Friedhelm Haussels geht als Bereichsleiter Kinder, Jugend und Familie in den Ruhestand

Gespannt auf die Geschichten der Menschen

Friedhelm Haussels (M.) in seinem Element. Das Entdecken der Freude am beruflichen und sinnstiftenden Kontakt zu Menschen hat aus einem angehenden Maschinenbauingenieur einen Top-Sozialarbeiter werden lassen. Sein über Jahrzehnte erworbenes Wissen und seine Erfahrungen wird Friedhelm Haussels auch nach dem Ende seiner aktiven Arbeitszeit bei der Stadt Monheim am Rhein noch weitergeben. Foto: Wolfgang Schneider

Wer Friedhelm Haussels zuhört, glaubt, was er sagt. Der Bereichsleiter Kinder, Jugend und Familie verlässt die Stadtverwaltung mit viel Neugier auf das, was nun in der passiven Phase der Altersteilzeit kommen mag: „Ich freue mich auf das Neue, was ich jetzt entdecken kann.“

Angst vor dem nahenden Ruhestand habe er nicht, erzählt der Diplom-Sozialarbeiter. Wert legt er dabei besonders auf das Studium der Sozialarbeit. Denn während heute nur noch der Studiengang Soziale Arbeit existiert, war das zu seiner Zeit noch anders. Man musste sich entscheiden, ob man Sozialarbeit oder Sozialpädagogik studieren wollte. „Ich habe mich sehr bewusst für das Studium der Sozialarbeit entschieden, weil mir die Sozialpädagogik zu theoretisch gewesen wäre. Ich wollte ja mit den Menschen arbeiten, nicht sie irgendwie belehren. Ich wollte ein Arbeiter bleiben“, erzählt der 62-Jährige, der nach der Realschule zunächst – als Jahrgangsbester – eine Ausbildung zum Werkzeugmacher in Wermelskirchen absolviert hat und sogar schon einen Studienplatz für Maschinenbau sicher hatte.

Über den Zivildienst auf den richtigen Weg

Der Weg schien vorgezeichnet, doch dann kam der Zivildienst dazwischen und sorgte dafür, dass Haussels seine Lebensplanung noch einmal überdachte: „Ich habe den Dienst in einer Behindertenwerkstatt abgeleistet und schnell gemerkt, dass ich es unheimlich spannend fand, mein handwerkliches Wissen mit der Arbeit mit Menschen zu verbinden.“ Und da war es dann das erste Mal, das Wort „spannend“. Im Interview zu diesem Text fällt es unzählige Male. Und auch das glaubt man ihm sofort: Über all die Jahre hat er sich seine Neugier auf Menschen und deren Geschichten sowie die Freude an dem gemeinsamen Weg bewahrt: „Das treibt mich an. Ich glaube, dass wir neugierig auf Menschen sein müssen, um einen guten Job zu machen. Und ganz wichtig: Wir dürfen nie den Glauben an Entwicklung aufgeben, sonst könnten wir aufhören mit dem, was wir tun“, so der Jugendamtsleiter. Sein beruflicher Weg führte nach dem Studium zunächst in den Erwachsenen-Strafvollzug. Und auch hier fällt das Leitwort wieder: „Das war eine spannende Erfahrung, eingeschlossen zu arbeiten.“ Es folgten zwei Jahre, in denen er handwerkliche Ausbildung mit Sozialarbeit bei einem Träger verband, der junge Menschen auf das Berufsleben vorbereitete, bevor Haussels mehr oder weniger zufällig am 1. Oktober 1993 in Remscheid beim Jugendamt begann: „Ganz klassisch mit einem eigenen Bezirk“, erinnert er sich an eine – man ahnt es schon – „spannende Zeit“. Denn kurz zuvor hatte es einen juristischen Paradigmenwechsel gegeben. Das klassische Fürsorgerecht war dem Gedanken der Hilfe im Zusammenwirken mit den Familien gewichen. Anstelle des Jugendwohlfahrtgesetzes trat das Kinder- und Jugendhilfegesetz Anfang der 90er-Jahre. „Im Studium hatte ich noch das alte Gesetz gelernt, im Jugendamt saßen noch die ganzen alten Fürsorgerinnen. Und dann kam ich“, lacht der passionierte Fahrradfahrer, der regelmäßig auch bei Wind und Wetter aus dem Bergischen mit dem Rad an seinen Arbeitsplatz im Haus der Chancen gekommen ist.

Echtes Interesse an Menschen

Sein Interesse an Menschen und deren Geschichten ließ ihn seine neue Aufgabe anders angehen, als es damals üblich war – in einer Zeit, als Vormundschaften, Hilfegewährung und Kinderschutz noch bei einer Person lagen: „Ich habe nicht bloß in meinem Büro gesessen, das war undenkbar für mich. Ich wollte raus, in Kontakt mit den Menschen sein.“ Da konnte es auch einmal passieren, dass er sich außerhalb der üblichen Dienstzeiten mit einem Mündel traf. Das wurde anfangs durchaus kritisch beäugt, ebenso die Tatsache, dass er der Erste war, der seinen Hund mit zur Arbeit brachte – was übrigens auch heute noch so ist, wie er schmunzelnd erzählt: „Manchmal glaube ich, die Leute kommen gar nicht zu mir ins Büro, sondern um Bonny zu besuchen.“ Die Hundedame, mittlerweile eine vierbeinige Oma, ist im Haus der Chancen quasi groß geworden.

Wer über 30 Jahre im Kinderschutz gearbeitet hat, der hat viel erlebt: mehr Schönes als Schlechtes. Manche Erlebnisse bleiben hängen, prägen das weitere Berufsleben: Das vierte Kind einer drogenabhängigen Mutter nahm Haussels kurz nach der Geburt in Obhut, alle anderen Kinder waren bereits unter Vormundschaft fremduntergebracht. Doch das Familiengericht sah es im Falle des Säuglings nicht ein, das Sorgerecht zu entziehen, das Kind musste wieder zurück zur Mutter: „Vier Wochen später kam es mit einem Schütteltrauma in die Klinik – schwer behindert. Das ist mir sehr nahe gegangen, hat mir aber auch verdeutlicht, dass es nicht darum geht, alle zu retten, sondern darum, unser Möglichstes dafür zu tun, dass Kindern nichts passiert.“ Mit dieser Familie verbindet er aber auch Positives: „Vor kurzem hat sich eine der älteren Schwestern bei mir gemeldet und mir erzählt, wie es ihr ergangen ist.“

Zuhören können und Wege eröffnen

Nach 15 Jahren erfolgte der Wechsel in eine Leitungsposition nach Solingen: „Ich wollte selbst gestalten. Außerdem hatte ich das Gefühl, dass ich nach 15 Jahren in meinem Bezirk alle Leute so lange kannte, dass ich den Familien nicht mehr unvoreingenommen begegnen konnte“, erinnert sich der Vater eines erwachsenen Sohnes. Doch in der Klingenstadt wurde er als Leiter eines Regionalteams im Jugendamt nicht glücklich, sodass er die Chance ergriff, 2012 nach Monheim am Rhein zu wechseln.

Fast 14 Jahre im Zeichen der Gänseliesel haben viele Eindrücke mit sich gebracht. Als 2015 die „Flüchtlingskrise“ Deutschland beherrschte, gelang es Haussels, damals noch Abteilungsleiter der Sozialpädagogischen Dienste, mit einem engagierten Team innerhalb kurzer Zeit eine Unterbringungsmöglichkeit für unbegleitete Minderjährige aus dem Boden zu stampfen, wo er auch selbst Dienst machte. „Dieses Miteinander, um etwas gemeinsam zum Wohle anderer Menschen zu erreichen, hat mich unfassbar beeindruckt.“

Auch wenn er gerne auf sein Berufsleben zurückblickt, ist er nun froh, dass ein neuer Abschnitt beginnt. Lange Radwanderungen sind geplant, wobei er nicht ganz loslassen kann von seinem Arbeitsfeld: „Ich werde freiberuflich noch etwas als Fortbildner und Coach weitergeben.“ Da drängt sich direkt eine Frage auf: Nach so vielen Jahren im Jugendamt, was ist das Wichtigste, wenn man dort arbeiten will? Haussels muss nicht lange überlegen: „Zuhören ist die wichtigste Eigenschaft. Und das Verständnis, dass man nicht die Lösung des Problems der Menschen ist, sondern lediglich Wege bereiten kann.“ Und das, so fasst er seine Philosophie als Leitungskraft zusammen, ist auch im Umgang mit seinen Mitarbeitenden so: „Ich habe mich immer als Dienstleister verstanden, der Strukturen dafür schafft, dass die Kolleginnen und Kollegen ihre Arbeit machen und Entscheidungen treffen können.“ Bleibt noch eine Abschlussfrage: Was waren Sie für ein Chef? Da muss Friedhelm Haussels kurz überlegen: „Ich glaube, dass ich niemand gewesen bin, der Entscheidungen vorgibt. Ich bin auch kein Auf-den-Tisch-Hauer. So etwas liegt mir einfach nicht. Aber vor allem kann ich von mir sagen, dass ich auch bei harten Auseinandersetzungen nie nachtragend war.“ (ws)

Info 
Textautor Wolfgang Schneider (ws) ist seit mehreren Jahren als studierter Sozialarbeiter in der Abteilung Sozialpädagogische Dienste bei der Stadt Monheim am Rhein tätig und hat früher auch als freier Lokaljournalist für eine große Tageszeitung im Kreis Mettmann gearbeitet.

 

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