„Unsere eigene Demokratie zu schützen und zu stärken, ist aktive Friedensarbeit“

Gedenkstunde anlässlich des Volktrauertags am Mahnmal der „Klagenden Mutter“ mit vielen nachdenklichen Tönen zur aktuellen Lage in Deutschland und der Welt

Kranzniederlegung in den Rheinanlagen an der Kapellenstraße. Die Skulptur der „Klagenden Mutter“ wurde in den Jahren 2017 und 2020 im Auftrag der Stadt restauriert. Foto(s) Thomas Spekowius

Zahlreiche Gäste lauschten am Sonntag-Vormittag der eindrucksvollen Rede von Diakon Harald Wachter.

Die Vortragenden des Ulla-Hahn-Hauses, hier mit Gertrud Bambeck am Mikrofon. Autorin und Kursleiterin Barbara Zoschke: „Autobiografisches Schreiben ist ein Prozess der Bewusstwerdung über das eigene lch und das Du des anderen. Das erleben in der Monheimer Textwerkstatt zwölf Teilnehmende seit nunmehr sieben Jahren. Sie bringen schreibend Licht in viele Bereiche des Daseins und beschenken einander – ֪und uns – mit wunderbar erkenntnisreichen, berührenden und wahrhaftigen Texten.“

Zu einer Gedenkstunde anlässlich des Volkstrauertags versammelten sich an diesem Sonntag zahlreiche Monheimerinnen und Monheimer am Mahnmal der „Klagenden Mutter“ in den Rheinanlagen an der Kapellenstraße – darunter auch der Heimatbund sowie die Vertreterinnen und Vertreter zahlreicher Monheimer Vereine. Zum Programm der erstmals unter städtischer Regie organisierten Veranstaltung trugen auch eine Autorengruppe des Ulla-Hahn-Hauses und eine Abordnung des Jugendblasorchesters der städtischen Musikschule bei.

Wohl selten zuvor habe ein Gedenken am Volkstrauertag einen so aktuellen Hintergrund wie in diesem Jahr gehabt, bemerkte Diakon Harald Wachter in seiner Ansprache an die versammelten Gäste. Jahrzehntelang habe man im scheinbar sicheren Gefühl des Friedens gelebt und deshalb nicht selten den Gedanken an Krieg, Vertreibung und Leid vergessen – genauso, wie man den Gedanken an Krankheit und Tod als Mensch nur allzu gerne verdränge, so der Diakon. „Aber dann hat uns der Krieg in der Ukraine mit einem Mal verdeutlicht, dass Krieg kein Videospiel, kein Ego-Shooter vor einem PC-Bildschirm, sondern Realität ist. Und kaum hatten wir uns an diesen Krieg ‚gewöhnt‘ – also ihn zumindest so für uns verarbeitet, dass er nicht ständig unser Denken beherrschte, da brach mit dem Terrorüberfall der Hamas in Israel wieder der Krieg in unseren Alltag ein.“ Was folgte waren einmal mehr schreckliche Bilder von Gewalt und Entmenschlichung.

Es sei gerade dennoch wichtig, angesichts der täglichen Bilder aus den Kriegsgebieten nicht abzustumpfen, sondern – so der Diakon mit Verweis auf das Mahnmal in seinem Rücken – sich „auch weiterhin den Betroffenen, den klagenden Müttern und ihren Kindern zuzuwenden.“

Ein Tag der Hoffnung

Wachter schlug damit den wichtigen Bogen von der Vergangenheit in die Gegenwart. Der Volktrauertag sei mit Blick auf das Geschehene auch ein Tag der Hoffnung. „Die Entwicklung seit dem 2. Weltkrieg hat gerade uns Deutschen gezeigt, dass Friede und Freundschaft selbst zwischen sogenannten ‚Erzfeinden‘ möglich ist.“ In vielen deutschen Städten haben in den letzten Wochen Vertretende aller Religionen gemeinsam für Frieden gebetet. „Das gemeinsame Ringen um Frieden geht uns alle an, egal welchen Glauben wir anhängen“, unterstrich der für die katholischen Gemeinden in Langenfeld und Monheim am Rhein tätige Diakon. Als Kirchenvertreter habe ihn bei der Vorbereitung eine Textpassage aus der Urkunde des Mohneimer Mahnmals aufhorchen lassen: „Die Toten sollen geehrt, aber die Zerstörung des von Gott geschaffenen Lebens verurteilt werden.“ Dieser eine Satz, fasse ebenso gut wie treffend die eigentliche Aussage des Mahnmals zusammen. Es schaffe einen Spagat: „Die Toten der beiden Weltkriege – nicht nur die Soldaten, sondern alle Menschen, die in den beiden Weltkriegen zu Tode kamen – sollen uns aufhorchen lassen.“ Das Mahnmal sei daher ein Ort des Gedenkens. Es verurteile aber eben auch die Ursachen, die zum Tod so vieler Menschen geführt haben. Wachter: „Es erinnert uns daran, dass Krieg und Frieden keine vom Schicksal herbeigeführten Zustände sind, sondern dass wir Menschen immer daran beteiligt sind. Dieses eindrucksvolle Mahnmal verzichtet auf jedweden heroischen Kämpfer. Es verzichtet auf jedwede Siegerpose. Ja es verzichtet auf jedwede militärische Attitüde: keine Helme, keine Lorbeerkränze. Stattdessen werden wir mit der Schattenseite von Krieg konfrontiert: die klagenden Mütter, die um ihre Männer weinen und die sich nun um ihre Kinder alleine kümmern müssen. Das Mahnmal gibt eine Situation wieder, die sich nach den beiden Weltkriegen nicht nur hier in Monheim ereignete, sondern heute eben auch in der Ukraine, in Russland, in lsrael und in Gaza. Der heutige Tag ist für uns alle eine Mahnung, wachsam zu sein, um alle Anfeindungen des Friedens rechtzeitig zu erkennen. Dazu gehört auch, zu erkennen, dass gerade Staaten mit einer gesunden und intakten Demokratie, deutlich weniger anfällig sind, für Kriege aller Art. Unsere eigene Demokratie zu schützen und zu stärken ist somit aktive Friedensarbeit.“

Junge Lyrik für den Frieden und ein alter Bach-Choral

Der Spagat zwischen dem nach dem 1. Weltkrieg vor allem im Gedenken an die gefallenen Soldaten installierten und von den Nazis später heroisierend instrumentalisierten Volkstrauertag hinein in die Gegenwart gelang auch den Autorinnen und Autoren eines Schreiblabors im Ulla-Hahn-Haus, die in selbst verfassten Texten ihre Betroffenheit über die aktuellen Weltgeschehnisse und deren Auswirkungen auch auf das Leben in Deutschland und Monheim am Rhein zum Ausdruck brachten.

Elisabeth Buboz-Lutz, Jennifer Miriam Löchel, Gertrud Bambeck, Ahmed Essam Ali Abdelwahab und Miriam Knott trugen dabei stellvertretend für die Gruppe selbst verfasste Lyrik vor, die sie gemeinsam mit ihrer Kursleiterin und Barbara Zoschke erarbeitet hatten. Bemerkenswert war dabei, neben der Qualität der Texte, auch die generationenübergreifende Zusammenarbeit. Einige regelmäßige Teilnehmende an der Monheimer Textwerkstatt 12 hatten sich im Vorfeld mit vier Jugendlichen getroffen, um gemeinsam zu schreiben. „Die dabei entstandenen Texte sind Literatur. Sie enthalten keine Handlungsanweisungen und keine politischen Statements. Sie formulieren persönliche Erkenntnisse und Sehnsüchte“, beschreibt Barbara Zoschke die Ergebnisse. „Es hat so gutgetan, sich endlich über diese Themen auszutauschen, die ohnehin ständig in meinem Kopf arbeiten und mich sowieso nicht zur Ruhe kommen lassen. So kommt es wenigstens raus“, zeigte sich Jennifer Miriam Löchel von der Chemie im Schreiblabor begeistert. „Das Miteinander von Alt und Jung war für mich überaus anregend; das Verbindende war das miteinander geteilte Anliegen, gemeinsam Wege aus der Sprachlosigkeit über Erfahrungen von Krieg und Frieden zu suchen, unterstrich auch Elisabeth Buboz-Lutz.

Für den musikalischen Rahmen sorgte ein Blechbläser-Ensemble des Jugendblasorchesters der städtischen Musikschule unter der Leitung von Thomas Sieger. Sie trugen zwei Stücke des Engländers Philip Sparke sowie den Bach-Choral mit dem Titel vor: „Es ist genug.“ (ts)

Die vollständige Rede von Diakon Harald Wachter anlässlich des Volktrauertags 2023 gibt es [PDF]hier.

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