichte des Ortes wurde damit nicht überbaut, sondern bleibt sichtbar und wird mit einer neuen Nutzung fortgeschrieben.
Auch das Umfeld der Kulturraffinerie wurde im Zuge des Projekts noch einmal neu gestaltet. Die umgebaute Rheinpromenade schafft eine stärkere Verbindung zwischen der Kulturraffinerie und dem Fluss. Zahlreiche neue Sitz- und Aufenthaltsmöglichkeiten laden vor oder nach Veranstaltungen, in den Pausen oder auch völlig losgelöst vom Kulturbetrieb zum Treffen und Verweilen ein.
Ganz abgeschlossen sind die Arbeiten auf dem Areal noch nicht. An einigen Stellen fehlt noch der letzte Feinschliff. Pflasterarbeiten, Beschilderungen und weitere Details werden in den kommenden Monaten schrittweise fertiggestellt. Dem Veranstaltungsbetrieb steht das nicht entgegen: Die Säle und die für die Gäste wesentlichen Bereiche sind in Betrieb – und schon die ersten Veranstaltungen haben gezeigt, was in der K714 ab sofort möglich ist.
Dass das Interesse am neuen Haus in der kleinen Kulturmetropole zwischen den Großstädten Düsseldorf und Köln groß ist, zeigt auch der Vorverkauf für die erste Spielzeit. Für die rund 230 Veranstaltungen der Saison 2026/2027 sind bereits rund 75 Prozent der angebotenen Eintrittskarten verkauft. Das Programm reicht von Klassik, Rock und Pop über Theater, Tanz, Jazz, Comedy und Neuen Zirkus bis zu Angeboten für Familien, Schulen und Kitas. Hinzu kommen Vereinsveranstaltungen, Feiern, Kongresse und weitere Formate.
Insgesamt hat die Stadt Monheim am Rhein 166 Millionen Euro in die Kulturraffinerie K714 investiert. Neben dem Großen Saal ergänzt der Kleine Saal mit 250 bis 500 Plätzen das Raumangebot. Beide Säle können unabhängig voneinander bespielt, für größere Veranstaltungskonzepte aber auch miteinander kombiniert werden. Auch die Gastronomie gehört zum Konzept: Die Veranstaltungsbewirtung ist mit der Eröffnung gestartet, Anfang 2027 soll das eigene Restaurant folgen.
Die Reise geht weiter
Die Eröffnungswoche ist damit aber noch lange nicht beendet. Am Samstagabend folgt die zweite Aufführung des Grand Openings. Ab 21 Uhr wird die Kulturpromenade zudem mit dem kostenfreien Promenadenfest fortgesetzt. Straßenkunst, Performances und Gastronomie sorgen rund um die Kulturraffinerie für Programm. Höhepunkt unter freiem Himmel ist eine Drohnenshow über dem Rhein, die die Geschichte der Kulturraffinerie erzählt.
Am Sonntag, 6. September, gehört die Kulturraffinerie dann von 13 bis 18 Uhr beim kostenfreien Familientag noch einmal ganz den großen und kleinen Besucherinnen und Besuchern. Musik, Artistik, Theater, Mitmachangebote und zahlreiche weitere Aktionen stehen auf dem Programm. Den Abschluss der Eröffnungswoche bildet am Abend das Konzert von Emmylou Harris. Die 14-fache Grammy-Gewinnerin gibt im Großen Saal das einzige Deutschlandkonzert ihrer finalen Europatournee. Auch dieses Konzert ist schon seit langem bis auf den letzten Platz ausverkauft.
Nach der Eröffnungswoche geht der Veranstaltungsbetrieb nahtlos weiter, während parallel noch die letzten Arbeiten am Gebäude und seinem Umfeld abgeschlossen werden. Martin Witkowski hatte bereits vor der Eröffnung im Stadt-Podcast „Montalk“ einen Wunsch formuliert, der weit über die erste Spielzeit hinausreicht: In 10 oder 20 Jahren, so der Intendant und Geschäftsführer, sollten die Menschen sagen können: „Die Zeit vor der Kulturraffinerie, die kenne ich gar nicht mehr.“ Dann wäre die Kulturraffinerie längst zu einem selbstverständlichen Teil des Monheimer Stadtlebens geworden. (ts)


