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Monheim-Lexikon: Sandberg
Wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagten
Die Monheimer sind Flachlandbewohner. Die Höhenlage des Stadtgebiets bewegt sich zwischen 35 und 45 Meter über Normalnull. Die Ortsbezeichnung „Sandberg“ sollte daher nicht allzu große Erwartungen wecken.
Immerhin: Wer das Viertel aus Richtung Stadtmitte erreichen will, hat eine merkliche Steigung zu überwinden. Der Sandberg war früher eine heideartige Landschaft, in der sich Fuchs und Hase gute Nacht sagten. Weit ab vom Ortskern verloren sich einzelne Häuser und Gehöfte in den weiten Flächen zum Knipprather Wald hin.
Bild: Noch viel Platz war auf dem Sandberg, als 1967 diese Aufnahme entstand. Siedlungs- und Schulbau haben bereits Besitz von dem Gebiet ergriffen. Zu sehen ist die Falkenstraße aus Richtung Habichtstraße. (Foto: Karl-Heinz Pohlmann / Stadtarchiv)
Der alte Monheimer und zeitweilige Amtsbürgermeister Heinrich Süß (1882–1958) hielt kurz vor seinem Tod Erinnerungen fest. Er schrieb: „Ein kleiner Vorflecken von Monheim war der Sandberg mit dem ‚Steene Krüx’, dem Steinernen Kreuz. Von diesem Kreuz bis ins eigentliche Monheim stand nur ein Haus, in welchem sich eine Korbmacherei befand.“ (Abgedruckt in: Alt-Monheimer Dokumente, Lieder, Gedichte und Geschichten; herausgegeben von Karl König, Verlag Jean König, Monheim 1989)
Das Wegekreuz ist auch als „Sandbergkreuz“ bekannt und stand, aus Richtung Langenfeld betrachtet, zunächst an der Opladener Straße kurz vor der Einmündung Gartzenweg. Alte Monheimer erinnern sich zudem an eine mächtige Linde, die das Kreuz beschirmte. 1959 wurde die Opladener Straße ausgebaut und das Kreuz in die Einfahrt der damaligen BP-Tankstelle versetzt. Als dann die Schwalbenstraße entstand, gelangte das Kreuz in den Abzweig der neuen Straße.
Die Fahrbahn wurde in den 1980er-Jahren begradigt; das Kreuz musste abermals umziehen zum jetzigen Standort an der Schwalbenstraße / Ecke Hasenstraße. Die Ursprünge des Prozessionskreuzes lassen sich bis ins Jahr 1711 zurückverfolgen, als es von Franz Arenschloß und Petronella Fochs erneuert worden war.
Das Ende der Abgeschiedenheit
Mit der Abgeschiedenheit des Sandbergs ging es in den 1950er-Jahren zu Ende, als große Wohngebiete ausgewiesen wurden. Einige der ersten Baugruben taten sich an der Hasenstraße auf. Den Namen vergab der Bauausschuss der Gemeinde Monheim am 4. Juni 1957. Bei der Benennung der Straßen im Monheimer Osten blieb man überhaupt naturverbunden und erwählte Wald und Bäume sowie Tiere zu Namenspatronen. Dabei zeigten die zuständigen Gremien eine Vorliebe für Vögel. Davon zeugt nicht nur die Schwalbenstraße (benannt 1959), sondern auch Reiherstraße, Kranichstraße und Gänseweg (alle 1963), Habicht- und Falkenstraße (1964), Lerchenweg (1971) und andere mehr.
Nicht nur Wohnhäuser wurden gebaut. An der Falkenstraße entstand ein Schulzentrum, das 1967 eröffnet und seither mehrmals erweitert wurde. Erbittert war darum gestritten worden, ob die neue Schule konfessionell ausgerichtet oder als Gemeinschaftsschule geführt werden sollte. Die Eltern entschieden sich mit klarer Mehrheit für letzteres. Heute sind in den Gebäuden die Peter-Ustinov-Gesamtschule und die Ganztags-Grundschule am Lerchenweg untergebracht.
Filialkirche, Sparkasse, Hallenbad
Die katholische Pfarrgemeinde St. Gereon errichtete an der Hasenstraße die Filialkirche St. Ursula. Der Pavillonbau wurde ebenfalls 1967 eingeweiht und war eigentlich als Provisorium gedacht. Es hielt 39 Jahre. Doch jetzt sind seine Tage gezählt. Die Pfarrgemeinde will aus finanziellen Gründen den Abriss. Und auch die Stadt-Sparkasse feierte 1967 an der Hasenstraße Neueröffnung. An der Ecke Schwalbenstraße richtete sie eine Zweigstelle ein. 1995 wurde sie geschlossen.
An der Hasenstraße liegt zudem der jüdische Friedhof. Er bestand möglicherweise schon im 17. Jahrhundert, die letzte Beerdigung war 1960. Seit 1969 ist er als Gedenkstätte hergerichtet. Am 8. November 1938, als bereits einen Tag vor der Reichspogromnacht, wurde der Friedhof von Nazis geschändet.
Am Sandberg, an der Schwalbenstraße 18, stand auch das erste Monheimer Schwimmbad. Mit einem Köpper in voller Montur vom Drei-Meter-Brett zog Stadtbaudirektor Heinz Neubauer (60) bei der Eröffnung des Hallenbads am 27. Februar 1971 alle Blicke auf sich. Weitere Attraktion war ein Schwimmwettkampf zwischen Rat und Verwaltung, den letztere für sich entschied.
Hallen- und Freibad, die nach Saison wechselweise öffneten, sind inzwischen Geschichte. Das Hallenbad, 1986 noch um eine Wasserrutsche erweitert, wurde im Juli 1998 geschlossen und danach abgerissen. Heute stehen auf dem Gelände Wohnhäuser.
Letzte Änderung: 11. Juni 2007