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Monheim-Lexikon: Kradepohl

Eine rätselhafte Eiche auf dem „Neumarkt“

Der Platz zwischen Graben- und Drehwanstraße entstand auf dem Rest des verlandeten Festungsgrabens, der um 1853 noch als Feuerlöschteich genutzt wurde. Jene Zeiten leben im Namen „Kradepohl“ (= Krötenpfuhl) fort.

Darauf bezieht sich auch der Brunnen, der 1973 von Anwohnern gestiftet wurde. Auf den Beckenrand setzten sie drei wasserspeiende Amphibien. Doch immer wieder wurden die Tierchen von Unbekannten beschädigt, ehe sie schließlich ganz verschwanden.

Repro: Kradepohl im Jahre 1906Bild: Als weitgehend freie Fläche präsentierte sich der Kradepohl im Jahre 1906, damals „Neumarkt“ genannt. Unklar ist, was es mit der „Centenareiche“ auf sich hatte. Im Hintergrund befindet sich die evangelische Kirche, ganz rechts die Grabenstraße mit dem Schelmenturm. (Repro: Stadtarchiv)

Seit August 2006 ist der alte Zustand wieder hergestellt. Rechtzeitig zum Schürefest platzierten die Altstadtfunken mit Unterstützung des Raiffeisen-Markts und befreundeter Handwerker drei neue Wasser-Frösche auf dem Beckenrand.

An der Ostseite des Kradepohls erinnert seit 1988 ein Mahnmal mit der Inschrift „Zum Gedenken an das Unrecht 1933–1945“ an die Opfer der Judenverfolgung im Dritten Reich. Die Plastik stammt von dem Baumberger Bildhauer Hans Schweizer (1925–2005).

Gromoka pflanzte vor dem ersten Weltkrieg Kastanien

Nicht mehr geläufig ist die auf der Bildkarte genannte Bezeichnung „Neumarkt“ – seinerzeit offenbar als Pendant zum Alten Markt auf der Turmstraße verwendet. Das Areal unterhalb der evangelischen Kirche wurde im Lauf der Zeit mehrmals umbenannt. Ab 1933 hieß es „Kradenpohl“, ab 1937 „Langemarkplatz“. 1945 wurde der Name „Neumarkt“ wieder eingeführt, später verliert sich seine Spur.

Die bis heute gültige Bezeichnung „Kradepohl“ wurde zweimal vergeben. Der Monheimer Gemeinderat folgte am 9. Juni 1953 einem Antrag der Altstadtfunken „auf Umbenennung des Platzes an der Dorfeiche“. Laut Protokoll wurde einstimmig beschlossen: „Der Platz um die Dorfeiche erhält seinen alten Namen ,Kradepohl‘. Die anliegenden Straßenzüge dagegen behalten ihre Namen und werden durch die Umbenennung in keiner Weise berührt.“ Dieser Beschluss war offenbar in Vergessenheit geraten, als der Rat den Namen am 28. Februar 1973 noch einmal vergab.

Die Bildunterschrift enthält einen weiteren merkwürdigen Begriff: „Centenareiche“. Warum der akkurat mit Staketen umzäunte Baum eine „Jahrhunderteiche“ sein soll, ist unklar. In einem vor dem ersten Weltkrieg erschienenen Pressebericht heißt es, die Große Monheimer Karnevalsgesellschaft habe den „Neumarkt“ mit Kastanien bepflanzen lassen und „weitere Mittel zur Anlage eines Rondells an der Zentenareiche bereit gestellt.“ Vermutlich sollte die Eiche an ein Ereignis erinnern, das sich zum 100. Mal jährte. Aber welches?

Die heute auf dem Kradepohl stehende Eiche ist nicht mehr die „Centenareiche“. Diese sei laut telefonischer Mitteilung (Juni 2009) von Wilhelm Pesch, dem stellvertretenden Vorsitzenden des Heimatbunds Monheim am Rhein, im Dritten Reich gefällt und durch eine „Hitler-Eiche“ am heutigen Rathausplatz ersetzt worden. 1948 sei dann am Kradepohl die jetzige Eiche gepflanzt worden.

Protestanten waren in der Minderheit

Die evangelische Kirche wurde 1858 unter Pfarrer Julius Ernst Moll eingeweiht. Die Protestanten bildeten lange eine deutliche Minderheit. Die Volkszählung am 1. Dezember 1900 ergab für Monheim 1592 Katholiken, 236 Protestanten und 25 Juden. In Baumberg war das Verhältnis noch eindeutiger: 1201 Katholiken und sieben (!) Protestanten.

Am rechten Bildrand ist gerade noch der Schelmenturm zu erkennen. Interessant auch die zweirädrigen Karren, die links neben der Eiche stehen. Mit solchen von Pferden gezogenen Vehikeln wurde vor rund hundert Jahren ein großer Teil des Straßenverkehrs bewältigt.

Schürefest und Traditionsbaum

Im Schatten der Eiche schlug 1928 die Geburtsstunde der Altstadtfunken. Dort feiern die „Freunde der Dorfeiche“ seit 1953 auch das Schürefest, zunächst im Turnus von fünf Jahren in der Scheune der Familie Rüttgers. 1967 wechselte man auf den Kradepohl. Die nächsten Schürefeste waren 1971 und 1974, dann blieb man bei einem vierjährigen Turnus. Das Schürefest des Jahres 1978 fand ausnahmsweise am Pfannenhof statt. 1988, zum sechzigjährigen Bestehen der Altstadtfunken, wurde ein Zusatzfest eingeschoben.

1992 wurde auf dem Kradepohl ein 16,5 Meter hoher „Traditionsbaum“ aufgestellt, an dem sich zahlreiche Brauchtumsvereine mit ihren Abzeichen verewigten. Nachdem der Holzmast morsch geworden war, wurde 2003 ein neuer errichtet.

Letzte Änderung: 15. Juli 2010


 
 
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