Monheims Karnevalisten erstürmen das Rathaus und werden mit „1000 Kilogramm Konfetti“ begrüßt

Karnevalisten und städtische Bedienstete feiern gemeinsam / Der abgesetzte Bürgermeister kündigt eine Wagenbauhalle an

Der Monheimer Ratssaal im Konfettiregen. Trotz Kanonen und superheldenhafter Verteidigung ließen sich Monheims Tollitäten nicht von der Eroberung des Rathauses abhalten. Foto(s): Stadt Monheim am Rhein / Tim Kögler

Prinzessin Leni und Prinz Lenny im Konfettiregen.

Die Mona Lisa fürs Büro? Don Carnevale ist sichtlich entsetzt. Bei aller gemeinsamen Kunstfreude musste er San Danielo diesen Wunsch leider abschlagen.

San Danielo durfte dem Paten seine Aufwartung machen.

Prinz Jürgen II. und Prinzessin Patty ließen sich auf Händen in die Altstadt tragen.

Die Möhnen ließen sich vom eher grauen Wetter die gute Laune nicht verderben, auch wenn der Besuch des Bühnenprogramms diesmal unter dem zähen Nieselregen litt. Gefeiert wurde trotzdem – auch in den gut besuchten Altstadtkneipen.

Als 2023 nach drei Jahren grauer Tristesse endlich wieder das Rathaus gestürmt werden konnte, war Siegern und Besiegten die Erleichterung darüber gleichermaßen anzumerken. An diesem Altweiber-Donnerstag fiel die Gegenwehr der Rathausverteidiger um Bürgermeister Daniel Zimmermann schon wieder etwas stärker aus – ergeben mussten sie sich am Ende dennoch einmal mehr.

Um 9.11 Uhr nahmen Prinz Jürgen II. und Prinzessin Patty gemeinsam mit Kinderprinz Lenny und Prinzessin Leni unterstützt durch ihre Garden das Rathaus ein. Empfangen wurde sie von der Verwaltungsspitze nicht nur tänzerisch mit „1000 Kilogramm Konfetti“. Doch weder die dazu eigens in Stellung gebrachte Konfetti-Kanone noch die angelehnt an das diesjährige Stadtfest-Motto in Superhelden-Kostüme geschlüpfte Verwaltungsspitze vermochten es, die Narrenschar wieder aus dem Ratssaal zu vertreiben. Und so ganz war das wohl auch gar nicht das Ziel, empfing der Bürgermeister die Eroberer doch sogar mit einem riesigen Geschenk, indem er die Errichtung einer Wagenbauhalle auf dem jetzigen BSM-Gelände an der Daimlerstraße ankündigte: „Sie wird in jedem Fall mit so viel Platz konzipiert, dass jede Gruppe problemlos ihren Wagen reinbugsiert. 2025 werden wir mit dem Bau beginnen anderthalb Jahre später steh‘n dann die Wagen drinnen.“ Der Grundstein für künftig dann wohl noch mehr eindrucksvolle Wagen, als es sie jetzt schon heute in den Monheimer Zügen gibt. „Mit Baustellen kennen wir uns in Monnem aus. Meistens wird was Gutes draus,“ so der vorübergehend abgesetzte Bürgermeister, der auch die ganzjährigen Superkräfte seiner Verwaltung betonte, indem er auf den fortschreitenden Bau am neuen Karnevalstempel – der Kulturraffinerie K714 – sowie auf die schon fertiggestellte Tanzübungshalle und die erneute Spende fair gehandelter und produzierter Kamelle im Wert von 100.000 Euro verwies. Schon bei deren Übergabe hatte Gromoka-Sitzungspräsident Moritz Peters betont, wie gut es den heimischen Karnevalisten mit Blick auf die städtische Unterstützung gehe. Ein durchaus ernstes Thema griffen Peters und Zimmermann dann bei aller Freude gleichermaßen auf und machten dabei deutlich, dass sie hier exakt auf der gleichen Seite stehen. 

Karneval und Toleranz

„Das Einzige, was auch Superhelden nicht schaffen, ist, die Herzen toleranter zu machen“, so der Bürgermeister. „Ich hätte mir jedenfalls nicht vorstellen wollen, dass in Monheim einmal Unterschriften gegen Flüchtlingscontainer gesammelt werden sollen. Was ist nur los, in unserer Stadt, in der es doch niemand an etwas fehlt, dass einige plötzlich der Gedanke an Geflüchtete quält? Menschen, die nichts mehr haben und die aus Not ihre Heimat verlassen, brauchen unsere Solidarität und keine Leute, die sie hassen.“ Dabei zitierte das Stadtoberhaupt unter anderem Karnevalsgrößen wie die Bläck Fööss: „Ich ben Grieche, Türke, Jude, Moslem un Buddhist  – eine klare Absage an jeden Rassist.“ Jahrzehnte später ergänzten Brings: „Mir sin all all all nur Minsche.“ Zimmermann: „Wie schön, dass der Fasteleer sich treu geblieben ist. Er wird es niemals für richtig halten, Menschen nach Herkunft oder Religion zu spalten. Ich finde wir bräuchten auch außerhalb der jecken Zeit definitiv mehr Mitmenschlichkeit. Monnem ist bunt und so soll es bleiben. Wir wollen nicht zwischen Menschen unterscheiden. Das wäre dann die wahre Superheldenkraft, die Toleranz und Miteinander schafft.“

Don Carnevale beschwört das Miteinander 

Und genau auf dieses Miteinander spielte auch Peters an, der mit viel italienischer Grazie in die Rolle des Don Carnevale schlüpfte und neben Prinz Jürgen II. auch dem Bürgermeister eine Audienz im Ratssaal gewährte. Nein, drei Amtszeiten wolle er dem neuen Prinz Jürgen, anders als dessen Vorgänger, nicht gewähren. Und nein, auch den Wunsch von San Danielo nach der Mona Lisa für dessen Büro erteilte der Pate eine Absage. Eine ebenso klare humoristische Absage gab es allerdings auch an alle, die die Monheimer Gesellschaft spalten wollen. Denn deren Zusammenhalt ist auch Don Carnevale und der Gromoka wichtig. Auf den Täuschungsversuch, es gehe den Unterschriftensammlern gegen die Nutzung der ehemaligen Schulcontainer an der Krischerstraße zur Unterbringung von Geflüchteten um den inzwischen ohnehin längst an anderer Stelle versprochenen Schulgarten, fiel der clevere Pate jedenfalls nicht herein. „Naturalmente sind nicht alle in Monheim, die dort unterschrieben haben, Ausländerfeinde. Aber alle Ausländerfeinde in Monheim haben dort mit Freude unterschrieben“, machte Peters deutlich, und bewies dabei mehr Haltung als viele andere Stimmungsmacher, deren Neutralität bei dieser gesellschaftlichen Auseinandersetzung längst verloren gegangen ist. Man müsse dann eben auch mal schauen, mit wem man da auf einer Liste stehe, so der Pate. Sprach’s und lud den unterstützten Bürgermeister noch gönnerhaft zu einem kleinen PR- und Fotokurs ein: „Don Carnevale weiß, wann ein Selfie danebengeht. Ich bringe es Dir gerne bei. Wir zwei machen jetzt mal ein Selfie mit dem Inhalt meines Briefkastens, damit du auch in Sachen Kommunikation vom Don noch lernen kannst.“

Die Wichtigkeit von Gemeinschaft, wie sie auch und gerade im Monheimer Karneval gelebt wird, ist gerade Peters seit jeher ein glaubhaftes Anliegen. Auch deshalb duckt sich der Monheimer Karneval nicht vor ernsten Themen weg. Dass der Frohsinn und das gemeinsame Feiern an den tollen Tagen dennoch überwiegen ist ebenso richtig und wichtig. Eher unbeschwert ging es für Sieger und Besiegte deshalb anschließend weiter in Richtung Altstadt, wo ob des schlechten Wetters diesmal die Belastungsgrenze der heimischen Kneipen auf eine harte Probe gestellt wurde. Auch sie bestanden diesen Ansturm mit Bravour. 

Es wird friedlich weitergefeiert

Einmal mehr gab es an diesem Altweiberdonnerstag bei der Monheimer Altstadt-Party keinen einzigen polizeilichen oder ordnungsbehördlichen Einsatz. Auch das spricht für einen noch immer intakten Monheimer Zusammenhalt und die Tatsache, dass hier ebenso bunt wie friedlich gemeinsam gefeiert werden kann. 

Nun geht es unter freiem Himmel am Sonntag um 11.11 Uhr mit dem Baumberger Veedelszoch und am Sonntag um 14.11 Uhr mit dem Kinderzug weiter, bevor der Rosenmontagszug um 14.11 Uhr traditionell den Abschluss bildet. Am Rathaus und in der Kurve Krischerstraße / Lindenstraße gibt es am Rosenmontag wieder eine von der Stadt organisierte Zugmoderation. (ts)

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