Monheim-Lexikon: Straßennamen

„Wir hatten die Straße, in welcher unser Haus lag, den Hirschgraben nennen hören; da wir aber weder Graben noch Hirsche sahen, so wollten wir diesen Ausdruck erklärt wissen.“ – Johann Wolfgang Goethe, Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit (Erster Teil, erstes Buch)

„Hausname, Straßenname, das ist überhaupt das Beste. Straßenname dauert noch länger als Denkmal.“ – Theodor Fontane, Der Stechlin (12. Kapitel)

 

Straßennamen erzählen Geschichte und Geschichten. Sie bringen Ordnung ins Stadtbild und geben Orientierungshilfe. Das Straßenverzeichnis für Monheim am Rhein umfasst 376 Namen (Stand: Juli 2017). Vor ihrer Einführung gab es in Monheim wie vielerorts üblich nur Hausnummern. Die Gebäude waren, bei 1 beginnend, durchnummeriert; aber nicht auf einzelne Straßen bezogen, sondern auf das gesamte Gemeindegebiet.

In kleineren Ortschaften mochte dieses System genügen, bei zunehmender Ausdehnung des Siedlungsgebiets wurde es jedoch unübersichtlich. Die größeren Städte gingen daher als erste zur Kombination aus Straßennamen und Hausnummern über.

Schilder und Hausnummern wurden 1909 eingeführt

In den Gemeinden Monheim und Baumberg war es 1909 soweit. Der Monheimer Rat genehmigte am 19. April jenes Jahres die Beschaffung von Straßenschildern, deren Kosten die Kommune übernahm. Die neuen Hausnummern mussten die Gebäudeeigentümer hingegen selbst bezahlen. Der Baumberger Gemeinderat zeigte sich am 17. Mai 1909 großzügiger. Er übernahm nicht nur die Kosten der Straßenschilder, sondern auch die der Hausnummern. Lediglich bei Neubauten mussten die Eigentümer in die eigene Tasche greifen.

Am 8. Juli 1909 befasste sich der Baumberger Rat erneut mit dem Thema und beschloss: „Es sollen weiße Hausnummern auf schwarzem Grunde beschafft werden.“ Zunächst war es üblich, die Schilder nicht an Masten, sondern an den Hauswänden zu befestigen.

Den Ratsbeschlüssen sind leider keine Listen der soeben eingeführten Straßenbezeichnungen beigefügt. Sie lassen sich aber aus dem wohl 1911 erschienenen „Adreßbuch für den unteren Landkreis Solingen“ erschließen. Für Monheim lauteten sie in alphabetischer Reihenfolge:

Drehwanstraße, Düsselweg, Frohngasse, Frohnstraße, Gartenweg, Grabenstraße, Hofstraße, Kapellenstraße, Kirchstraße, Klotzstraße, Knipprather Kirchweg, Knipprather Weg, Kreuzstraße, Krummstraße, Langenfelder Straße, Lottensträßchen, Niederstraße, Parkstraße, Poetengasse, Schildgesgasse, Schleiderweg, Schulstraße, Steinweg, Thelenstraße und Turmstraße.

Bei anderen Bezeichnungen im Adressbuch von 1911 handelt es sich eher um die Angabe von Ortslagen, als um Straßennamen im engeren Sinn: Am Sand (1933 umbenannt in Brückenschleeweg), [intern]Sandberg, [intern]Blee, Heide, Oedstein, Zaunswinkel. Weitere Namen verweisen auf außerhalb gelegene Gehöfte: Altjudenhof, Laacherhof, Neujudenhof, Schleiderhof.

Älteste Monheimer Straßennamen

Adressbuch 1911

Bedeutung

Heutiger Name

Drehwanstraße

Geht auf die Flurbezeichnung „Driwang“ zurück. „Wang“ steht mundartlich für „Gewann“ oder „Acker“. Die Bedeutung von „Dri“ ist unklar.

Drehwanstraße

Düsselweg

Name verdankt sich einer hier einst ansässigen Familie.

Düsselweg

Frohnstraße, Frohngasse

Die Frohnstraße ist nach dem Frohnhof benannt. Fro(h)n- oder Herrenhöfe bildeten seit fränkischer Zeit den Mittelpunkt einer Grundherrschaft. Ein Fronhof war die Sammelstelle für alle fälligen Abgaben an den Grundherrn. Hörige mussten Frondienste leisten.

Die Frohngasse am westlichen Ende der Straße ist als eigener Name nicht mehr vorhanden.

Frohnstraße

Gartenweg

Der Gartenweg (Weg zwischen Gärten) wurde wohl in den 1930er-Jahren in Kirchgäßchen umbenannt.

Kirchgäßchen

Grabenstraße

Erinnert an den Graben der einstigen Befestigungsanlagen.

Grabenstraße

Hofstraße

Führt am Großen Hof vorbei.

Hofstraße

Kapellenstraße

Führt an der Marienkapelle vorbei.

Kapellenstraße

Kirchstraße

Die Kirchstraße von 1911 verband die Turm- mit der Frohnstraße. Seit 1946 ist sie nach dem katholischen Monheimer Pfarrer Franz Boehm (1880–1945) benannt, der von den Nationalsozialsten verfolgt und ins Konzentrationslager Dachau deportiert wurde. Dort kam er ums Leben.

Franz-Boehm-Straße

Klotzstraße

Bei der Klotzstraße handelt es sich um die heutige Bleer Straße. Das „Klotzwerfen“, eine Art Kegeln, war einst eine beliebte Volksbelustigung. „Klotz“ kann aber auch Baumstumpf bedeuten.

Bleer Straße

Knipprather Kirchweg, Knipprather Weg

Knipprather Kirchweg und Knipprather Weg stellten die Verbindung zwischen dem hauptsächlich von Wald bedeckten Ortsteil und dem Ortskern samt Kirche her.

Knipprather Straße

Kreuzstraße

Die Kreuzstraße, wohl benannt nach früheren Wege- oder Feldkreuzen, war der heutige nördliche Ausläufer der Krummstraße. 1952 wurde der Name geändert, um Verwechslungen mit der Kreuzstraße in Baumberg zu vermeiden.

Krummstraße

Krummstraße

Zwischen Alter Schulstraße und Einmündung Biesenstraße weist die Krummstraße Kurven oder Krümmungen auf.

Krummstraße

Langenfelder Straße

Die Langenfelder Straße stellte die Verbindung  mit dem Nachbarort her; 1925 umbenannt in Opladener Straße, zu Ehren der damaligen Kreisstadt.

[intern]Opladener Straße

Lottensträßchen

Das Lottensträßchen, benannt nach der Familie [intern]Lottner, hat sich längst zur Lottenstraße ausgewachsen.

Lottenstraße

Niederstraße

Der Name der Niederstraße ergab sich wohl aus ihrer Lage in der Rheinniederung.

Niederstraße

Parkstraße

Die Parkstraße, für einige Jahrzehnte in den Heerweg einbezogen, erhielt 2000 ihren ursprünglichen Namen zurück. Sie führt am Marienburgpark vorbei.

Parkstraße

Poetengasse

Für die Bezeichnung „Poetengasse“ gibt es zwei populäre Erklärungsversuche:

  • Der Name könnte vom einstigen Schulbetrieb herrühren, denn „Puten“ wurden in der Mundart scherzes- oder schimpfeshalber die Kinder genannt; so Fritz Hinrichs in seinen „Monheimer Kulturbildern“ (S. 124).
  • Andere Interpreten sehen eher eine Ableitung von lateinisch „puteus“, was sich mit [intern]„Brunnen“, mundartlich „Pütz“, übersetzen ließe. Über den Bau eines Brunnens in der „powetegassen“ anno 1794 berichtet Rudolf Pohlmann in Heft 6 (1983/84) der Zeitschrift „Niederwupper – Historische Beiträge“.

Zu denken gibt jedoch, dass eine „Potengasse“ bereits im Zeitraum 1620 bis 1626 genannt ist (Rheinischer Städteatlas: Monheim, Köln 2015, S. 7). Der Name reicht also weit in die Zeit vor dem Brunnenbau zurück. Eine [intern]Schule gab es im ersten Viertel des 17. Jahrhunderts zwar schon, aber wohl noch nicht in der „Putengasse“. Auch in dieser Hinsicht ist der Name älter als der angebliche Grund der Benennung.

Poetengasse

Schildgesgasse

Die Schildgesgasse bewahrt in verballhornter Form das untergegangene Schillingsgut.

Schildgesgasse

Schleiderweg

Am Schleiderweg liegt der gleichnamige Hof.

Schleiderweg

Schulstraße

Die Schulstraße trägt seit 1945 den Zusatz „Alte“. Das [intern]Schulgebäude westlich des ehemaligen Krankenhaus-Gebäudes ist längst verschwunden.

Alte Schulstraße

Steinweg

Diese Bezeichnung sei schon 1335 urkundlich belegt, schreibt Theodor Prömpeler in der „Geschichte der ehemaligen Freiheit Monheim“ (S. 32). Später sei der Name „Auf der Freiheit“ aufgekommen. Als wahrscheinlich erste innerörtliche Straße erhielt der Steinweg 1898 eine Pflasterung. 1933 wurde er in Freiheit umbenannt.

Freiheit

Thelenstraße

In Blee befand sich die Thelenstraße, benannt nach einem Pächter Telen oder Thelen, der dort einen Bauernhof bewirtschaftete. Der Name ist nach 1937 nicht mehr nachweisbar.

Industriestraße

Turmstraße

Beginnt an Monheims bekanntestem Wahrzeichen, dem [intern]Schelmenturm.

Turmstraße

Das Adressbuch von 1911 zählte ferner drei Straßen auf, die einen kleinen, aber bedeutsamen Ortsteil bildeten: den Katzberg, der 1938 nach Langenfeld eingemeindet wurde. Hier befand sich seit 1845 der Bahnhof der Köln-Mindener Eisenbahn. Die Station lag auf Monheimer Territorium, hieß aber „Langenfeld“. Zu den Zügen gelangte man über die Bahnhofstraße. Die Poststraße – wohlgemerkt, die in Katzberg – deutete auf eine weitere wichtige öffentliche Einrichtung hin. Dritte Verbindung zu dieser Monheimer Exklave war die Hitdorfer Straße.

Älteste Baumberger Straßennamen

Die ältesten Baumberger Straßennamen waren: Berghausener Straße (damalige Schreibweise: Berghauserstraße), Garather Weg, Griesstraße, Hamberg, Hauptstraße, Haus Bürgel, Im Sträßchen, Klappertorstraße, Knipprather Straße, Kreuzstraße, Leienstraße, Monheimer Straße, Rheinstraße, Schallenstraße, Schwanenstraße, Thomasstraße, Verresberger Straße, Wannesstraße, Wolfhagener Straße.

Adressbuch 1911 Bedeutung Heutiger Name

Berghauserstraße

Stellt Verbindung zu Nachbarort her.

[intern]Berghausener Straße

[intern]Garather Weg

Stellt Verbindung zu Nachbarort her.

Garather Weg

Griesstraße

Geht auf eine Flurbezeichnung zurück. Die Griesstraße hat durchaus etwas mit dem Brei zu tun, folgt man dem evangelischen Pfarrer Johann Berghöfer aus Immigrath, der in den 1920er-Jahren das Heftchen „Orts- und Flurnamen der Gemeinde Richrath-Reusrath“ veröffentlichte: „Die Grundbedeutung ist: Zerkleinertes, Kies, Steingeröll, Staub. Grütze und Grieß haben noch den alten Namen bewahrt. Grieße sind unfruchbares Gebiet, Lagerungen von Kiesgeröll und Steinen.“

Griesstraße

Hamberg

Leitet sich von der erhöhten Lage an der Baumberger Aue ab und von „Hamm“, womit „wasserreiches Gebiet“ gemeint ist.

Hamberg

Hauptstraße

Die Hauptstraße durch das Dorf, ehemals auch einfach Dorfstraße genannt.

Hauptstraße

[intern]Haus Bürgel

Mehr eine Orts- als eine Straßenbennung. Die Adresse „Haus Bürgel“ galt ausschließlich für die im ehemaligen Römerkastell ansässigen Personen, zumeist Betreiber und Beschäftigte der dortigen Landwirtschaft.

[intern][Urdenbacher Weg]

Im Sträßchen

Verweist darauf, dass die Straße ursprünglich sehr klein oder schmal war.

Im Sträßchen

Klappertorstraße

Klappertorstraße kann man nach Angaben von Fritz Hinrichs („Von der alten Freiheit zur jungen Industriestadt“, 1962) wörtlich nehmen: „An dieser Stelle verschloss ein Tor den zum Rhein führenden Weg. Weil es von selbst zuschlug oder klapperte, sprachen die Dorfbewohner vom ,Klapp-‘ oder ,Klappertor‘.“

Klappertorstraße

Knipprather Straße

Stellt Verbindung mit dem Knipprather Wald her. Später war „Knipprather Weg“ gebräuchlich. Um Verwechslungen mit Monheim zu vermeiden, erfolgte 1952 die Umbenennung in Sandstraße.

Sandstraße

Kreuzstraße

Verdankt ihren Namen einem Wegekreuz. An der Ecke Thomasstraße / Leienstraße, am früheren Bauernhof Borkott, steht bis heute ein Kreuz von 1903 („Im Kreuz ist Heil“).

Kreuzstraße

Leienstraße

An wen die Leienstraße erinnert, klärte 1991 der Baumberger Heimatforscher Heinrich Kirberg auf. Es ist der Landwirt Peter von der Leyen, der 1729 unter anderem eine Glocke für die damalige Kapelle stiftete. In den gleichen Zusammenhang gehört der 1988 vergebene Name „Altleienhof“ in der Nähe der Leienstraße.

Leienstraße

Monheimer Straße

Stellt Verbindung zu Nachbarort her.

Monheimer Straße

Rheinstraße

Bei der Rheinstraße von 1911 handelt es sich um die heutige Deichstraße. Zum Namenswechsel kam es 1961, weil es in Hitdorf ebenfalls eine Rheinstraße gab. Das heutige „Rheinsträßchen“ wurde erst 1983 benannt.

Deichstraße

Schallenstraße

Was sich hinter der Schallenstraße verbirgt, die auf die gleichnamige Flurbezeichnung zurückgeht, konnte nicht geklärt werden.

Schallenstraße

Schwanenstraße

Bei der Schwanenstraße hilft abermals Pfarrer Berghöfer weiter: „Wurde bezeichnet, dass eine Rodung ohne Auswerfen der Baumstöcke stattgefunden hatte, so sprach man von einer Schwendung und bezeichnete den Ort danach als Schwand oder Schwend.“ Daraus wurde verballhornt ein „Schwan“, der keiner ist.

Schwanenstraße

Thomasstraße

Wer Namenspatron für die Thomasstraße war, ist nicht eindeutig feststellbar. Möglicherweise war es der Apostel Thomas oder Thomas von Aquin oder Thomas von Kempen – es könnte aber auch eine alteingesessene Baumberger Familie dieses Namens gewesen sein.

Thomasstraße

Verresberger Straße Der Name geht auf einen ehemaligen Besitzer des Verresberger Hofs zurück, auf Heinrich von Varresberg (Varnesberg?), der aus Varresbeck stammte, dem heutigen Wuppertaler Stadtteil. Der Hof, dessen früheste Erwähnung aus dem Jahr 1332 stammt, wurde 1964 abgerissen. Verresberger Straße
Wannesstraße Im Bereich der Wannesstraße könnte in früheren Zeiten eine Schwinge oder Wanne gestanden haben, in der das Getreide nach der Ernte gereinigt und gesiebt wurde. Wannesstraße
[intern]Wolfhagener Straße Stellt Verbindung zu Nachbarort her. Wolfhagener Straße

Umbenennungen im Dritten Reich

Straßennamen verkünden ihre Botschaft an jeder Ecke. Das machten sich die Nationalsozialisten zunutze, die im „Dritten Reich“ zahlreichen Straßen ihre vertrauten Bezeichnungen nahmen. Die Straßenschilder wurden in den Dienst der NS-Propaganda gestellt. Nach Nazi-Größen wie Hitler, Goebbels und Göring wurden mehrere Straßen benannt, andere nach zu Legenden verklärten Ereignissen.

Vor allem über Monheim ergoss sich die braune Namensflut. Auf Antrag der NSDAP-Fraktion wurde 1933 die Bezeichnung „Hitlereiche“ eingeführt. Nach Fertigstellung des neuen [intern]Rathauses wurde sie 1938 gegen „Adolf-Hitler-Platz“ ausgetauscht. In Baumberg hieß der Kirmesplatz zwischen Kreuz- und Thomasstraße ab 1933 „Hitlerplatz“ – soweit feststellbar, war das in diesem Ortsteil die einzige Umbenennung. Die bereits beschlossene Änderung weiterer Baumberger Straßennamen wurde 1939 gestoppt. Der Reichsinnenminister hatte angeordnet, Straßen nicht mehr nach lebenden Personen zu benennen.

Für Propagandaminister Joseph Goebbels musste die Schulstraße herhalten (1945 umbenannt in Alte Schulstraße), die Hitdorfer Straße im Ortsteil Katzberg für den Luftfahrtminister und späteren „Reichsmarschall“ Hermann Göring. Der Steinweg wurde 1933 in „Freiheit“ umbenannt. Damit wurde wohl nicht nur der Erhebung Monheims zur Freiheit im frühen 15. Jahrhundert Reverenz erwiesen, sondern auch der Anspruch erhoben, das neue Regime achte die politischen und bürgerlichen Freiheitsrechte.

Was die Nazis im Schilde führten, ließ sich auch aus Bezeichnungen wie „Langemarkplatz“ und „Tannenbergstraße“ (beide Monheim) schließen. Die Erinnerung an Schlachten des Ersten Weltkriegs diente der Einstimmung auf den Zweiten. Der „Langemarkplatz“ heißt wieder [intern]Kradepohl und die „Tannenbergstraße“ Knipprather Straße.

Der SA-Mann Horst Wessel, 1930 in Berlin von einem Zuhälter angeschossen und an den Verletzungen gestorben, wurde Namenspatron der Lucasstraße, die seit 1925 nach Landrat Adolf Lucas benannt gewesen war. Hierbei handelt es sich um den jetzigen Rathausplatz. Ferner gab es eine „Jodokus-Kehrer-Straße“. Der SA-Mann Kehrer hatte im Mai 1932 in Wermelskirchen bei einem Überfall durch Kommunisten einen tödlichen Kopfschuss erlitten und galt deshalb ebenfalls als „Blutzeuge der Bewegung“. Nach Kriegsende wurde daraus der Brückenschleeweg und aus der angrenzenden „Straße der SA“ die Zaunswinkelstraße.

Neue Wohngebiete, neue Straßen

Mit der Verleihung der [intern]Stadtrechte 1960 wurde die Ablösung dörflicher Strukturen offenkundig. Das Verkehrsnetz dehnte sich rasch aus. Abseits der alten Ortskerne entstanden neue Wohngebiete auf bis dahin landwirtschaftlichen Flächen. Für die zur Erschließung notwendigen Straßen und Wege mussten Bezeichnungen her. Die politischen Gremien vergaben sie in jenen Jahren geradezu wie am Fließband. Für ganze Siedlungen wurden Namensfelder gebildet.

Die neue Praxis der Namensvergabe lässt sich erstmals 1959 an den Protokollen von Bauausschuss und Rat ablesen. So beginnt mit Wachtel- und Schwalbenstraße die Bebauung weiter Teile des [intern]Sandbergs. Die Vogelschar bekam im Laufe der Jahre reichlich Zuwachs, zuletzt 1989 mit dem Starenweg.

Das [intern]Musikanten-Viertel findet ebenfalls 1959 seinen Auftakt mit Bach, Beethoven, Liszt, Mozart, Schubert und Schumann. Damals sprach man auch gern von der „Hollandsiedlung“, denn die Reihenhäuser wurden von einer niederländischen Fertigbaufirma errichtet.

Zeitgeist spricht aus den Namen, die für den Ortsteil Zaunswinkel beschlossen wurden: Königsberger, Memel- und Tilsiter Straße wurden 1959 eingeführt, im Jahr darauf Posener und Stettiner Straße sowie 1961 Danziger und Allensteiner Straße. Während des „Kalten Kriegs“ war die Erinnerung an Städte im ehemaligen deutschen Osten politisch gewollt.

Tiere sind immer wieder beliebte Namensgeber. So wurde die neue Siedlung „Monheim Ost“ am Knipprather Wald 1963 in Dachsbau, Fuchspfad, Igelweg, Iltisstraße, Marderstraße und Rehwechsel unterteilt. Im selben Jahr entstand in [intern]Baumberg das Philosophenviertel: Fichte, Hegel, Humboldt (gemeint ist hier nicht wie bei der früheren Schule Alexander von Humboldt, sondern sein Bruder Wilhelm!), Kant, Leibniz, Schlegel und Schopenhauer trifft man dort an jeder Ecke. Ebenso in Baumberg erhielten 1966 Widerständler gegen das „Dritte Reich“ nach ihnen benannte Straßen: Geschwister Scholl, Julius Leber, Stauffenberg, Wilhelm Leuschner.

Der Berliner Ring, 1966 aus der Taufe gehoben, gibt mittlerweile einem ganzen Stadtteil den Namen. In der Sprache der Planer hieß er schlicht „Monheim Süd“, die Bezeichnung [intern]„Berliner Viertel“ kam erst 1988 auf. Berliner Bezirke, mit der Geschichte der Stadt verbundene Persönlichkeiten sowie Orte und Landschaften aus dem Berliner Umland waren die Quellen, aus denen umfangreiche Namenslisten geschöpft wurden.

Eine andere Stadt wurde gleichfalls prägend für einen kompletten Stadtteil: Wiener Neustadt, Monheims erste Partnerstadt. 1973 wurden 14 Namen mit österreichischem Bezug dem in Baumberg entstehenden [intern]Wohngebiet zugeordnet.

Komponisten, Künstler, Dichter

Was den Komponisten schon 1959 recht war, ist den Künstlern seit 1974 billig. Ein nach Malern benanntes Wohnquartier wurde zwischen Knipprather und Niederstraße erschlossen. Verewigt ist hier auch [intern]August Deusser, der von 1906 bis 1912 im „Deusser-Haus“ gegenüber der Marienkapelle lebte.

Ziemlich kurz kommen im Monheimer Stadtplan hingegen die Schriftsteller. Es gibt (oder gab) zwar nach [intern]Heine, [intern]Körner, Fontane, Hermann Löns, Nelly Sachs, Anna Seghers und Ricarda Huch benannte Straßen, doch liegen sie nicht vereint in einem Dichter-Viertel, sondern verstreut über das Stadtgebiet.

Quellen

Stadtarchiv Monheim am Rhein: Akten Nr. 13, 55, 677, 728, 772, 1291, 1328, 1388, 1470, 1481, 1760, 204; Kleine Sammlung Nr. 78 (Adressbuch für den unteren Landkreis Solingen, [1911]); Zeitungsausschnitt-Sammlung 133-20

Berghöfer, Johann: Orts- und Flurnamen der Gemeinde Richrath-Reusrath, Opladen [1920er-Jahre].

Hinrichs, Fritz: Geschichte der Monheimer Höfe, Monheim 1959.

Hinrichs, Fritz: Monheim. Von der alten Freiheit zur jungen Industriestadt, Selbstverlag der Stadt Monheim, Monheim 1962.

Hinrichs, Fritz: Monheimer Kulturbilder aus Geschichte und Gegenwart, Selbstverlag der Stadt Monheim, Monheim 1971.

Rheinischer Städteatlas (Lieferung XX, Nr. 101): Monheim, bearbeitet von Elfi Pracht-Jörns, Böhlau Verlag, Köln 2015.

Letzte Änderung: 26. Juli 2017

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