Vor gut einem Jahr erfolgte der Spatenstich, inzwischen sind die Bauarbeiten deutlich vorangeschritten – und nun ist auch der Grundstein gelegt: Mit dem dritten Bauabschnitt geht die umfassende Umgestaltung von Monheim Mitte in ihre letzte große Etappe. Rund um den Ingeborg-Friebe-Platz sind insgesamt vier neue Häuser vorgesehen. Drei davon entstehen im jetzt begonnenen Hochbau.
Bürgermeisterin Sonja Wienecke und Isabel Port, Geschäftsführerin der Baumberger Einkaufszentrum GmbH, legten am Dienstag gemeinsam mit Matthias Niemeyer und Stefan Klug von der Projektentwicklungsgesellschaft PE Monheim Mitte den Grundstein. Gemeinsam versenkten sie eine Grundsteinhülse. Darin befinden sich neben der Urkunde zur Grundsteinlegung und einer aktuellen Tageszeitung unter anderem Fotos des alten Baufelds, die erste Seite der Baugenehmigung und Münzen.
Mit einem Budget von 133 Millionen Euro wird der dritte Bauabschnitt umgesetzt. Es entstehen weitere Flächen für Einzelhandel und Gastronomie sowie zusätzlicher Wohn- und Büroraum. Zu den künftigen Handelsmietern gehören JYSK, Expert Gröblinghoff und New Yorker. Die „MoBo-Offices“ bieten rund 7600 Quadratmeter flexibel nutzbare Bürofläche. Zudem entstehen 56 Mietwohnungen, die künftig von der Monheimer Wohnen verwaltet werden. Eine Tiefgarage mit rund 170 Stellplätzen, E-Ladeinfrastruktur sowie überdachte Fahrrad- und Lastenradstellplätze ergänzen das Mobilitätsangebot.
Innenstadtentwicklung seit 2018
2018 hatte die Stadt das Rathauscenter und das Monheimer Tor erworben und damit die umfassende Umgestaltung von Monheim Mitte eingeleitet. Mit dem Rathauscenter und dem Monheimer Tor wurden die ersten beiden großen Bauabschnitte inzwischen abgeschlossen. Mit dem dritten Bauabschnitt wird die Entwicklung nun weiter vervollständigt.
Dass Monheim Mitte inzwischen auch mehr Kundinnen und Kunden aus dem Umland anzieht, zeigt die sogenannte Zentralitätskennziffer. Ein Wert von 100 bedeutet vereinfacht gesagt: Die Menschen aus Monheim geben außerhalb der Stadt ungefähr so viel Geld im Einzelhandel aus, wie Menschen aus dem Umland beim Einkaufen in Monheim ausgeben. Monheim lag 2018 noch bei 94, inzwischen beträgt der Wert 107,1. Heute kommt unter dem Strich also mehr Kaufkraft zum Einkaufen nach Monheim, als in andere Einkaufsorte abfließt. Wienecke, die seit November 2025 als Bürgermeisterin die Verantwortung für die weitere Entwicklung trägt, machte bei der Grundsteinlegung deutlich, dass sie den eingeschlagenen Weg in Monheim Mitte fortsetzen und zugleich eigene Akzente setzen will.
Mehr Grün als eigener Akzent
Einen solchen Akzent setzt Wienecke beim Grün. Nach ihrem Amtsantritt wurden die Planungen für diesen Bauabschnitt noch einmal überarbeitet und dem Thema ein stärkeres Gewicht gegeben. Neben Bäumen entlang der Straßen sollen Pflanzbeete, Sträucher und Dachgärten für zusätzliche und insektenfreundliche Grünflächen sorgen. Ganz frei planen lässt sich dabei allerdings nicht. Notwendige Feuerwehrzufahrten und -aufstellflächen, die Tiefgarage sowie bereits vorhandene Leitungen und Kabel setzen dem möglichen Grünanteil Grenzen.
Eine weitere Stärke des neuen Quartiers soll die Verbindung unterschiedlicher Nutzungen sein. Einkaufen, Arbeiten, Wohnen, Gastronomie und Freizeitangebote liegen dicht beieinander. Von den neuen Büroflächen aus sind Einkaufsmöglichkeiten, Gastronomie und der zentrale Busbahnhof innerhalb weniger Minuten erreichbar. Neue Wegeverbindungen zwischen den Gebäuden sollen zugleich dafür sorgen, dass praktisch jedes Ziel in der Innenstadt innerhalb von fünf Minuten zu Fuß erreicht werden kann. „Das ist für mich eine der großen Stärken dieses Projekts: Wir bauen nicht einfach einzelne Gebäude. Wir schaffen Stück für Stück ein zusammenhängendes Stück Stadt“, betonte Sonja Wienecke anlässlich der Grundsteinlegung. Dass die vorhandenen Flächen gut angenommen werden, zeigt auch die Vermietungsquote: In den Erd- und Obergeschossen von Monheim Mitte sind derzeit 98 Prozent der Flächen vermietet.
Nachhaltige Energieversorgung
Isabel Port stellte bei der Grundsteinlegung vor allem die baulichen und technischen Besonderheiten des Projekts heraus. Eine Herausforderung ist die Lage mitten in der funktionierenden Innenstadt. Direkt gegenüber befindet sich der zentrale Busbahnhof. Busse, Autos, Baustellenfahrzeuge sowie Fußgängerinnen und Fußgänger teilen sich während der Bauzeit den Verkehrsraum. Gleichzeitig steht für die Baustelleneinrichtung bei einem Projekt dieser Größenordnung nur begrenzt Platz zur Verfügung. Eine zentrale Rolle spielt die Energieversorgung. Insgesamt wurden unter der bereits fertiggestellten Bodenplatte 170 Geothermiebohrungen mit jeweils 95 Metern Tiefe ausgeführt. Zusammengenommen entspricht das einer Bohrtiefe von mehr als 16 Kilometern. Über die Erdwärme sollen die Gebäude künftig vollständig mit der benötigten Heiz- und Kühlenergie versorgt werden. Photovoltaik und Luftwärmepumpen ergänzen das Energiekonzept. Für den späteren Betrieb der Anlagen ist die MEGA als lokale Energiepartnerin vorgesehen. Auch bei der Bauweise spielt Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle. Die Obergeschosse der Bürogebäude entstehen in Holzhybridbauweise. Dabei wird Holz mit anderen Baustoffen kombiniert. Das verbessert die CO₂-Bilanz und soll zugleich für ein angenehmes Raumklima sorgen.
„Heute legen wir den Grundstein. Ab jetzt wird aus vielen Jahren Planung Schritt für Schritt gebaute Realität – damit am Ende ein Quartier entsteht, das sich ganz selbstverständlich in die Innenstadt einfügt“, sagte Port. Bis dahin müssen sich die Menschen in Monheim Mitte jedoch noch auf die Begleiterscheinungen der Bauarbeiten einstellen. „Bis wir das allerdings wirklich erleben können, wird es erst einmal wieder laut, staubig und an der einen oder anderen Stelle auch etwas umständlich. Das gehört leider zur Baustellenrealität dazu“, warb Monheims Bürgermeisterin um Geduld. Die Fertigstellung des dritten Bauabschnitts ist für Herbst 2028 vorgesehen. (ts)


