Kaputte Schränke, ganze Sofagarnituren und jede Menge Scherben, Plastik und Teppiche, auch ausgedientes Kinderspielzeug häuft sich oder liegt verstreut auf Feuerwehraufstellflächen und rund um die Grundstücke der mehrstöckigen Mietshäuser an der Brandenburger Allee und den umliegenden Straßen. Der aktuelle Zustand der Gehwege und Aufenthaltsflächen im Berliner Viertel und in Teilen Baumbergs ist nicht gerade einladend. Die Stadtverwaltung und allen voran Bürgermeisterin Sonja Wienecke tun viel dafür, dass sich das bald ändert.
Im Schritttempo bahnen sich die orangenen Fahrzeuge der Städtischen Betriebe einen Weg durch die teils zugestellten Straßen. Die Mitarbeitenden packen sich den Sperrmüll und werfen ihn auf die Ladeflächen. Vieles muss getrennt werden, auch Speisereste, halbleere Farbeimer und Plastikflaschen liegen zwischen Möbeln und alten Fahrrädern. Jede Woche wird derzeit im Berliner Viertel abgefahren, immer im Wechsel zwischen Stadt und Awista. „Wir sind an den Donnerstagen mit fast dem kompletten Team im Berliner Viertel im Einsatz“, sagt Oliver Pelke, Leiter der Städtischen Betriebe. Die Awista fährt in der Woche drauf dienstags und mittwochs den Sperrmüll ab. Dabei wissen anscheinend die wenigsten, die ihren Sperrmüll einfach auf den Bürgersteig stellen, dass sie gerade eine Straftat begehen, der von Seiten der Stadt zurzeit massiv nachgegangen wird.
Taskforce Müll geht das Problem anders an, als bisher
Es ist kein neues Problem, aber es ist ein neuer Lösungsansatz, den Bürgermeisterin Sonja Wienecke im Umgang mit dem illegalen Abladen von Sperrmüll in der Stadt vertritt. Als ersten Schritt gründete sie eine Taskforce Müll, einen bereichsübergreifenden Zusammenschluss innerhalb der Stadtverwaltung, der sich regelmäßig abspricht, die Maßnahmen, die aktuell schon greifen, auf Wirksamkeit überprüft und nachjustiert, wo es sein muss. Philipp Maibaum, Leiter des Kommunalen Ordnungsdienstes (KOD): „Seit Frühjahr dieses Jahres haben wir uns mit 56 Fällen illegaler Müllentsorgung befasst, bei denen ein hinreichender Anfangsverdacht für weitere Ermittlungen vorliegt.“ Die meisten Müllsünderinnen und Müllsünder hinterlassen unbewusst Spuren, denen die Mitarbeitenden vom KOD und der Bauaufsicht nachgehen können. „Uns erreichen auch viele Anzeigen von Nachbarn oder Passantinnen und Passanten, die die Vermüllung einfach nicht mehr tolerieren wollen“, so Maibaum. Es gab einige Fälle, die dank der Hinweise aus der Bevölkerung aufgeklärt werden konnten. Naziha Zauaghi von der städtischen Abteilung Interkulturalität und Städtepartnerschaften hat sich im Berliner Viertel umgehört: „Die Menschen leiden unter dem Zustand ihres Viertels“, berichtet sie im Treffen der Taskforce. „Ich habe mit vielen gesprochen, die sich nicht mehr trauen, Besuch zu empfangen, weil sie sich so schämen.“
Bürgermeisterin setzt auf strenge Strafverfolgung
Die Bürgermeisterin setzt nicht nur auf strenge Strafverfolgung, sondern appelliert auch an die Mithilfe der Nachbarschaft: „Alle müssen anpacken, dieses Problem zu lösen“, sagt sie. „Es kann nicht sein, dass wir als Stadt hier viel Steuergeld ausgeben, um den illegal abgestellten Sperrmüll einzelner zu entsorgen, viele kommen nicht mal aus Monheim, sondern aus anderen Städten.“ Wienecke möchte das Thema grundsätzlich mehr in die öffentliche Wahrnehmung bringen und mit punktuellen Dreck-weg-Aktionen sowie Quartierspatenschaften für mehr Verantwortungsbewusstsein für die eigene Nachbarschaft werben. Bei der Beseitigung der Probleme im Berliner Viertel und in Baumberg sieht sie auch das Immobilienunternehmen LEG in der Pflicht. Die Termine für die Sperrmüllabfuhr hingen nicht mehr im Hausflur aus, sondern seien zuletzt nur noch online zu finden gewesen. Ansprechpersonen sowie Hausmeister seien nicht mehr vor Ort greifbar, Termine im Stadtteilbüro der LEG schwierig zu bekommen und viel zu lange passiere nichts, melden Mieterinnen und Mieter der Stadt. Geschätzte 80 Prozent der verdreckten Flächen seien nicht städtisch, so Oliver Pelke.
Das Problem gemeinsam anpacken
Der ursprüngliche Ansatz, den Sperrmüll durch häufiges Abfahren so schnell wie möglich aus dem Stadtbild verschwinden zu lassen, damit länger liegende Haufen nicht zum Nachahmen animieren, scheint nur teilweise aufzugehen. Pelke: „Müll wird zu jeder Zeit überall abgestellt.“ Dennoch muss weiterhin in diesem engen Turnus abgefahren werden, denn der Müll gefährdet Menschenleben. „Häufig wird er auf Feuerwehraufstellflächen abgestellt“, sagt Philipp Maibaum. Zudem bestünden gesundheitliche Gefahren durch Restmüll und Müll mit giftigem Inhalt, der zum Sperrmüll dazugestellt wird. Geprüft wird jetzt, ob eine Kameraüberwachung möglich ist, um Müllsünderinnen und Müllsünder noch besser überführen zu können. Zudem sollen Schilder aufgestellt werden, die vor den Konsequenzen durch das illegale Abstellen von Müll warnen und gleichzeitig die Abfuhrtermine wieder in den Hausfluren kommuniziert werden. Auch das Konzept „Mülldetektive“, das es in anderen Städten gibt, wird derzeit von der Taskforce geprüft.
Der Wunsch der Bürgermeisterin: Das Problem gemeinsam anpacken. „Die betroffenen Bürgerinnen und Bürger sollen sich nicht im Stich gelassen fühlen, nur weil einige wenige meinen, sie könnten tun, was sie wollen.“ (pm)


