Wandersleute zu Gast im Monheimer Rathaus

Junge Handwerkerinnen und Handwerker berichten Bürgermeisterin Sonja Wienecke von ihrer besonderen Reise

Die Wandergruppe, bestehend aus Joe, Lars, Steffen, Fanny, Jondy, Paul und Jonatan (von links) wurden von Bürgermeisterin Sonja Wienecke im Rathaus empfangen. Foto: Tanja Bamme

Dicke Cord-Jacken, goldene Knöpfe, passende Hüte und ein Bündel Kleidung in einem Baumwoll-Sack – das ist die Ausrüstung von traditionellen Wandersleuten. Sieben von ihnen haben im Monheimer Rathaus Halt gemacht und wurden dort von Bürgermeisterin Sonja Wienecke herzlich empfangen. Die jungen Handwerksgesellinnen und Handwerksgesellen sind teilweise bereits seit fast vier Jahren unterwegs und gehören unterschiedlichen Reisevereinigungen an. Sie leben eine jahrhundertealte Tradition, die aus einer Zeit stammt, in der es für junge Handwerkerinnen und Handwerker oft notwendig war, auf Wanderschaft zu gehen, um Arbeit zu finden und Erfahrungen zu sammeln. Auch wenn sich die wirtschaftlichen Bedingungen heute deutlich verändert haben, entscheiden sich noch immer viele junge Menschen bewusst für diesen besonderen Lebensabschnitt.

Auf ihrer Reise steuern die Wandersleute häufig Rathäuser an, um Kontakte zu knüpfen und sich über örtliche Handwerksbetriebe zu informieren. Nicht selten bleiben sie mehrere Wochen oder sogar bis zu drei Monate in einer Stadt, arbeiten dort, leben mit den Menschen vor Ort und ziehen anschließend weiter. Die Gäste in Monheim am Rhein kamen unter anderem aus Ulm, Schleswig-Holstein, Niederbayern und aus der Schweiz. In die Region waren sie gereist, um den neuen Freiheitsbruder Steffen aus Düsseldorf abzuholen und ihn beim Start in seine Wanderzeit zu begleiten. Danach trennen sich ihre Wege wieder und jede und jeder setzt die Reise alleine fort.

Klare Regeln für die Wanderschaft 

Für die Zeit auf Wanderschaft gelten klare Regeln. Geld darf weder für Fahrten noch für Übernachtungen ausgegeben werden. Gereist wird ausschließlich in der traditionellen Kluft, ein Smartphone gehört ebenfalls nicht zur Ausrüstung. Zudem legen die Wandersleute ihren bisherigen Nachnamen ab und nehmen für diese besondere Lebensphase oft einen neuen Namen an. Jondy ist zum Beispiel seit drei Jahren und zehn Monaten unterwegs. In dieser Zeit darf sie nicht in ihre Heimat zurückkehren. Um ihren früheren Wohnort wurde ein 50-Kilometer-Radius gezogen, dem sie sich während der Wanderschaft bewusst fernhält.

In Monheim am Rhein zeigten die Gäste großes Interesse an der Gänseliesel, die das Stadtbild prägt. Bürgermeisterin Sonja Wienecke erklärte ihnen die lokale Traditionsfigur und zeigte sich zugleich beeindruckt von der Konsequenz und dem Engagement, mit dem die jungen Menschen ihren Weg gehen. Im Sommer übernachten die Wandersleute häufig unter freiem Himmel, in der kälteren Jahreszeit klopfen sie auch an Haustüren und bitten um eine Unterkunft – ein bisschen vergleichbar mit dem heutigen „Work and Travel“, allerdings fest verankert in festen Regeln und Werten.

Gemeinsam besichtigte die Gruppe den Ratssaal, bevor es anschließend entlang des Rheins weiterging zur nächsten Station auf ihrer Reise. Immer dabei ist der Wanderstock, der sogenannte Stenz, als wichtiges Symbol der Wanderschaft. Bürgermeisterin Sonja Wienecke freute sich sehr über den Besuch und den persönlichen Einblick in diese besondere Tradition. Sie wünschte den sieben jungen Gästen alles Gute und viel Glück für ihren weiteren Weg. Zum Abschied überbrachten die Wandersleute ihr einen traditionellen Glücksspruch – ein herzlicher Gruß, den sie gerne stellvertretend für die gesamte Stadtgemeinschaft entgegennahm. (tb) 

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