Kunstvoller Blick auf die Stadt

Ein jetzt im Handel erhältlicher Katalog liefert überraschende Perspektiven zu den wichtigsten Kunstarbeiten im öffentlichen Raum

Anabel Runge, Programmleiterin für Kunst im öffentlichen Raum bei der städtischen Kunstschule, Bürgermeister Daniel Zimmermann, Kunstschulleiterin Katharina Braun und Gabi Schacknies vom Team der Bücherstube Rossbach mit dem jetzt von der Stadt publizierten Kunstkatalog. Foto: Thomas Spekowius

In den Jahren von 2018 bis 2025 ist in Monheim am Rhein eine beachtliche Sammlung junger Kunstwerke im öffentlichen Raum entstanden. Neben den Arbeiten lokaler Künstlerinnen und Künstler können in der Stadt inzwischen auch zahlreiche Arbeiten internationaler Größen im urbanen Raum erlebt werden – kostenfrei und rund um die Uhr. Die elf Hauptwerke werden nun in einer zweisprachigen Publikation vorgestellt. Sie trägt den Titel „Monheim am Rhein. Kunst im öffentlichen Raum / Art in Public Space“.  Die darin vorgestellten Werke stammen von Tony Cragg, Jeppe Hein, Saman Hidayat, der Künstlergruppe Inges Idee, Thomas Kesseler, Mischa Kuball, Markus Lüpertz, Thomas Stricker, Timm Ulrichs und Angela de Weijer. 

Betreut vom Team der Monheimer Kunstschule, war für das Buchprojekt im Vorfeld ein Wettbewerb mit der Peter Behrens School of Art in Düsseldorf organisiert worden. Unter der Leitung von Prof. Holger Jacobs, Professor für Typographie, wurden fortgeschrittene Studierende eingeladen, ihren Blick auf die Monheimer Kunstwerke in Entwürfe für eine Publikation zu übersetzen. Aus vier beeindruckenden Einreichungen bestimmte die städtische Kunstkommission schließlich einen Entwurf zur Umsetzung. Dabei setzte sich das Design von Paul Daubenspeck und Lynn Ruberg einstimmig durch: Es überzeugte inhaltlich, gestalterisch und auch durch das besondere fotografische Konzept, das in Zusammenarbeit mit dem Fotografen Jan Britz, ebenfalls von der Peter Behrens School of Art, realisiert wurde. 

Ein Bogen durch die ganze Stadt

Der Umschlag enthält hinten eine Stadtkarte, auf der die Werke von Norden nach Süden verzeichnet sind. In dieser Reihenfolge sind auch die Kapitel im Buch angeordnet. Den Anfang mach Timm Ulrichs‘ „im Duett“ in Baumberg. Das fast letzte Wort haben Inges Idee mit „Haste Töne“, tief im Monheimer Süden, nur noch gefolgt von Angela de Weijer mit ihrer  Soundarbeit „Collective Signal“, die nochmal den Bogen schlägt, weil sie im gesamten Stadtgebiet zu hören ist. 

Neben den begleitenden Texten, die weiterführende Informationen und einführende Impulse geben, bilden die einleitenden Bilderstrecken jeweils das Herzstück der Kapitel. Sie folgen dramaturgisch der Idee vom „Detail zum Ganzen“: Zunächst zeigen Makroaufnahmen Details, die mit bloßem Auge kaum sichtbar sind, wie zum Beispiel feinste Oberflächenstrukturen. Über weitere Detailaufnahmen zoomt die Kamera schließlich heraus bis in die Totale – einer Ansicht, die dem gewohnten Blick auf die Werke im Vorbeigehen nahekommt. Die Bildfolgen schließen jeweils mit einem Luftbild, das die Werke im Stadtbild verortet und nochmal eine Perspektive liefert, die den Passierenden sonst nicht zugänglich ist. 

Glückgriff mit nachhaltiger Wirkung 

Aus Sicht von Anabel Runge, Programmleiterin Kunst im öffentlichen Raum bei der städtischen Kunstschule und verantwortlich für Koordination und Redaktion des Projekts, war die Wahl dieses Entwurfs ein echter Glückgriff: „Ich bin sehr froh mit der Umsetzung, weil der Katalog die Werke auf überraschende und spannende Art präsentiert – sowohl für Monheimerinnen und Monheimer, die ihnen alltäglich begegnen, wie auch für ein Publikum von außerhalb, das sie vielleicht noch nicht kennt. Dabei werden sie nicht in einer Form illustriert, die den Besuch ersetzt – vielmehr möchte die Lektüre Impulse geben, sich die Werke vor Ort anzuschauen und sie immer wieder neu zu entdecken.“

Der Katalog zieht auch Bilanz des außergewöhnlichen Engagements der Stadt für die Kunst im öffentlichen Raum der Stadt unter Bürgermeister Daniel Zimmermann. Mit der beeindruckenden Sammlung von Gegenwartskunst wurde eine Bereicherung des öffentlichen Raums von dauerhaftem Wert geschaffen. In seinem Grußwort resümiert der scheidende Bürgermeister daher nochmal: „Kunst nimmt niemandem etwas weg. Schon gar nicht in Monheim am Rhein, wo alle Bürgerinnen und Bürger kostenlos den öffentlichen Nahverkehr nutzen, sich die Anzahl der Kita-Plätze in den letzten 15 Jahren verdoppelt hat, 9 000 Arbeitsplätze entstanden sind und in der Innenstadt kein einziger Leerstand vorhanden ist. Nicht eine Straße wurde weniger saniert, nicht ein einziger Schulneubau verzögert, weil die Stadt Monheim am Rhein Kunst im öffentlichen Raum gefördert hat.“

Kunst gestaltet Räume

Die Bürgerinnen und Bürger hätten sich jedoch daran gewöhnt, dass sich unterfinanzierte Kommunen auf das Allerwesentlichste beschränken und dass jedes städtische Projekt auf seine Wirtschaftlichkeit hin geprüft werde. Zimmermann: „Verarmt sind dann aber nicht nur die öffentlichen Haushalte, sondern auch der seelische Zustand einer Stadtgesellschaft. Das spüren wir selbst in Monheim am Rhein, wo es in den letzten anderthalb Jahrzehnten praktisch keine Sparzwänge gegeben hat. Doch völlig unabhängig von der aktuellen Haushaltslage gilt: Eine Stadt ist mehr als ein funktionaler Dienstleistungsbetrieb, der die Müllabfuhr, den Nahverkehr und den Rettungsdienst organisiert. Eine Stadt ist zuallererst ein soziales Gemeinwesen, für das die Kultur einen unverzichtbaren Stellenwert haben sollte. Kunst gestaltet den Stadtraum, der uns alle miteinander verbindet, sie macht Spaß, sie verändert die Stadt. Kunst gibt dem öffentlichen Raum ihren Wert zurück. Sie gestaltet einen Raum, der für alle da ist und ist ein Gegenentwurf zum Rückzug ins Private. Der Stadt und ihren Einwohnerinnen und Einwohner wünsche ich, dass sie neugierig und mutig bleiben. Neugierig auf das, was uns Künstlerinnen und Künstler zu sagen haben, und mutig, auch weiterhin trotz aller Widerstände, Kunst zu ermöglichen und die Kritik daran auszuhalten. Die Stadtgesellschaft und jede Einzelne, jeder Einzelne von uns werden davon weiter profitieren.“

Mit dem jetzt veröffentlichten Katalog sind die elf Hauptwerke nun gebührend präsentiert. In Kürze folgt eine Faltkarte, die alle rund 45 Kunstwerke in Monheim am Rhein verzeichnet, auch kleinere Arbeiten oder ältere Bestandswerke.

Der Katalog gibt es ab sofort zum Preis von 43 zu Euro in der Bücherstube Rossbach sowie in der Tourist-Information Monheim Mitte zu kaufen. (ts) 

Monheim am Rhein. Kunst im öffentlichen Raum / Art in public spaces 
Kerber Verlag 2025, ISBN: 978-3-7356-1023-2, Stadt Monheim am Rhein (Hg.), Preis: 43 Euro 403 Seiten, zahlreiche Abbildungen 
Texte von: Thomas W. Kuhn, Anabel Runge, Daniel Zimmermann Werke von: Tony Cragg, Jeppe Hein, Saman Hidayat, Inges Idee, Thomas Kesseler, Mischa Kuball, Markus Lüpertz, Thomas Stricker, Timm Ulrichs und Angela De Weijer

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