Wiederaufbau der beschädigten Archivbibliothek geht voran

Stadtarchiv weiterhin im Ausnahmezustand / Wiedereröffnungsdatum ungewiss

Eine Delegation aus dem Leverkusener Stadtarchiv, bestehend aus Archivleiter Dr. Julius Leonhard (Mitte) und Fachbibliothekar Ralph Junker (links), hat der Monheimer Archivleiterin Sonja Felten wichtige Ersatz-Bücher aus dem Leverkusener Bestand übergeben, die dort als Dubletten vorlagen. Die Werke werden zum Wiederaufbau der durch einen Feuchtigkeitsschaden schwer in Mitleidenschaft gezogenen Monheimer Archivbibliothek benötigt. Foto: Thomas Spekowius

Nach dem Feuchtigkeitsschaden im April läuft der Wiederaufbau der beschädigten Bibliothek des Stadtarchivs an. Das Archiv bleibt jedoch weiterhin für den Publikumsverkehr geschlossen. Auch bei der Bearbeitung von Anfragen kann es aufgrund der außergewöhnlichen Situation nach wie vor zu Verzögerungen kommen.

Unmittelbar nach dem Schadensereignis waren die feuchten und teilweise verschimmelten Bücher in der Feuer- und Rettungswache aufwendig erstversorgt und getrocknet worden. Inzwischen sind die Publikationen in den Rathauskeller zurückgekehrt, wo sie nun wieder nach Signaturen geordnet werden. Für einen Teil der Bücher kam allerdings jede Hilfe zu spät, die irreparabel beschädigten Werke müssen ersetzt werden.

Unterstützung erhält das Stadtarchiv dabei aus dem gesamten Bundesgebiet. Zahlreiche Archive und die Abteilung Niederwupper des Bergischen Geschichtsvereins haben ihre Hilfe angeboten und stellen Dubletten aus ihren Beständen zur Verfügung. Zu den Unterstützenden zählt auch das Stadtarchiv Leverkusen, das bereits bei der Bergung und Rettung der betroffenen Bände im Frühjahr tatkräftig mit angepackt hatte. Mit zwei Tragetaschen voller Bücher machten sich Archivleiter Dr. Julius Leonhard und Fachbibliothekar Ralph Junker trotz hochsommerlicher Temperaturen Ende Juni auf den Weg nach Monheim am Rhein, um ihre Bücherspende persönlich zu übergeben.

Große Hilfe und ein großes Dankeschön

„Die Leverkusener Kollegen sind mit uns nicht nur auf Knien durch die Wagenhalle der Feuerwehr gekrochen, um dort jedes einzelne feuchte Buch zur Trocknung aufzufächern, sie helfen uns nun auch noch bei der Wiederbeschaffung wichtiger Werke. Dafür möchte ich ihnen, aber auch allen anderen, die uns so großzügig unterstützt haben, ganz herzlich danken“, sagt Archivleiterin Sonja Felten sichtlich gerührt. „Trotz der beeindruckenden Hilfswelle fehlen uns vor allem noch Adressbücher für den Rhein-Wupper-Kreis. Wer welche übrig hat, darf sich gern bei mir melden“, so Felten weiter.

Für den Leverkusener Archivleiter Dr. Julius Leonhard ist die Hilfe Ehrensache: „Im Rahmen des Notfallverbundes haben wir die Kolleginnen und Kollegen gerne bei der Bewältigung des Feuchtigkeitsschadens und dem damit einhergehenden Wiederaufbau der Archivbibliothek unterstützt. Der Einsatz hat gezeigt, dass der Verbund nicht nur auf dem Papier besteht.“ Doch die Leverkusener hatten nicht nur Bücher mitgebracht. „Wir haben noch Notfallmaterialien ergänzt, die nicht in den offiziellen Boxen des Verbunds enthalten sind, der schwer geforderten Monheimer Archiv-Kollegin aber hoffentlich beim Durchhalten helfen werden“, lachte Ralph Junker, während er Sonja Felten „Nervennahrung“ und „Gute-Laune-Drops“ überreichte.

Die Lage bleibt angespannt

Trotz der erfreulichen Fortschritte beim Wiederaufbau der Bibliothek steht das Stadtarchiv vor weiteren Herausforderungen. Neben dem Schaden vom April, der durch eine fehlerhafte Abdichtung am Gebäude verursacht worden war, setzt den historischen Beständen auch Feuchtigkeit zu, die durch die Bodenplatte in den größten Magazinraum eindringt. „Die Feuchtigkeit hat zu Schimmelbefall am Aktenbestand geführt, der bis ins Jahr 1731 zurückreicht“, so Felten. Um die Unterlagen zu retten, werden sie in den kommenden Wochen von einem Fachunternehmen abgeholt, Blatt für Blatt gereinigt und anschließend wieder nach Monheim am Rhein gebracht. Für einige Archivalien wird sich daran noch ein Aufenthalt in der Restaurierungswerkstatt anschließen. 

Klar ist schon jetzt, dass die wertvollen Unterlagen danach nicht wieder zurück in die feuchten Räume können. Die Stadtverwaltung arbeitet zurzeit intensiv an einer Lösung. Wann das Stadtarchiv den regulären Betrieb wieder aufnehmen kann, lässt sich noch nicht abschätzen. Für Besucherinnen und Besucher muss es vorerst auch weiterhin geschlossen bleiben. Mündliche und schriftliche Anfragen werden bearbeitet, allerdings muss aufgrund der außergewöhnlichen Situation mit längeren Bearbeitungszeiten gerechnet werden.

Das Stadtarchiv ist unter der E-Mail-Adresse [E-Mail]archiv@monheim.de sowie unter der Telefonnummer +49 2173 951-4720 erreichbar. (sf/ts) 

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