Der Atlas über Monheim am Rhein

Die Gänselieselstadt ist nun Teil eines ganz besonders wertigen Geschichts- und Kartenwerks

Geschichtsautorin Dr. Elfi Pracht-Jörns und der Leiter des LVR-Instituts für Landeskunde und Regionalgeschichte, Dr. Eckhard Bolenz (r.), präsentieren gemeinsam mit Bürgermeister Daniel Zimmermann Band 101 des Rheinischen Städteatlanten über Monheim am Rhein. Foto: Thomas Spekowius

Zu den 101 Städten, die bislang vom LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte im Rheinischen Städteatlas mit einer eigenen Publikation bedacht wurden, gehört jetzt auch die Stadt Monheim am Rhein. Im Rahmen einer Feierstunde wurde der Städteatlas am 7. Juni vom Leiter des LVR-Instituts für Landeskunde und Regionalgeschichte, Dr. Eckhard Bolenz, an Bürgermeister Daniel Zimmermann übergeben.

„Dass die für Monheim am Rhein bestimmte Mappe die Nummer 101 trägt, zeigt allein schon den bemerkenswert langen Atem, mit dem das Kartenwerk vor über vierzig Jahren begonnen wurde“, bemerkte Zimmermann bei seiner Festansprache im Ratssaal. „Die weißen Flecken auf der Übersichtskarte, mit den noch zu bearbeitenden Orten, werden immer weniger. Für diese beeindruckende Kontinuität und Ausdauer danke ich Herrn Dr. Eckhard Bolenz und seinem Institut sehr herzlich“, hob Zimmermann hervor. „Beeindruckt haben mich auch Akribie und Sorgfalt, die bei den Recherchearbeiten für den Monheimer Städteatlas aufgewendet wurden.“ Ein Glücksfall, aber kein Zufall. Denn auch Dr. Eckhard Bolenz sprach mit Blick auf das Gesamtwerk von einem 1972 begonnenen „historischen Prestigeobjekt“, das dem heute stetig steigenden Interesse vieler Menschen an den Ursprüngen ihrer Herkunft gerecht werde – wissenschaftlich, aber durchaus auch mit hohem Lesewert für interessierte Bürgerinnen und Bürger.

Ein historisches Grundlagenwerk zum perfekten Zeitpunkt

Die redaktionelle Bearbeiterin des Monheimer Städteatlanten, Dr. Elfi Pracht-Jörns, wertete bei 14 ganztägigen Besuchen im Stadtarchiv Akten, Sammlungen, Literatur und Bilder aus. Auch das Pfarrarchiv St. Gereon suchte die Historikerin mehrmals auf und ergänzte ihre ohnehin schon aufwendigen Recherchen in den örtlichen Quellen noch mit weiteren Materialien aus dem Landesarchiv NRW. „So bilden die Daten und Fakten im Textteil ein Nachschlagewerk, das durch Umfang, Detailliertheit und Zuverlässigkeit überzeugt“, lobte Bürgermeister Daniel Zimmermann. „Und es kommt genau zum richtigen Zeitpunkt“, so das Stadtoberhaupt mit Blick auf die jüngsten Ausgrabungsarbeiten in der Altstadt, den erfolgten Startschuss zum Aufbau der MonChronik, als dezentralem Heimatmuseum, sowie auf den zu Jahresbeginn erschienen ersten Teil der auf vier Bände angelegten und chronologisch aufgebauten „Geschichte Monheims“ durch den Monheimer Heimathistoriker Dr. Karl-Heinz Hennen.  Auch Monheims Stadtarchivar Michael Hohmeier zeigt sich erfreut: „Mit dem Städteatlas verfügen wir nun über ein historisch-geographisches Grundlagenwerk, auf das jede weitere Beschäftigung mit der Stadtgeschichte aufbauen sollte.“

Die Geschichte von Monheim am Rhein wird im Rheinischen Städteatlas auf 24 großformatigen Seiten dargestellt – in dem für diese Publikation eingeführten Gliederungsschema. In Stichworten werden Daten zur Siedlungsgeschichte, Topographie, Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte, zur Kirchen- und Schulgeschichte sowie zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte aufgeführt – wobei hoher Wert auf Vergleichbarkeit mit anderen Städten gelegt wird. Dieser Textteil wird durch einen Kartenteil ergänzt – das Herzstück eines jeden Atlanten. Die der Monheimer Mappe beiliegenden großformatigen Reproduktionen historischer Karten und Luftaufnahmen bestechen durch ihre hervorragende drucktechnische Wiedergabe. Besonders gelungen ist die Nachzeichnung der Urkarte von 1829 durch Esther Weiss, in der sich der ästhetische Reiz einer alten Karte und ihr Informationsgehalt auf treffliche Art ergänzen.

Der Städteatlas über Monheim am Rhein ist ab sofort im Buchhandel erhältlich. Der Preis beträgt 24,50 Euro.

Hintergrund – Die Geschichte Monheims im Schnelldurchlauf

Im Rahmen der Feierstunde im Ratssaal berichtete die Autorin der Monheimer Ausgabe des Rheinischen Städteatlanten, Dr. Elfi Pracht-Jörns, über die Ergebnisse ihrer Arbeit. Ihre Kurzfassung der jahrhundertealten Monheimer Geschichte liest sich wie folgt.

Keimzelle der um 1150 erstmals erwähnten „villa“ Monheim waren der Fronhof des Kölner Stifts St. Gereon sowie die um 1180 bereits vorhandene Gereonskirche, für die das Stift Patronatsherr war. Die Siedlungsgeschichte der Ortschaft und das Alltagsleben ihrer Bewohner waren geprägt durch die Lage am Rhein, dessen Lauf sich durch mehrere Mäanderdurchbrüche veränderte. So verlor Monheim spätestens in der Frühen Neuzeit seine direkte Rheinlage, während das ehemalige Römerkastell Bürgel wahrscheinlich 1374 von der linken auf die rechte Rheinseite geriet. Die zur Monheim gehörende Honschaft Blee wurde vor 1556 durch ein Rheinhochwasser weitgehend zerstört. Monheimer Schiffe waren bereits Anfang des 13. Jahrhunderts im Ärmelkanal unterwegs. Eine Fähre bestand spätestens seit 1374. Der Rhein als Verkehrs- und Transportweg spielte vor allem für den Handel mit Köln und dem Bergischen Land eine wichtige Rolle. Auch die Fischerei war ein bedeutender Erwerbszweig.

Im 12. Jahrhundert fassten die Grafen von Berg in Monheim Fuß. Mitte des 13. Jahrhunderts war Monheim Sitz eines Landgerichts, eines bergischen Beamten und vermutlich Mittelpunkt eines Amtes, das indessen erst 1363 ausdrücklich erwähnt wird. Vogt und Rentmeister hatten als bergische Beamte ebenfalls in Monheim ihren Amtssitz. Bereits im Mittelalter war das zentrale Straßenkreuz der Ortschaft ausgebildet, Land- und kurzzeitig Rheinzoll wurden erhoben. 1307 wird der Marktplatz erstmals erwähnt. Ein erster Befestigungsturm wurde vor 1279 errichtet, der letzte heute noch bestehende Torturm, der „Schelmenturm“, zwischen 1417 und 1431. Anfang des 15. Jahrhunderts erhob Herzog Wilhelm I. von Jülich-Berg Monheim zur Freiheit. Um 1500 existierte hier auch ein Haus des Herzogs.

Nach der Auflösung des Amtes Monheim 1808 gehörte Monheim mit Baumberg, Hitdorf und Rheindorf zur Mairie sowie seit 1816 Bürgermeisterei Monheim. Die Entwicklung von einer landwirtschaftlich geprägten Gemeinde zu einem Industrieort begann Anfang des 20. Jahrhunderts mit dem Anschluss an die Eisenbahn. Auch der Bau eines hochwassersicheren Deichs Ende der 1920er-Jahre brachte einen Entwicklungsschub, der zusätzlich gefördert wurde durch die Lage zwischen den Großstädten am Rhein.

Mit der wirtschaftlichen Prosperität einher gingen die Verbesserung der Infrastruktur und der Ausbau der Siedlung. Aber erst die Integration Baumbergs 1951 und die Verleihung der Stadtrechte 1960 setzten ein enormes Bevölkerungswachstum und die Erschließung neuer Siedlungsgebiete im Süden und Osten Monheims und im Osten Baumbergs in Gang. Seit den 1970er-Jahren erfolgte der Ausbau eines echten Stadtzentrums in rund um das heutige Rathaus. Die Schließung wichtiger Industriebetriebe in den 1980er-Jahren führte zu einem Strukturwandel, der nach Überwindung der Krise schließlich die Weichen für den Wandel zu einer modernen und zukunftsfähigen Stadt stellte. Hierbei hob Dr. Elfi Pracht-Jörns vor allem die Entwicklung des alten Shell-Geländes zum modernen Gewerbegebiet Rheinpark und die auch an vielen weiteren Stellen im Stadtgebiet sichtbaren Ergebnisse einer „zuletzt spektakulär erfolgreichen Wirtschaftspolitik“ hervor.

Über den Rheinischen Städteatlas

Der Rheinische Städteatlas ist ein historisch-topographisches Grundlagenwerk zur Geschichte der rheinischen Städte. Nach einem weit gefassten Stadtbegriff werden darin neben den seit dem Mittelalter voll entwickelten Städten auch solche Orte berücksichtigt, die in späterer Zeit zur Stadt erhoben wurden oder die seit der französischen Zeit 1798 den Stadt-Status wieder verloren haben. Auch Monheim am Rhein gehört mit seiner Stadternennung im Jahr 1960 zu diesen insgesamt 187 Städten und gefreiten Orten. (ts)

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