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Monheim-Lexikon: Karneval
Monnemer Fastelovend ist noch älter als die Gromoka
Ältester und größter Karnevalsverein im Stadtgebiet ist die Große Monheimer Karnevalsgesellschaft (Gromoka). Als deren Geburtsstunde muss man wohl eine "Volksversammlung" vom 19. Januar 1902 ansehen. Dabei wurde der Ziegelfabrikant Hubert Odenthal zum "Prinzen Karneval" gewählt, berichtete die Zeitung "Bote an Rhein und Niederwupper".
Zu den Mitbegründern der Gromoka zählte der Mundartdichter Wilhelm Gladbach. Er wurde zum ersten Präsidenten gewählt und ließ sich das bis heute verwendete Gromoka-Motto einfallen: "Su muss et sinn – mer dunt all met".
Bild: Mitunter geht es im Monheimer Karneval auch politisch zu. Beim Rosenmontagszug 1959 rollte dieser Papp-Panzer über die Grabenstraße (im Hintergrund die damalige Feuerwache). Angesprochen wird Verteidigungsminister Franz Josef Strauß, dem der militärkritische Roman "08/15" von Hans Hellmut Kirst missfiel. (Foto: Josef Greulich / Stadtarchiv)
Doch der Monnemer Fastelovend ist noch älter als die Gromoka. In den 1890er-Jahren sorgte bereits der Theaterverein "Humoristika" für Kurzweil, nicht nur zu Karneval. Und der Brauch, öffentliche Maskeraden und Mummenschanz aufzuführen, lässt sich im Rheinland bis in die frühe Neuzeit und ins Mittelalter zurückverfolgen.
Ausschweifungen verdrossen die Behörden
Dabei ging es oft hoch her, bis hin zu Ausschweifungen und Krawall. Entsprechend verpönt waren die Darbietungen bei der geistlichen und weltlichen Obrigkeit. Auch als in preußischer Zeit das Karnevalstreiben allenthalben in geordnete Vereinsbahnen gelenkt wurde, machten die Behörden nicht selten Auflagen oder erließen Verbote.
Doch beim ersten Monheimer Rosenmontagszug am 10. Februar 1902 blieb alles im Rahmen, was später sogar amtlich bescheinigt wurde: "Durch die allgemeine Beteiligung und die gute Sitte, die bei ihm bewahrt blieb, rief er große Anerkennung hervor", stellt ein 1910 erschienener Verwaltungsbericht der Bürgermeisterei Monheim fest.
Der Zug mit etwa 15 Wagen (von Pferden gezogen!) und Gruppen zu Fuß und auf Fahrrädern begann am Alten Markt, wo Prinz Hubert um 14.11 Uhr die Parade abnahm. Danach fuhren und marschierten die Jecken durch die Straßen des damals knapp 2000 Einwohner zählenden Orts.
20 Jahre ohne Rosenmontagszug
Bis 1908 wiederholte sich das Spektakel Jahr für Jahr, dann trat eine 20-jährige Unterbrechung ein. Erst 1928 formierte sich wieder ein Rosenmontagszug. Im selben Jahr erhielt die Narretei zusätzlichen Auftrieb durch die Gründung der Altstadtfunken. Die am Kradepohl beheimateten "Freunde der Dorfeiche" mischen seither nicht nur im Karneval mit (traditionelle Sitzung am Karnevalsdienstag), sondern feiern auch alle vier Jahre das Schürefest.
Doch der Aufschwung war nicht von langer Dauer. In den Krisenjahren 1931 und 1932 fiel der Rosenmontagszug abermals aus. Von 1933 bis 1939 wurde der jährliche Turnus eingehalten, dann stoppte der Zweite Weltkrieg das närrische Brauchtum. Nachdem auch die Währungsreform überstanden war, machte die Gromoka 1949 einen Neuanfang.
Baumberger haben ihren Veedelszoch
Seither unterblieb die Ankündigung "D'r Zoch kütt" nur zweimal: 1962, als in einem saarländischen Bergwerk bei einer Schlagwetter-Explosion 299 Kumpel ums Leben gekommen waren, und 1991 wegen des Kriegs am persischen Golf. 1990 kam der Zug mit einem Tag Verspätung, denn am Rosenmontag verhinderten Orkanböen den Abmarsch.
Seit 1992 haben die Baumberger ihren Veedelszoch, organisiert von dortigen Vereinen und Gruppen. Den Kinderkarnevalszug durch die Altstadt gab es schon vor dem zweiten Weltkrieg, in den Neunzigerjahren lebte er wieder auf. Wie in Baumberg zeigte sich in den letzten Jahren auch in anderen Stadtteilen ein Trend zu eigenen Veranstaltungen. So tragen die "Schwalbenjecke" das närrische Treiben seit 1989 auf den Sandberg und "kis – Karneval im Süden" seit 2003 nach Zaunswinkel und Blee.
Letzte Änderung: 27. Juli 2006