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Monheim-Lexikon: Bus und Bahn
Busse verkehrten anfangs nur in Baumberg
Mehr als ein halbes Jahrhundert war die elektrische Straßenbahn das wichtigste öffentliche Verkehrsmittel. 1908 rollten die ersten Wagen auf Schienen in Normalspur (= 1435 Millimeter) zwischen Monheim und Bahnhof Langenfeld, es folgten Trassen nach Hitdorf (1909), Baumberg (1911) und Rheindorf (1912).
Zuvor hatte es seit 1904 bereits die "Gleislose Bahn" gegeben, die von der Frohnstraße über die Chaussee zum Bahnhof Langenfeld und zurück zockelte. Das technische Kuriosum wurde nach vier Jahren aus dem Verkehr gezogen, weil die schweren Wagen die Fahrbahnbeläge ruinierten.

Bild: Endstation Baumberg, bitte umsteigen! Auf der Hauptstraße begegneten sich unterhalb der Kirche St. Dionysius, wie hier im Oktober 1955, die Buslinie 62 Richtung Benrath – Holthausen und die Straßenbahn nach Monheim. (Foto: Josef Greulich / Stadtarchiv)
Die goldenen Zeiten der Straßenbahn waren nach dem zweiten Weltkrieg alsbald vorbei. Das "Wirtschaftswunder" brachte eine bis dahin nicht gekannte Massenmotorisierung mit sich. Ein eigenes Auto war in den 1950er-Jahren für viele kein unerreichbarer Luxus mehr.
Die gute alte Tram bekam es rasch zu spüren. Die Fahrgastzahlen gingen zurück und – schlimmer noch – Gleisanlagen und Triebwagen galten in der "autogerechten Stadt" als Verkehrshindernis, das beseitigt werden müsse. Allenthalben wurden Strecken stillgelegt und auf Busbetrieb umgestellt.
Gärtnerei Holthausen wich dem Busbahnhof
Die letzte Monheimer Straßenbahn fuhr am 15. Juni 1963, nur der Gütertransport verblieb auf der Schiene. Schon 1962 hatte Stadtdirektor Hugo Goebel im Rat angekündigt, am Rathausplatz werde auf dem Gelände der ehemaligen Gärtnerei Holthausen ein Busbahnhof gebaut, an dem alle Linien beginnen und enden sollten.
Der großzügig bemessene Busbahnhof mit fünf Fahrspuren wurde im Juli 1964 eröffnet, etwa einen Monat nach dem Hochhaus an der Neustraße. Das leuchtend weiße, 43 Meter hohe Gebäude und die Drehscheibe für den Nahverkehr markierten fortan die neue Stadtmitte. Im März 1965 war dann auch am Nordrand des Busbahnhofs die Wartehalle fertiggestellt, in die 1969 noch ein Kiosk installiert wurde.
1986 rückten statt der Busse Bagger an. Busbahnhof und Wartehalle mussten das Feld für das Rathaus-Center räumen. Als dessen erster Bauabschnitt 1988 eingeweiht wurde, gab es östlich davon einen verkleinerten neuen Busbahnhof. Er liegt dort, wo zuzeiten des alten eine Rasenfläche war.
Mit der Linie 4 zur "Blauen Donau"
Das erste Busnetz war leicht zu überschauen: Die Linie 1 (Vorläuferin der heutigen 791) fuhr bis Langenfeld Stadtgarten, die 33 (heute 233) zum Leverkusener Bayerwerk und die 62 (heute 788) nach Düsseldorf-Benrath. Ferner gab es eine Linie 4 von Hitdorf über "Blaue Donau" nach Langenfeld. Überschaubar war 1963 auch der Fuhrpark der Bahnen der Stadt Monheim (BSM). Er bestand aus sechs Fahrzeugen, alle vom Hersteller Büssing. Partnerunternehmen der BSM waren von Anfang an die Rheinbahn (Linie 62) und die Wupsi (Kraftverkehr Wupper-Sieg, Linie 33).
Bild: Linie 1 nach Langenfeld – knapp zwei Monate nach Stilllegung der Straßenbahn wartet am 12. Mai 1963 ein „Büssing Senator“ (Wagen 3) am Rathausplatz auf die Abfahrt in die Nachbarstadt zur damaligen Endstation „Stadtgarten“. (Foto: Josef Greulich / Stadtarchiv)
Heute besteht der Wagenpark aus 31 Niederflur-Bussen (davon sechs Gelenkbusse). Um Kosten zu senken, werden Neufahrzeuge seit 2001 gemeinsam mit Verkehrsunternehmen im Ruhrgebiet beschafft. Die Busse der BSM legen jährlich rund 1,5 Millionen Kilometer zurück und befördern rund 6,7 Millionen Fahrgäste. Die BSM beschäftigen 95 Mitarbeiter, die meisten von ihnen sind im Fahrdienst tätig.
Sechs Linien sind in den Verkehrsverbund Rhein-Ruhr integriert, eine in den Verkehrsverbund Rhein-Sieg. Die Fahrpläne sind auf die S-Bahn Köln – Düsseldorf – Essen abgestimmt. An den Bahnhöfen Langenfeld und Düsseldorf-Hellerhof besteht Anschluss, in den Spitzenzeiten alle zehn Minuten. Das Streckennetz der BSM ist rund hundert Kilometer lang und führt bis nach Düsseldorf, Solingen und Leverkusen. Im Stadtgebiet gibt es rund hundert Haltestellen.
In den verklungenen Straßenbahn-Zeiten hatte es im heutigen Stadtgebiet nur in Baumberg auch Busverkehr gegeben. In den 1930er-Jahren besaß der Unternehmer Peter Schaffner aus Köln-Worringen eine Konzession für die Strecke Baumberg – Düsseldorf-Reisholz. Seit 1935 bemühte sich die Düsseldorfer Rheinbahn um die Übernahme der Verbindung. Verhandlungen scheiterten jedoch zumindest bis 1937 an den finanziellen Forderungen Schaffners. Wann erstmals ein Rheinbahn-Bus über den Urdenbacher Weg nach Baumberg hineinfuhr, wo die Fahrgäste in die Bahn nach Monheim umsteigen konnten, ist ungewiss.
Im April 1954 richteten die Städtischen Straßenbahnen Solingen und die Bahnen des Rhein-Wupper-Kreises eine Buslinie Solingen – Langenfeld – Baumberg ein. Sie brachte samstags und sonntags rheinbegeisterte Klingenstädter in 52 Minuten zur Fährstelle an der Klappertorstraße.
E-Lok Nr. 15 war über fünfzig Jahre im Einsatz
Während der schienengebundene Personenverkehr Vergangenheit ist, hat der Güterverkehr Gegenwart und Zukunft. Bleibende Erinnerung an die alten Zeiten ist die elektrische Lokomotive Nr. 15.
Im Juli 2001 trat sie ihre allerletzte Fahrt an. Aus eigener Kraft konnte sich die damals 73-jährige Maschine zwar nicht mehr fortbewegen, aber mit Hilfe von Kran und Tieflader schaffte sie die Strecke vom Betriebshof der Bahnen der Stadt Monheim bis zur Grünanlage zwischen Rathausplatz und Opladener Straße.
Bilder: Im Juli 2001 wurde die elektrische Lokomotive Nr. 15 am Rathausplatz aufgestellt. (Fotos: Torsten Schlender)
Bis 1979 war der 36,5 Tonnen schwere Zweiachser mit Güterzügen quer durch die Stadt unterwegs. Als auf Dieseltraktion umgestellt wurde, stellten die Bahnen die 1928 von der AEG gebaute E-Lok als Denkmal der Technik- und Verkehrsgeschichte vor dem Depot an der Daimlerstraße auf. Bei einer Restaurierung erhielt sie 1995 ihr ursprüngliches dunkelgrünes Farbkleid zurück.
So alt wie die Lokomotive ist der Kran am Monbag-See.
Letzte Änderung: 19. Juli 2010