Monheim-Lexikon: Zollstraße

Bergische Zollstätte, erste Apotheke und traditionsreiche Gastronomie

Kurz – kürzer – Zollstraße. Selbst die Kurze Straße (zwischen Am Steg und Steinstraße) ist länger. Die Zollstraße führt vom Kirchplatz vor St. Gereon zur Turmstraße hinunter. Das sind nur ein paar Schritte, und bei der Hausnummer 2 a ist Schluss. Aber auch eine kurze Straße kann eine lange Geschichte haben.

Hier stand die seit 1257 verbürgte Zollstätte, an der die Grafen und Herzöge von Berg Landzoll und zweimal für jeweils kurze Zeit, 1425/26 und 1490/91, auch Rheinzoll erhoben. Damals verlief ein Rheinarm etwa in der Trasse der heutigen Kapellenstraße, also direkt unterhalb von St. Gereon. Nach 1590 fiel der Flussarm trocken. Die in die Stützmauer zur Kapellenstraße hin eingelassenen Ringe sollen dem heutigen Betrachter vor Augen führen, dass hier einst die Schiffer anlegen mussten.

Mit der einstigen Zollstätte nichts zu tun hat das im Volksmund „Zolltürmchen“ genannte Gebäude an der Einmündung der Turmstraße in die Kapellenstraße. Korrekt müsste vom Schelmentürmchen die Rede sein. Errichtet wurde die verkleinerte freie Wiedergabe des [intern]Originals in der zweiten Hälfte der 1930er-Jahre, als die Nazis westlich der heutigen Kapellenstraße ein Aufmarschgelände anlegten. Daraus ging nach dem Zweiten Weltkrieg die [intern]Freilichtbühne hervor.

Von Z wie Zoll bis A wie Apotheke. Das heutige Haus Zollstraße 1 beherbergte die älteste Monheimer Apotheke. Ihre Ursprünge liegen im Jahr 1804 am Alten Markt. Um 1830 war Johann Joseph Cremer Apotheker. Doch weitaus bekannter ist ein anderer Name. 1876 kam Johann Ludwig Proempeler, ein gebürtiger Aachener, aus Stadtkyll nach Monheim. Er begründete eine bis heute bestehende Familiendynastie. Nach dem Tod Johann Ludwig Proempelers im Alter von 73 Jahren im April 1920 folgte auf ihn sein Sohn Hubert, der zuvor seit 1909 eine Filiale der Monheimer Apotheke in Langenfeld, an der Kreuzung Solinger und Richrather Straße, geleitet hatte. Im April 1926 gab Hubert Proempeler die Filiale, die erste Langenfelder Apotheke überhaupt, an andere Betreiber ab.

Als Johann Ludwig Proempeler die Apotheke übernommen hatte, hatte sie sich bereits im heutigen Haus Zollstraße 1 (bis 1946: Turmstraße 33) befunden. Im Jahr 1938 erfolgte die Verlegung zur Turmstraße 29 ins Haus des Gastwirts Bruno Menrath. Als Hubert Proempeler 1955 starb, trat dessen Sohn Theodor an seine Stelle. Noch im Übernahmejahr verlegte er das Geschäft zur Krischerstraße und gab ihm den Namen [extern]„Rhein-Apotheke“. Auch Theodor Proempeler konnte den Betrieb an einen Sohn weitergeben. Seit 1993 war – in vierter Generation – Georg Proempeler der Inhaber, seit Jahresbeginn 2012 gemeinsam mit der zuvor bei ihm angestellten Apothekerin Dr. Kornelia Geißler. Sie ist seit Jahresbeginn 2017 alleinige Inhaberin.

Der „alte Speck“ und andere Wirte

Als Bildarchivar Josef Greulich im Oktober 1959 in die Zollstraße blickte, war die Apotheke an dieser Stelle schon Geschichte. Sie wurde beim Fototermin gerade zu einem Wohnhaus umgebaut. Dahinter ragt der Turm von St. Gereon auf. Und noch ein Detail kam aufs Bild: Der Wegweiser zum „Restaurant Speck“ an der Hauswand rechts. Denn auch für die Gastronomie ist die Zollstraße eine bedeutsame Adresse.

Die Gaststätte „Im alten Zollhaus“ gehörte zu den ältesten im Stadtgebiet. Vom langjährigen Wirt Johann Robert Speck, dem „alten Speck“, weiß Karl König im Buch „Zeiten einer Stadt“ zu berichten, jener habe das gastronomische Gewerbe mit dem Handwerk des Schmieds zu vereinen gewusst und seine Gäste mit Gesang und Lautenspiel unterhalten.

Der 1838 in Hitdorf geborene Speck schrieb im März 1900 in einem Gesuch an das Bürgermeister-Amt, die Schankwirtschaft werde seit 1842 betrieben „und erfreut sich diese sowie auch der Tanzsaal, welcher ebenfalls solange besteht stets des besten Rufes.“

1879 habe er die Konzession von seinen Schwiegereltern übernommen. Der alte Speck gab den Betrieb im März 1917 an seine Kinder Robert und Agnes weiter. Auf sie folgte von Ende 1950 bis 1960 Karl Lichius, danach Carola Saitner und andere. 1989 wurde die Gaststätte in ein China-Restaurant umgewandelt.

Ein neuer Saal ist nach im Stadtarchiv vorhandenen Fotos frühestens 1926, spätestens in der ersten Hälfte der 1950er-Jahre errichtet worden. Er schloss sich nördlich an die Gaststätte an. Dieser Saal wurde 1981 abgetrennt und darin eine eigene Gaststätte eingerichtet, zunächst unter dem Namen „Schmuggler“, dann „Alte Freiheit“, „Scheune“ und schließlich „Zollhof“.

Nach jahrelangem Leerstand wurde im [intern]März 2016 unter dem neuen Namen „Zollhaus 1257“ Neueröffnung gefeiert. Die Gaststätte und ihr früherer Veranstaltungssaal, zuletzt unter dem Namen „Zollhof“ an geschlossene Gesellschaften vermietet, wurden umfassend saniert, umgebaut und wieder vereint. Betreiber sind die gebürtigen Monheimer Pascal Lütz und Andreas Proempeler.

An der kürzesten Straße liegt seit 1994 auch die kleinste Kneipe, das „Zollhäuschen“. Der Schankraum misst nur fünfzig Quadratmeter. Zuvor befand sich in dem Gebäude die Praxis des Tierarztes Dr. Peter Steinbüchel. Im Giebel des Häuschens ist die Jahreszahl 1675 zu sehen. Sie wurde aber sehr wahrscheinlich nachträglich eingefügt.

Seit dem Jahr 2000 war Edith Jenschewski Wirtin im „Zollhäuschen“, bis zu seinem Tod im April 2011 gemeinsam mit ihrem Mann Klaus. Edith Jenschewski ging Ende Oktober 2012 nach insgesamt 47 Berufsjahren in den Ruhestand. Neuer Wirt im „Zollhäuschen“ wurde Pascal Lütz.

Zuletzt geändert am 26. September 2017

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