Monheim-Lexikon: Fähren

„Eine Fähre im weiteren Sinne ist jedes Überfahrtsmittel, mit dem Personen oder Sachen von einem Ufer eines Gewässers zum anderen befördert werden. Als Fähre im engeren Sinne bezeichnet man jenen berufsmäßigen Betrieb, der darin besteht, den Verkehr zwischen zwei Ufern gegen Entgelt zu bewerkstelligen. Das Gefäß, mit dem die Überfahrt bewerkstelligt wird, beeinflußt den Begriff Fähre nicht; auch das Übersetzen vermittels eines einfachen Nachens muß als Fährbetrieb bezeichnet werden.“

Josef Sandkaulen, Fährgerechtsame unter besonderer Berücksichtigung niederrheinischer Verhältnisse, in: Düsseldorfer Jahrbuch, 32. Band, 1925/26, S. 1

Rudernachen verbanden die Rheinorte hüben und drüben

Auf dem Rhein verkehren bundesweit mehr als vierzig Fähren. In früheren Zeiten war ihre Zahl um ein Vielfaches höher. Überall am Fluss verbanden Fähren die Orte hüben und drüben und sorgten für einen regen Austausch von Personen und Waren. Jahrhundertelang erfolgte die Beförderung mit Rudernachen. Die letzten dieser kleinen Fähren verschwanden im frühen 20. Jahrhundert. Sie waren der Konkurrenz durch Brücken und motorisierte Großfähren, die auch Fuhrwerke und Kraftfahrzeuge transportieren konnten, nicht mehr gewachsen.

Im Monheimer Stadtgebiet ertönte „Hol’ über!“, der Ruf nach dem Fährmann, seit 1977 nicht mehr. In jenem Jahr konnte man zum letzten Mal unterhalb des Deusser-Hauses das Fährboot nach Piwipp (Stadt Dormagen, Stadtteil Rheinfeld) besteigen. Damit ging eine lange Geschichte zu Ende, denn „mit dem Hof Piwipp in der Nähe von Zons [war] seit unvordenklichen Zeiten die Fährgerechtsame verbunden“, hielt Joseph Sandkaulen in seinem Aufsatz „Fährgerechtsame unter besonderer Berücksichtigung niederrheinischer Verhältnisse“ fest (Düsseldorfer Jahrbuch, 32. Band, 1925/26, S. 11; „Gerechtsame“ ist ein alter Begriff für Nutzungsrecht).

Im September 1900 hatte sich der Monheimer Gemeinderat mit der Verbesserung des Fährverkehrs befasst. Ein Motorboot sollte beschafft werden, mit dem eine Schalde – ein breiter Kahn mit flachem Boden – in Schlepp genommen werden konnte. Zudem setzte der Rat eine Kommission ein, die die Rentabilität des Fährbetriebs überwachen sollte. Damit war es wohl nie weit her: „Der Fährbetrieb nach Dormagen und Worringen ist von geringer Bedeutung“, hielt etwa Dr. K. Klockenhoff in seiner 1929 erschienenen Untersuchung „Solingen und sein Landkreis“ fest.

Die Beschaffung des Motorboots zum Schleppen einer Schalde zerschlug sich. Die Gemeinde Dormagen und der Kreis Neuss hätten es abgelehnt, Beihilfen zu gewähren, heißt es im Verwaltungsbericht „Die Bürgermeisterei Monheim vom 1. April 1897 bis Ende 1909“ (S. 9). Vom März 1902 wird berichtet, „zur Abhülfe der größten Übelstände an der Fähre“ werde ein jährlicher Zuschuss von 300 Mark für die Dauer von zehn Jahren „zum Ankauf, zur Unterhaltung und zum Betriebe einer eisernen Fährschalde“ gewährt.

1928 ging schließlich das 34 PS starke Motorschiff „Piwipp“ in Betrieb. Es konnte Fußgänger und Fahrräder aufnehmen und schwankte vierzig Jahre auf den Wellen; am Steuer bis ins hohe Alter Wilhelm Siepen (1891–1986), stets mit Kapitäns-Mütze und Zigarre, oder sein Sohn Willi Siepen (1923–1990).

Im Juni 1968 kam aus Bremen ein moderneres Boot, die „Hol über“. Es hatte sogar Platz für ein Auto. Doch dafür gab es keine Zufahrtsrampe, und so bildeten weiterhin Fußgänger und Radfahrer die Kundschaft. Über die Bootstaufe berichtete am 27. Juni 1968 die Rheinische Post:

„Das Fährboot hat gewechselt, nicht der Fährmann. Nach wie vor steht Wilhelm Siepen, 76 Jahre alt, am Ruder […]. Er freut sich auch am meisten über das neue Boot, selbst wenn er es nicht zugibt. Das neue Schiff ist schneller, sicherer, größer, jünger.

  • Schneller, weil es einen 83-PS-Motor hat. Die alte Fähre hatte nur 34 PS hinter der Schiffsschraube.
  • Sicherer, weil in den breiten Pontonkörper vier Schotten eingebaut sind. Selbst wenn ein Schott voll Wasser läuft, bleibt die Fähre schwimmfähig!
  • Größer, weil schon jetzt zwanzig Personen mitfahren dürfen, nach der endgültigen Abnahme sogar die doppelte Zahl. […]
  • Und schließlich jünger, obwohl das Boot älter ist, als es aussieht. Schon 1934 wurde es gebaut […] Die ‚Hol über‘ fuhr bis zum vergangenen Jahr in Bremen-Vegesack über die Weser, dann brauchte sie die Stadtverwaltung Bremen nicht mehr.“

Weiter heißt es in dem Bericht: „Die großen Fährzeiten, darüber sind sich die Eingeweihten klar, sind vorbei. Noch vor 15 Jahren ließen sich täglich Dutzende Dormagener, die in Leverkusen arbeiteten, übersetzen. Heute hat Wilhelm Siepen nur noch zwei feste Kunden. Einer davon ist seine Enkeltochter Kathi (14), die die Langenfelder Realschule besucht.“ Ab 1973 wurde der Fährverkehr auf die Wochenenden beschränkt und vier Jahre später dann völlig eingestellt.

Schon seit Jahren hatte die Fähre nicht einmal ihre Kosten gedeckt. Am 30. Juni 1971 beschloss der Monheimer Rat einstimmig einen Zuschuss für den Piwipper Fährbetrieb. Für die Jahre 1969 bis 1971 wurden je 750 Mark bereitgestellt. Fährbetreiber Wilhelm Siepen sen. hatte geltend gemacht, dass er seit 1966 Verluste einfahre. 1968 habe das Defizit 3235 Mark betragen, 1969 sogar 3300 Mark. Dabei sei noch kein Lohn für den Fährmann berücksichtigt, dem eigentlich im Monatsdurchschnitt 350 Mark zustünden.

Unter dem Strich stand somit ein jährlicher Fehlbetrag von rund 7200 Mark. Die Stadt Dormagen, von Siepen ebenfalls um Unterstützung gebeten, schlug vor, sie, die Stadt Monheim sowie die Kreise Grevenbroich und Rhein-Wupper sollten jeweils ein Viertel, also 1800 Mark, übernehmen.

Der Rhein-Wupper-Kreis lehnte ab, weil das Trajekt keine überörtliche Bedeutung habe. Der Kreis Grevenbroich äußerte sich offenbar gar nicht zu dem Vorschlag. Auch der Monheimer Haupt- und Finanzauschuss folgte ihm am 16. Juni 1971 nicht, genehmigte aber den Dreijahreszuschuss, der dann vom Rat bestätigt wurde.

In der Ausschussvorlage wurde auch deutlich, dass die Fähre nur zur Sommers- und Urlaubszeit – etwa fünf Monate im Jahr, und dann auch nur an den Wochenenden – gut frequentiert war. Hingegen werde das Boot im Berufsverkehr nur von drei Personen genutzt.

Wahrschauer warnten und wussten Neuigkeiten

Längst vorbei sind auch die Zeiten, als das Fährhaus Piwipp zugleich Wahrschau-Station war. „Wahrschauen“ kommt vom niederländischen „waarschuwen“ und bedeutet zunächst warnen (nämlich die Schiffer vor Gefahren im Rheinverlauf) und im weiteren Sinne das Übermitteln von Nachrichten, als es noch keine Funkgeräte und Mobiltelefone gab. Die Wahrschauer begaben sich dazu mit einem Kahn auf den Fluss, um dort die Schiffer anzusprechen. In jüngerer Zeit wurden die Nachrichten von Piwipp aus per Lautsprecher durchgegeben, was bei Westwind bis zum [intern]Sandberg zu hören war.

Über die „Wacht am Rhein“ berichtete am 14. August 1975 die Neue Rhein Zeitung: Aufgabe der Orderstation oder Schiffsmeldestelle sei es, „Nachrichten und Anweisungen der Schiffseigner, der Reedereien an die Kapitäne weiterzugeben oder auch Anfragen der Frachtempfänger nach dem Zeitpunkt der Durchreise und der voraussichtlichen Ankunft im Zielhafen zu beantworten. War es früher der Nachen, den Opa Wilhelm Siepen über den Strom ruderte, so hat in der Neuzeit die weitreichende, zur Tages- und Nachtzeit in Monheim vernehmliche Lautsprecheranlage mit Blinklicht und Suchscheinwerfer ausgestattet, diese Aufgabe übernommen. Von morgens fünf bis abends 23 Uhr stehen die Siepens ihren Mann, beobachten mit dem Fernglas den Schiffsverkehr, nehmen per Telefon und Fernschreiber Orders an, geben sie weiter, antworten.“

1975 waren die Wahrschau-Posten schon selten geworden; vier sollen es damals noch gewesen sein, außer Piwipp Remagen, Duisburg und Xanten. Der Ausbau des Sprechfunks und die Einführung von Lichtsignalen an unübersichtlichen Rheinabschnitten machte die Stationen alsbald überflüssig. Die Familie Siepen betrieb das Übersetzen und Wahrschauen über achtzig Jahre lang.

Eine neue „Piwipp“ erobert den Rhein

Der im April 2010 gegründete [extern]Verein „Piwipper Böötchen“ knüpft an die Tradition des Fährverkehrs zwischen Monheimer und Dormagener Rheinufer an. Am 1. September 2012 wurde das ehemalige Fährboot „Ruhrstahl“ unterhalb von Deusser-Haus und Marienkapelle auf seinen neuen Namen „Piwipp“ getauft. Das 14,5 Meter lange und 13 Tonnen schwere Boot war 1969 von der [extern]Lux-Werft in Niederkassel-Mondorf (Rhein-Sieg-Kreis) gebaut und dort auch für seinen neuen Einsatz generalüberholt worden.

Die „Piwipp“ verkehrt von März bis Oktober samstags, sonn- und sonntags von 10.30 bis etwa 18 Uhr. Das Boot ist für maximal 25 Personen zugelassen, inklusive Besatzung. Die Mitnahme von Fahrrädern, Kinderwagen und Rollstühlen ist möglich.

Dormagen und Monheim haben eine historische Gemeinsamkeit: Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts gehörten beide Orte zum Herzogtum Jülich-Berg. Jedoch lag Piwipp mitsamt Fährhaus auf dem Gebiet von Worringen und unterstand damit dem Kurfürstentum Köln. Als am 1. April 1922 Worringen nach Köln eingemeindet wurde, kam Piwipp durch einen Gebietsaustausch zu Dormagen.

Die Obrigkeiten hüben wie drüben hatten stets ein waches Auge auf den Fährbetrieb; vor allem, wenn wieder einmal Schmuggler tätig wurden. Über zahlreiche Fälle von illegalem Gütertransfer berichtet die „Rheinische Dorfchronik des Joan Peter Delhoven aus Dormagen (1783–1823)“, erschienen 1966 im Eigenverlag der damaligen Amtsverwaltung Dormagen. Daraus ein spektakulärer Zwischenfall vom 30. Mai 1801:

„Diesen Morgen als die hiesige Händler um 4 Uhr anfiengen Früchten zum Rheine tragen zu lassen, und schon 25 Malder in einem Nachen waren, sprangen die Soldaten von Zons am Steinbüchel aus dem Korn hervor. Der Eygenthümer Peter Schüllgen riefe dem Fährmann zu, er sollte mit dem Nachen abfahren, die Soldaten hätten die Gewehre nicht geladen. Indem schoss ein Soldat den Schiffman durch den Kopf, dass das Hirn heraustriebe, gleich ware er todt. Die Monheimer hohlten den Verunglückten auf Monheim, und die Soldaten fuhren mit der Frucht nach Zons. Der Gebliebene nennt sich Fitgen und ist verheyrathet.“

Schon damals war das Fähr- zugleich ein [extern]Gasthaus. Auch dazu eine Episode aus Delhovens Aufzeichnungen, vom Februar 1803:

„Am 9. und 10. ware es entsetzlich kalt. Die Commisen [Zollaufseher] haben viel aufzupassen, deswegen ist die ganze zweite Linie an den Rhein verlegt. Sontag [13. Februar?] Nachmittag ward der Peter Reil, Leinweber von Rheinfeld, zwischen der Piwit und Rheinfeld todt gefunden. Als ich gestern [12. Februar?] Abend von Monheim zurückkame, sass er noch auf der Piwitt berauscht am Kartentisch und sang bis 10 Uhr lustige Lieder. Er liebte Zeit seines Lebens das Trinken und machte in der Gesellschaft den Hanswurst. Er gieng allein von der Piwitt, und da viel Schnee fiel, so hat er wahrscheinlich den Weg verlohren.“

Von „Piwit“ nach „Piwip“

Delhoven nennt die Fährstelle in seiner Chronik zunächst stets „Piwit“, „Piwitt“ oder auch „Piwitte“. In einem Eintrag vom Januar 1810 findet sich zum ersten Mal die Schreibung „Piwip“, was die alten Formen aber keineswegs völlig verdrängt – schon am 2. Februar kehrte Delhoven zu ihnen zurück:

„Heute stand schon Wasser auf dem [zugefrorenen] Rhein. Demungeachtet passirten doch viele Einwohner den Rhein an der Piwitte, wo der künftige Pächter Engel Kranz einen Weg gehauen hat, welcher das Passage-Geld von dieser Seythe, und die Monheimer von der andern Seythe empfangen.“

Am Jahresende 1813 notierte Delhoven: „Der Engel Kranz, welcher auf der Piwippe wohnt, wurde am Kristtag arettirt und ins Innere von Frankreich geführt, weil er über den Rhein mit dasigen Bürgern gesprochen hat.“

Zu Wandel und Bedeutung des Namens merkt der Mitherausgeber der Delhovenschen Chronik, Prof. Dr. Reiner Müller, an: „Die ältere Form Piwitt ist in ihrer Bedeutung noch ungeklärt; aber ähnliche Formen finden sich an anderen Flussübergängen […]. Früher war der Kiebitzvogel häufig, sein weitschallender Ruf ‚Pivitt‘ oder ‚Kiwitt‘ allbekannt […]. Vielleicht war der Kiebitzruf ein Zeichen für den Fährmann.“

In Düsseldorf-Unterrath gibt es den Straßennamen An der Piwipp. In seinem Buch „Düsseldorfs Straßen und ihre Benennung von der Stadtgründung bis zur Gegenwart“ (Grupello Verlag, Düsseldorf 1996) schließt sich Hermann Kleinfeld der „Kiebitz“-Deutung an, es handele sich um eine „am Niederrhein nicht seltene Flurbezeichnung“. Kleinfeld fügt aber hinzu: „Nach einer anderen Lesart bezieht sie sich auf Bi de Wippe = am Schlagbaum.“

Auf die Ortsbezeichnung „ahm Witten Berg aufm Cöllnischen“, enthalten in einer Urkunde von 1725 (Kopie im Stadtarchiv, Nr. 53) macht Heiner Müller-Krumbhaar in seinem Beitrag „Frühe Schifffahrt bei Monheim am Rhein“ (Niederwupper, Heft 28, 2017, S. 20, Anm. 3) aufmerksam. Beim  „Witten Berg“, weißen Berg, handele es sich um einen Poll oder eine Warft, eine künstliche Erhöhung, die aus hellem, weißlichen Sand aufgeschüttet worden sei.

Zwischen Oedstein und Worringen

„‚Mit dem 1. Januar 1846 wird […] eine Staats-Fähr-Anstalt am sogenannten Oedstein in der Gemeinde Monheim errichtet werden. Bei dieser […] Fähr-Anstalt werden nur Personen, kleines Vieh, Handwagen, Handkarren und Handschlitten, sowie unverladene Gegenstände übergesetzt […]‘“, zitiert Fritz Hinrichs in „Monheim – Von der alten Freiheit zur jungen Industriestadt“ (1962, S. 58) aus einer Bekanntmachung. Zuvor hatten wohl schon Rheinfischer nebenher auch Fährdienste geleistet. Erster offizieller Ferge war Hinrichs zufolge Heinrich Werner aus Blee.

Später waren auch Worringer Fährleute im Einsatz. Der letzte war seit 1906 Josef Bachem, über den Toni Jägers im selbstverlegten Buch „Köln-Worringen in Geschichte und Geschichten“ (1985, S. 405 f.) berichtet: „Bis zum Jahre 1928 wurde die Worringer Fähre noch mit Rudern bedient. […] Josef Bachem hatte, wie auch der Vater, seinen Beruf von der Pike auf erlernt und kannte die Tücken des Stromes, seine Strudel und seine sonstigen Gefahren von Kind an. […] Sogar bei Nebel und Eisgang mußte gefahren werden, weil viele Arbeiter aus Worringen auf der anderen Rheinseite ihrem Beruf nachgehen mußten.“

Weiter heißt es bei Jägers: „Nicht nur Personen, sondern auch Stückgüter wurden […] befördert. Aus Monheim kam der Branntwein vor und während des ersten Weltkrieges über den Rhein nach hier, wo ihn dann die Worringer und Dormagener Wirte abholten. Auch Hefe kam vom anderen Rheinufer. […] Auf Worringer und Monheimer Kirmes hatte die Worringer Fähre Hochbetrieb. […] War zwischen den einzelnen Übersetzfahrten einmal etwas Zeit, dann setzte sich Josef Bachem auch mal in das Stammlokal der Worringer in Monheim, wo er allzeit als lustiger Geselle willkommen war.“

Bei dem Stammlokal dürfte es sich um die am Oedstein gelegene Gaststätte „Zur Rheinfähre“ gehandelt haben. Die Konzession hatte von 1907 bis 1915 die Witwe Eugen von Kesselers inne, des Erbauers der [intern]Marienburg samt dem sie umgebenden Park.

Laut Jägers starb Josef Bachem, der acht Menschen vor dem Ertrinken gerettet habe, im Jahr 1955. Der Fährbetrieb war da längst eingestellt. Seine „Wiedererrichtung“ hatte der Monheimer Gemeinderat bereits am 31. Juli 1951 abgelehnt.

Die Baumberger Fähre

Auch Baumberg hatte mindestens seit dem 19. Jahrhundert eine Fähre. Sie ist beispielsweise in der „Statistischen Darstellung des Kreises Solingen im Regierungsbezirk Düsseldorf“ aufgeführt, die Landrat Georg Freiherr von Hauer 1832 veröffentlichte. Die Baumberger Fähre setzte letztmals im Jahr 1957 über. Ihre diesseitige Anlegestelle befand sich unterhalb der heutigen Gaststätte „Baumberger Rheinterrassen“ an der Klappertorstraße.

Im Jahr 1902 wurde ein neuer „Pachtvertrag für die Rheinfährgerechtsame bei Baumberg“ abgeschlossen. Vertragspartner waren der Königliche Wasserbauinspektor Baurath Luyken zu Düsseldorf und Bürgermeister Philipp Krischer für die Gemeinde Baumberg. In dem Vertrag verpflichtete sich die Gemeinde zur Zahlung einer jährlichen Pacht von drei Mark. Für den Fährverkehr wurden folgende Bedingungen festgelegt:

„1. Zum Überfahren sind zwei mit den erforderlichen Gerätschaften ausgerüstete Nachen zu halten, deren Ladungsfähigkeit zum gleichzeitigen Übersetzen von sechs bezw. fünfzehn Personen ausreichen muss.

2. Die Überfahrt kann bei gewöhnlichem Wasserstande durch einen Fährmann geschehen, muss aber bei hohem Wasserstande oder bei Eisgang durch mindestens zwei Fährleute bewirkt werden.

3. Die gewöhnliche Überfahrt muss, wenn ein Fährgast vorhanden ist, jede halbe Stunde und zwar vom 1. Oktober bis 1. April von 7 Uhr morgens bis 5 Uhr abends, in den übrigen Monaten von 5 Uhr morgens bis 8 Uhr abends geschehen.“

Zudem wurde für die „Fähranstalt zu Baumberg“ ein Tarif vereinbart. Pro Person waren, einschließlich einer Traglast, bei gewöhnlicher Überfahrt zehn Pfennig zu entrichten, bei einer besonderen Überfahrt jedoch dreißig Pfennig. Das Übersetzen eines Fohlen oder Kalbs oder von bis zu zehn Stück Federvieh kostete sechs Pfennig. Für denselben Betrag wurden auch Fahrräder und Kinderwagen mitgenommen. Handkarren kosteten das doppelte.

Neue Zeiten brachen an, als sich Fährmann Anton Uhr im Juni 1928 ein „Motorboot von 46 Personen Ladefähigkeit“ beschaffte. Dazu berichtete der Monheimer Beigeordnete und Baumberger Ortsvorsteher Fritz Turbon am 6. August 1928 an das Wasserbauamt Rhein in Duisburg: „Die Fähre rentiert sich ganz und gar nicht, da der Ausflugsverkehr meistens von Baumberg nicht zur anderen Rheinseite geht, wo nur freies Gelände liegt, sondern nach Zons als bekannter Ausflugsort. Dieser Verkehr hat in letzter Zeit zugenommen und hat sich die Notwendigkeit herausgestellt, […] eine Motorbootlinie Baumberg–Zons zu errichten.“

Offenbar blieb es aber auch mit dem Motorboot beim reinen Fährverkehr, und die Klagen über die Klagen über mangelnde Rentabilität wiederholten sich. So schrieb Bürgermeister Heinrich Schürholz im Februar 1931 an das Duisburger Wasserbauamt: „Der Fährbetrieb ist allein durchaus unrentabel, und wenn nicht der Fährmann eine private Nebenbeschäftigung hätte, nicht durchführbar. Verdienstmöglichkeiten auf der anderen Rheinseite bestehen ebenfalls nicht, sodass ein regelmäßiger Arbeiterverkehr solange nicht aufkommt. Es bleibt lediglich die Wanderlust, die den einen oder anderen Besucher von Baumberg zur anderen Rheinseite lockt um von da zu Fuß nach Zons zu wandern. Ein solcher Verkehr deckt nicht einmal die Unkosten des Betriebes, von einer Abschreibung für Verschleiß etc. ganz abgesehen.“

Als 1934 die Frage im Raum stand, ob an die Passagiere nicht Fahrscheine ausgegeben werden müssten, schrieb Bürgermeister Josef Grütering an die Rheinstrombauverwaltung in Koblenz: „Die Fähre in Baumberg wird sehr wenig benutzt […]. Höchstens im Hochsommer, wenn auf der gegenüberliegenden Seite […] der Badebetrieb in vollem Gange ist, dürfte die Fähre einen für diese nennenswerten Betrag abwerfen […]. Jedoch liegt der Fährbetrieb von September jeden Jahres ab, fast still.“ Die Koblenzer Behörde hatte ein Einsehen und verzichtete auf die Einführung von Fahrscheinen.

Regelmäßig wurde der Pachtvertrag zwischen dem preußischen Staat und der Gemeinde Baumberg verlängert, so noch einmal 1939 für den Zeitraum bis zum 31. März 1945. Die 1902 vereinbarte Fährpacht von drei Mark wurde allezeit beibehalten. Fährmann Anton Uhr starb als Soldat im Zweiten Weltkrieg, das Motorboot wurde beschädigt und versank im Rhein.

Witwe Josefine Uhr nahm 1946 zunächst einen „Handkahn-Fährbetrieb“ auf. Nach einigem Hin und Her um einen neuen Pachtvertrag gab sie im Juli 1948 auf. Sie beauftragte die „Vereinigung der Fährenbesitzer“ mit Sitz in Düsseldorf damit, einen Nachfolger zu finden. Strittig war zudem, ob weiterhin die Gemeinde Baumberg als Verpächterin auftreten solle oder das Wasserstraßenamt Duisburg-Rhein. Letzteres kündigte an, einen Pachtvertrag mit dem neuen Fährmann Adam Libertus abschließen zu wollen. Der Vertrag sollte freilich nur für das Fährrecht auf dem linken Rheinufer gelten – für das diesseitige Ufer sollte dann ein separater Vertrag zwischen Gemeinde Baumberg und Libertus ausgehandelt werden.

Im März 1950 kam dann endlich der Vertrag mit dem Wasser- und Schiffahrtsamt Duisburg-Rhein, wie die Behörde inzwischen hieß, zustande. Und im Mai desselben Jahres gingen auch die Gemeinde Baumberg und Adam Libertus ein Pachtverhältnis ein. Darin verpflichtete sich Libertus zu einer jährlichen Zahlung von fünf Mark. Im Dezember 1956 kündigte Libertus den Pachtvertrag, da er nicht in der Lage sei, die Kosten für vorschriftsgemäße Anlegebrücken aufzubringen. Am 11. Februar 1957 informierte Amtsdirektor Hugo Goebel den Monheimer Gemeinderat über die Einstellung des Fährbetriebs.

Im Mai 1959 teilte Libertus mit, er wolle die Querfahrt wieder aufnehmen, wenn ihn die Verwaltung bei der Anschaffung eines neuen Fährboots unterstütze. Der Gemeinderat forderte Libertus auf, sein Vorhaben genauer darzulegen. Dazu ist es offenbar nicht mehr gekommen.

Quelle für die Darstellung zur Baumberger Fährgeschichte: Stadtarchiv, Akte 2170

Übersetzen nahe den Stadtgrenzen

Gleich an den Stadtgrenzen ziehen zwei Großfähren ihre Bahn:

Letzte Änderung: 30. März 2017

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