Monheim-Lexikon: Deusser, August

Ein Maler gab dem Deusser-Haus seinen Namen

Das denkmalgeschützte Deusser-Haus (An d’r Kapell 2) ist benannt nach dem Maler August Deusser (1870–1942). Auf der Suche nach einem ruhigen Platz zum Arbeiten kam Deusser 1906 nach Monheim. Mit Frau und Kind bezog er das „Haus am Strom“, wie es damals genannt wurde. Erbaut worden war es um 1848 als Herrenhaus des „Hofs in dem Zwickel“.

Zu der Villa gehörte ein riesiger Garten, der sich bis zur heutigen Krischerstraße erstreckte. Garten und nähere Umgebung lieferten Deusser immer wieder Motive. Mit Bleistift zeichnete er die Marienkapelle, eine Vorstudie zu dem Gemälde „Kleine Kapelle“. Im Garten malte Deusser Blumen, Beete und Wege. Unter dem lakonischen Titel „Monheim, um 1912“ gibt es eine Ansicht der damaligen Krautfabrik Gethmann (heute [extern]Sojus 7).

Der Künstler bezeichnete seine Monheimer Zeit später als „glücklichste meines Lebens“. Dem früheren Hausherrn widmet der Heimatbund denn auch ein Kapitel in seiner Heimatkundlichen Sammlung, die er seit 1985 im [extern]Deusser-Haus zeigt (geöffnet sonntags 11 bis 13 Uhr, Eintritt frei). Zum Fundus gehören Deussers Gemälde „Abgesessen“ „Einsamer Reiter“ „Pflügender Bauer“, „Mittelrheinische Landschaft“ und „Der Bahnhof in Langenfeld“.

Den Angaben der Kinder zufolge konnte Deusser „die Zerstörung seines ländlichen Friedens nicht ertragen“ als „Industrie von dem Ort Monheim Besitz ergriff“. Es waren die Mineralölwerke Rhenania, nachmals Shell, die zu jener Zeit mit dem Bau ihrer Raffinerie am Rheinufer begannen. Im Melderegister ist für den 7. November 1912 der Fortzug der Familie Deusser vermerkt. Sie übersiedelte nach Wiesbaden.

Von einer schweren Gallenoperation 1922 hat sich August Deusser nie wieder richtig erholt, ab 1930/31 konnte er nicht mehr malen. Er starb 1942 in Konstanz. Sein Nachlass gelangte in die Schweiz. Im [extern]Schloss Bad Zurzach werden seine Bilder seit 1978 in einem eigens eingerichteten Museum gezeigt.

Den „Sonderbund“ mitgegründet

Mit August Deussers Namen eng verbunden ist der [extern]„Sonderbund“, den er 1909 gemeinsam mit Malerkollegen in Düsseldorf ins Leben rief und der bis 1915 bestand. Mit einer „Sonder-Ausstellung“ waren die Künstlerfreunde bereits im Mai 1908, also während Deussers Monheimer Zeit, an die Öffentlichkeit getreten. Sie wollten fortschrittlichen Positionen in der Kunst ein Forum schaffen, offen auch für den Impressionismus, dem sich Deusser zugewandt hatte.

Die zweite und dritte „Sonder-Ausstellung“ brachte 1910 und 1911 nicht nur Werke deutscher, sondern auch französischer Künstler. Das erregte den Unwillen konservativer Kreise. Unter dem Titel „Ein Protest deutscher Künstler“ erschien eine Broschüre gegen die angebliche „Überfremdung“ von Kunstmarkt und Museen und für die Förderung einer „nationalen Kunst“. Zwar erschien zur Verteidigung des Sonderbunds und seiner Ausstellungen umgehend eine Erwiderung („Im Kampf um die Kunst – Die Antwort auf den ‚Protest deutscher Künstler‘“), doch verweigerte sich die Stadt Düsseldorf einer vierten Ausstellung.

Der Sonderbund wich nach Köln aus. Dort zeigte er 1912 „eine der spektakulärsten Ausstellungen des 20. Jahrhunderts“, so Klara Drenker-Nagels, Herausgeberin des Bandes „August Deusser – Leben und Werk“ (1995). Die „sensationelle Schau“ wartete mit klangvollen Namen auf: Van Gogh, Cézanne, Gaugin und Munch wurden als „Väter der Moderne“ vorgestellt, hinzu kamen Werke fast aller aktuellen europäischen Kunstrichtungen – insgesamt 634 Arbeiten. In einer eigenen Abteilung waren 24 Bilder Deussers zu sehen.

Nach hundert Jahren wurde unter dem Titel „Mission Moderne“ eine weitgehende Rekonstruktion der Sonderbund-Ausstellung von August bis Dezember 2012 wiederum in Köln zu sehen.

Quellen

August Deusser. Leben und Werk, herausgegeben von Klara Drenker-Nagels, Wienand Verlag, Köln 1995.

1912. Mission Moderne – Die Jahrhundertschau des Sonderbundes, herausgegeben von Barbara Schaefer, Wienand Verlag, Köln 2012.

Letzte Änderung: 12. April 2013

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