Monheim-Lexikon: Licht

Dunkel war’s im alten Monheim – nur der Mond schien helle

Die nächtliche Beleuchtung von Straßen und Wegen ist heute eine Selbstverständlichkeit. Rund 4500 Laternen – jeweils im Abstand von 25 Metern – verbreiten im Stadtgebiet Helligkeit und damit Sicherheit. Stockfinster war es hingegen im alten Monheim. Nur der Mond spendete dann und wann sein mildes Licht. Und der Nachtwächter, der regelmäßig seine Runde machte, hatte nur eine Handlaterne, wenn er dunkle Ecken oder dunkle Gestalten überprüfte.

Im Jahre 1883 wollte der Gemeinderat freilich nicht länger im Dunkeln tappen und beschloss den Kauf von Straßenlaternen. Am 3. November 1883 stand das Thema auf der Tagesordnung obenan. Beigeordneter Theodor Grein schlug laut Protokoll vor, „im hiesigen Orte etwa zwölf Straßenlaternen anzuschaffen“. Doch die Ratsherren zögerten – erst müsse „der ungefähre Betrag der Kosten festgestellt“ werden.

Schon vier Tage später, am 7. November 1883, sprachen sie dann ihr „Es werde Licht“. Für den Anfang sollten nur die „Hauptverkehrswege“ mit Lampen bestückt werden. „Im Interesse der Sittlichkeit und auch wegen der Begünstigung des Verkehres auf den Straßen während der Dunkelheit“ sei dies „sehr zweckmäßig“.

Der Rat beschloss weiter, die Laternen nicht aus der Kommunalkasse zu bezahlen, denn die „auswärtigen Gemeinde-Insassen“ hätten von der Beleuchtung „nur sehr wenig Nutzen“. Deshalb müssten die Anlieger der beleuchteten Straßen im Ortskern in die eigene Tasche greifen. Für die Unterhaltungskosten wolle dann die Gemeinde aufkommen, „womit sich namentlich die außerhalb von Monheim wohnenden Mitglieder des Gemeinderats vollständig einverstanden erklärten“.

Strengste Sparsamkeit spricht aus dem letzten Teil der Niederschrift: „Die Anzahl der Laternen wurde vorläufig auf zwölf bestimmt und dabei bemerkt, dass dieselben nicht bei Vollmond und auch nicht die Sommermonate hindurch brennen sollten“. In Betrieb sollten sie überhaupt nur in der Zeit von frühestens 17.30 bis 22 Uhr sein. Zu späterer Stunde hatte ein rechtschaffener Bürger auf der Straße wohl nichts mehr zu suchen. Und wenn doch, musste er sich wie bisher mit einer Hand- oder Stocklaterne oder gar mit einer Fackel behelfen.

Am 14. Januar 1888 befasste sich der Gemeinderat mit „Besorgung und Unterhaltung einer Laterne auf der oberen Grabenstraße an der Wohnung des Herrn v[om] Berg“. Das Gremium beschloss die Übernahme der Kosten für Petroleum, Anzünden und Auslöschen für insgesamt vier Laternen, „falls dieselben auf Kosten der Bewohner der betreffenden Straßen angeschafft würden, nämlich: auf dem oberen Graben in der Nähe von Baur, im Drehwang, auf der Poetengasse [und] in der Kapellenstraße bei der Gärtnerei Vieth.“

In Baumberg wurde die erste Straßenbeleuchtung Ende Oktober 1901 eingeführt. Sie wird nicht allzu prächtig gewesen sein, wie noch eine Notiz aus dem Baumberger Gemeinderatsprotokoll vom 2. Dezember 1919 erhellt: „Die Verresbergerstraße ist sehr schlecht in Ordnung; dort, sowie an der Rheinstraße und am Hamberg soll je eine neue Laterne angebracht werden.“

Der Nachtwächter stieg auf die Leiter

In den Ratsprotokollen ist nicht vermerkt, mit welcher Energie die Außenbeleuchtung gespeist wurde. Strom kann es anfangs nicht gewesen sein, denn Monheim wurde erst 1903 ans Elektrizitätsnetz angeschlossen. Der alte Monheimer und zeitweilige Amtsbürgermeister Heinrich Süß (1882–1958) berichtete kurz vor seinem Tod über die Anfänge der Straßenbeleuchtung: „Damals war es so, dass nur an den Straßenecken eine große Petroleumlaterne stand, die der Nachtwächter mittels einer Leiter anzuzünden und ebenso des morgens wieder zu löschen hatte.“

Am 28. Dezember 1883 hatte der Gemeinderat denn auch „dem hiesigen Nachtwächter für Anzünden, Auslöschen und Reinigen der Laternen für jeden Beleuchtungstag eine Vergütung von 50 Pfennig“ bewilligt. Spärlich erhellt waren einst nicht nur die Straßen, auch in den Häusern und Wohnungen sah man nach Sonnenuntergang kaum die Hand vor Augen. Darüber schrieb Heinrich Süß:

„In jedem Haus gab es Petroleumlampen, daneben als Ersatz für Kerzen [bis ins 19. Jahrhundert ein Luxusartikel] eine sogenannte Ölfunzel. Die Beleuchtung war schlecht und ungesund.“ In den „Funzeln“ verbrannte pflanzliches Öl, das etwa aus Raps, Rübsamen, Flachs oder Sonnenblumenkernen gewonnen wurde.

Heinrich Süß berichtete weiter: „Als jedoch im Jahre 1903 die elektrische Beleuchtung eingeführt wurde, war das Licht viele Jahre hindurch auch nicht besser, bis später die Osram-Lampe die Beleuchtung entscheidend verbesserte. Das erste elektrische Licht hatte übrigens die Firma Pötz & Sand, die seit dem Jahre 1896 den Strom selbst erzeugte.“ (Die Süß-Zitate wurden entnommen: Alt-Monheimer Dokumente, Lieder, Gedichte und Geschichten; herausgegeben von Karl König, Verlag Jean König, Monheim 1989.)

Nach dem Zweiten Weltkrieg musste die Straßenbeleuchtung mit zunehmender Bautätigkeit und steigendem Verkehrsaufkommen Schritt halten. Im Versorgungsgebiet des Elekritizitätswerks der Gemeinde Monheim seien 280 Straßenlampen installiert, berichtete Amtsdirektor [intern]Hugo Goebel am 19. August 1953 im Gemeinderat und kündigte die Anbringung von vierzig weiteren Lampen an. „Der derzeitige Stand liegt mit 250 Prozent über dem Friedensstand“, hielt das Ratsprotokoll fest.

Zuletzt geändert: 22. August 2016

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