Mehrere aufmerksame Bürgerinnen und Bürger haben sich in den vergangenen Tagen bei der Stadt und der Polizei gemeldet, um möglicherweise gestohlene Stolpersteine zu melden. Die Stadt kann allerdings Entwarnung geben: Für Bauarbeiten wurden zuletzt an der Rheinpromenade sieben Stolpersteine ausgebaut und im Stadtarchiv eingelagert.
Insgesamt 79 Stolpersteine und eine Stolperschwelle erinnern heute an die Opfer der nationalsozialistischen Willkürherrschaft von 1933 bis 1945. Wo die Steine liegen und welche Schicksale hinter den in die Messingplatten geschlagen Namen stehen, zeigt auf der städtischen Website eine
interaktive Karte. Hier wird auch vermerkt, wenn ein Stolperstein für Bauzeiten eingelagert werden muss. „Sollten darüber hinaus fehlende Steine oder Beschädigungen auffallen, freuen wir uns über Hinweise“, sagt Sonja Felten, Leiterin des Stadtarchivs. „Dass uns nach dem Ausbau der Steine an der Rheinpromenade direkt so viele Anrufe und Nachrichten erreicht haben, zeigt das Verantwortungsbewusstsein der Bürgerinnen und Bürger für die Monheimer Stolpersteine.“
Um die Steine vor Beschädigungen durch schweres Baustellengerät zu schützen, bauen die Städtischen Betriebe die Steine aus und setzen sie nach Abschluss der Bauarbeiten wieder ein. Neben den sieben Steinen für ehemalige Zwangsarbeitskräfte befinden sich im Archiv derzeit ein Stein für Kazímierz Załęskí von der Bleer Straße 201, ein Stein für Maria Hubertine Rolland von der Frohnstraße 27 und ein Stein für Frida Bauermann vom Gartzenweg 15. „Der Wiedereinbau erfolgt erst, nachdem alle Arbeiten abgeschlossen sind“, betont Sonja Felten. „Auch, wenn eine Baustelle augenscheinlich fertig ist, stehen manchmal noch Restarbeiten aus. Deshalb wird zum Beispiel der Stolperstein für Frida Bauermann am Gartzenweg vermutlich erst im Sommer verlegt.“
Stolpersteine für Menschen jüdischen Glaubens, Pfarrer Franz Boehm, Zwangsarbeitskräfte und Euthanasieopfer
Die ersten Stolpersteine ließ die Stadt im Jahr 2003 durch den Kölner Künstler Gunter Demnig verlegen. In Monheim am Rhein wurde zunächst der Menschen jüdischen Glaubens gedacht, die entrechtet, verfolgt, deportiert und ermordet wurden. Zudem galt einer der ersten Stolpersteine dem katholischen Pfarrer Franz Boehm, der in Predigten Kritik an staatlicher Willkür geäußert und sich davon auch nicht durch Drohungen hatte abbringen lassen. Boehm wurde im Konzentrationslager Dachau inhaftiert, wo er im Februar 1945 starb. Weitere Stolpersteine tragen die Namen von verstorbenen Zwangsarbeitskräften und Euthanasieopfern.
Zusätzlich zu den Stolpersteinen verlegte Gunter Demnig an der Klappertorstraße eine Stolperschwelle für mindestens 44 französische Kriegsgefangene, die dort von 1940 bis 1945 interniert waren und entgegen der Genfer Konvention Zwangsarbeit leisten mussten. Während die Stolpersteine Einzelpersonen gewidmet sind, dienen die Stolperschwellen dem Gedenken an Opfergruppen.
Alle Orte sind auf der
digitalen Karte verzeichnet. Hellgelbe Quadrate zeigen in der Karte Stolpersteine und Stolperschwelle an, schwarze Symbole weisen auf folgende Gedenkorte hin: Denkmal für Pfarrer Franz Boehm, jüdischer Friedhof, katholischer Friedhof, Denkmal Klagende Mutter und Mahnmal am Kradepohl. Beim Klick auf einen Stein gibt es eine kurze Information zu dem Menschen, für den der Stein verlegt wurde. Ein weiterer Klick auf „mehr Informationen“ führt zu einer längeren Erläuterung mit Bildern. (bh)


