Monheim-Lexikon: Zollstraße
Bergische Zollstätte, erste Apotheke und traditionsreiche Gastronomie
Kurz – kürzer – Zollstraße. Selbst die Kurzestraße (zwischen Steinstraße und Am Steg) ist länger. Die Zollstraße führt vom Kirchplatz vor St. Gereon zur Turmstraße hinunter. Das sind nur ein paar Schritte, und bei der Hausnummer 2 a ist Schluss. Aber auch eine kurze Straße kann eine lange Geschichte haben.
Hier stand die seit 1257 verbürgte Zollstätte, an der die Grafen und Herzöge von Berg im Mittelalter und in der frühen Neuzeit Land- und zeitweilig auch Rheinzoll erhoben. Der Rhein floss damals direkt unterhalb von St. Gereon vorbei. Nach 1590, als der Rhein sein Bett verlagert hatte und der alte Flussarm trockenfiel, wurde die Zollstätte auf das Werth (ein anderes Wort für Insel) verlagert, das rund 400 Meter westlich lag.

- Apotheken- und Gaststättengeschichte wurde an der Zollstraße geschrieben. Beim Fototermin im Oktober 1959 lief gerade der Umbau der alten Apotheke in ein Wohnhaus. Dahinter ragt der Turm von St. Gereon auf. An der Hauswand rechts wirbt ein Wegweiser für das „Restaurant Speck“. (Foto: Josef Greulich / Stadtarchiv)
Von Z wie Zoll bis A wie Apotheke. Das heutige Haus Zollstraße 1 beherbergte die älteste Monheimer Apotheke. Ihre Ursprünge liegen im Jahr 1804 am Alten Markt. Um 1830 war Johann Joseph Cremer Apotheker. Doch weitaus bekannter ist ein anderer Name. 1876 kam Johann Ludwig Proempeler, ein gebürtiger Aachener, aus Stadtkyll nach Monheim. Er begründete eine bis heute bestehende Familiendynastie. Auf Johann Ludwig Proempeler folgte 1920 sein Sohn Hubert, der zuvor die erste Langenfelder Apotheke geleitet hatte. Als der erste Proempeler die Apotheke übernahm, befand sie sich bereits im heutigen Haus Zollstraße 1.
1938 erfolgte die Verlegung von der Zollstraße 35 (!) zur Turmstraße 29 ins Haus des Gastwirts Bruno Menrath. Als Hubert Proempeler 1955 starb, trat dessen Sohn Theodor an seine Stelle. Noch im Übernahmejahr verlegte er das Geschäft zur Krischerstraße und gab ihm den Namen
„Rhein-Apotheke“. Auch Theodor Proempeler konnte den Betrieb an einen Sohn weitergeben. Seit 1993 ist – in vierter Generation – Georg Proempeler der Inhaber.
Der „alte Speck“ und andere Wirte
Als Bildarchivar Josef Greulich im Oktober 1959 in die Zollstraße blickte, war die Apotheke an dieser Stelle schon Geschichte. Sie wurde beim Fototermin gerade zu einem Wohnhaus umgebaut. Dahinter ragt der Turm von St. Gereon auf. Und noch ein Detail kam aufs Bild: Der Wegweiser zum „Restaurant Speck“ an der Hauswand rechts. Denn auch für die Gastronomie ist die Zollstraße eine bedeutsame Adresse.
Die Gaststätte „Im alten Zollhaus“ gehörte zu den ältesten im Stadtgebiet. Vom langjährigen Wirt Robert Speck, dem „alten Speck“, weiß Karl König im Buch „Zeiten einer Stadt“ zu berichten, jener habe das gastronomische Gewerbe mit dem Handwerk des Schmieds zu vereinen gewusst und seine Gäste mit Gesang und Lautenspiel unterhalten.
Der 1838 in Hitdorf geborene Speck schrieb im März 1900 in einem Gesuch an das Bürgermeister-Amt, die Schankwirtschaft werde seit 1842 betrieben „und erfreut sich diese sowie auch der Tanzsaal, welcher ebenfalls solange besteht stets des besten Rufes.“
1879 habe er die Konzession von seinen Schwiegereltern übernommen. Ende 1926 übergab der alte Speck den Betrieb an seine Kinder Robert und Agnes. Auf sie folgte von Ende 1950 bis 1960 Karl Lichius, danach Carola Saitner und andere. Ende der 1980er-Jahre wurde aus der alten Gaststätte ein China-Restaurant.
Ein neuer Saal ist nach im Stadtarchiv vorhandenen Fotos frühestens 1926, spätestens in der ersten Hälfte der 1950er-Jahre errichtet worden. Er schloss sich nördlich an die Gaststätte an. Dieser Saal wurde in den 1980er-Jahren abgetrennt und darin eine eigene Gaststätte eingerichtet, zunächst unter dem Namen „Schmuggler“, dann „Scheune“ und schließlich „Zollhof“.
An der kürzesten Straße liegt auch die kleinste Kneipe, das „Zollhäuschen“. Auf nur 50 Quadratmetern Fläche empfängt seit dem Jahr 2000 Edith Jenschewski ihre Gäste, bis zu seinem Tod im April 2011 gemeinsam mit ihrem Mann Klaus. Die Wirtsleute brachten reichlich Erfahrung mit. 1963 hatten sie die neuerrichteten „Hochhaus-Stuben“ an der Neustraße übernommen und leiteten sie bis 1973. Von 1972 bis 1982 führten sie im selben Gebäudekomplex zudem die „City-Bar“.
1974 eröffnete Edith Jenschewski den „Pub Club 28“ (Ecke Turmstraße / Freiheit) und leitete ihn bis 1987. Klaus Jenschewski war von 1983 bis 1999 Chef der Gastronomie im Reiterhof Gut Blee am Heilerberg. Das „Zollhäuschen“ besteht seit 1994. Zuvor befand sich in dem Gebäude die Praxis des Tierarztes Dr. Peter Steinbüchel. Im Giebel des Häuschens ist die Jahreszahl 1675 zu sehen. Sie wurde aber sehr wahrscheinlich nachträglich eingefügt.
Letzte Änderung: 28. Dezember 2011
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