Monheim-Lexikon: Gaststätte „Pub Club“

Von Milchmixgetränken zur Zwiebelsuppe

Zwei Baudenkmäler aus dem 18. Jahrhundert flankieren den Zugang vom Alten Markt in die Freiheit: Auf der rechten Ecke das heutige Haus Freiheit 2, das von 1867 bis 1938 das erste Monheimer Rathaus war; auf der linken Ecke das Haus Turmstraße 28, das unterschiedlichen Geschäftszwecken diente.

In beiden Gebäuden wurde Gaststätten-Geschichte geschrieben. Während sie auf der rechten Seite spätestens mit dem [intern]Einzug der Gemeindeverwaltung unter Bürgermeister Wilhelm Friesenkoten zu Ende ging, hielt sich die Gastronomie im Haus gegenüber bis in unsere Tage, zuletzt unter dem Namen „Pub Club“.

Im Haus Steinweg 2, wie die Adresse einst lautete, florierte freilich zunächst ein anderes Gewerbe. Hier befand sich die Antonius-Drogerie, gegründet im Juni 1929 von Elisabeth Caasen (1891–1939), und zuvor ein Feinkostgeschäft. Im Jahr 1940 erhielten August und Grete Thönneßen die Genehmigung, die Drogerie zu betreiben. Sie bestand aus Ladenlokal, Lagerraum und Dunkelkammer für Fotoarbeiten; Wohnräume schlossen sich an.

1955 wechselte die Drogerie Thönneßen zur Krischerstraße in den eigens für sie errichteten schmucken Pavillon an der Ecke Mittelstraße. Die „runde Drogerie“, wie sie meist genannt wurde, bestand unter der Leitung von Walter Thönneßen noch bis November 1996. Dann wurde dort Kinderbekleidung verkauft, es folgten Bio-Lebensmittel, Wein und zuletzt Mobiltelefone.

Doch zurück zum Eckhaus an der Freiheit. Im Februar 1957 wandte sich Martin Zehe, der in Köln wohnende Eigentümer des Gebäudes, über das Ordnungsamt im Rathaus an den Rhein-Wupper-Kreis mit Sitz in Opladen. Zehe beantragte die Konzession für ein Eis-Café. Er wolle Speiseeis herstellen und verkaufen, ferner Spirituosen, Wein, Flaschenbier, Tabak und Zuckerwaren anbieten.

Die Konzession wurde erteilt, doch schon im November 1957 trat ein neuer Betreiber auf den Plan. Günter Lubenow, der bereits am Frohnkamp 9 ein Eis-Café mit Milchbar führte und eigens einen Kurs zur Herstellung von Speiseeis und Milchmixgetränken absolviert hatte, bewarb sich erfolgreich um Zehes Nachfolge.

„Eifersuchtsszenen bei der halbwüchsigen Jugend“

Milchbars und Eisdielen waren eine Modeerscheinung der 1950er- und 1960er-Jahre. Die Entbehrungen der Nachkriegszeit waren vorbei; Milch, Sahne und Eis gab es nun wieder satt. Besonders die Jugend zog es in die Milchbars, denn der Besuch von Gaststätten, in denen Alkohol ausgeschenkt wurde, war ihr gesetzlich verwehrt.

Auch die Milchbar an der Freiheit wurde zum beliebten Jugend-Treff. Darüber berichtete der örtliche Polizei-Gruppenposten am 30. Juni 1958 an die Kreisverwaltung: „Bei der halbwüchsigen Jugend spielten sich Eifersuchtsszenen wegen der weiblichen Bedienung ab und es kam zu Schlägereien vor dem Lokal, so dass die Polizei mehrmals einschreiten musste.“

Die Vorkommnisse fanden sogar literarischen Widerhall. In ihrem Roman „Das verborgene Wort“ (2001) schildert die in Monheim aufgewachsene Schriftstellerin Ulla Hahn auf Seite 262, wie eine Schlägerei zwischen Einheimischen und Italienern für Gesprächsstoff in „Dondorf“ (= Monheim) sorgte.

Eine neue Ära brach an, als im September 1972 Heinz und Heidemarie Block mit Freibier und Fanfarencorps eine „Snack-Bar“ eröffneten. Und 1974 machte Edith Jenschewski daraus den „Pub Club 28“. Der Name war durch eine Irland-Reise inspiriert. Die „schwarze Edith“, berühmt für ihre Zwiebelsuppe, leitete die schummrige Eckkneipe bis 1987.

Mehrere Nachfolger versuchten sich mit mehr oder weniger Erfolg im „Pub“, darunter Hartmut B. Wies und Dieter Wersebe (1952–2011). Das Lokal zählte in den 1990er-Jahren zu den ersten Adressen im „Bermuda-Dreieck“. Im Jahr 2006 wurde die Gaststätte geschlossen. Seit 2012 befindet sich in den Räumen das Architekturbüro von Manfred und Edda Poell.

1887: Die Jagd nach dem rätselhaften Münzschatz

Einer der früheren Eigentümer des Eckhauses Turmstraße 28 / Freiheit war der Kaufmann Joseph Quadflieg. Bei ihm wurde am 22. Juni 1887 „unter der Küche ein Töpfchen mit alten Münzen“ entdeckt. Die Geldstücke könnten 400 bis 500 Jahre alt sein, meinte Bürgermeister Theodor Grein, der den Fund dem Solinger Landrat Möllenhoff meldete. Zwei Gold- und drei Silberstücke legte Grein seinem Bericht an die vorgesetzte Behörde bei.

Landrat Möllenhoff reichte die historischen Zahlungsmittel weiter an die preußische Regierung zu Düsseldorf. Die dortige Abteilung des Innern blieb für die wertvolle Post ebenfalls nur Durchgangsstation. Ans Ziel gelangte sie schließlich bei der Generalverwaltung der Königlichen Museen in Berlin, wo sie auf „großes Interesse“ stieß.

„Die Königliche Regierung wird ganz ergebenst ersucht, gefälligst veranlassen zu wollen, daß der ganze Münzfund durch Vermittelung des Bürgermeisters von Monheim hierher gesandt wird“, teilte die Museumsverwaltung am 11. Juli 1887 mit. Die fünf Probestücke würden „einstweilen noch hier zurückbehalten.“

Über Düsseldorf und Solingen erreichte der Auftrag aus der Reichshauptstadt den Bürgermeister bereits fünf Tage später. Doch nun kam Sand ins Getriebe, denn Grein musste feststellen, dass der Geldtopf nicht mehr die ursprüngliche Füllhöhe hatte. Kaufmann Quadflieg hatte einige Münzen seinem Sohn gegeben, der in Krefeld weilte.

Am 27. Juli 1887 mahnte Landrat Möllenhoff die vollständige Übersendung an. Bürgermeister Grein wusste sich schon einen Tag später zu helfen. Dem Maurer Johann Kirberg, der den Schatz offenbar entdeckt hatte, verlangte er zehn Gold- und 41 Silbermünzen ab. Kirberg gab an, er habe sie von der Familie Quadflieg geschenkt bekommen. Grein schnürte ein Paket und schickte es dem Berliner Museum. Dessen stellvertretender Generaldirektor Müller reagierte prompt. Abermals bat er um die Überlassung aller Münzen, „da es von besonderem wissenschaftlichen Interesse ist, den Fund in seiner Gesammtheit kennen zu lernen.“

Doch dazu ist es offenbar nicht gekommen. Jäh endet die Jagd nach dem Schatz mit dem Vermerk „vorläufig ad acta“, den Bürgermeister Grein am 5. August 1887 unter das Schriftstück setzte. Die insgesamt 56 nach Berlin geschickten Münzen sind anscheinend dort geblieben. Was bei ihrer Untersuchung herauskam, ist nicht überliefert.

Quellen

Stadtarchiv Monheim am Rhein: Akten 144, 617, 1666

Zuletzt geändert am 7. Dezember 2017

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