Monheim-Lexikon: Schulen

Beengte Klassenzimmer wichen modernen Neubauten

„Die Volksbildung lag in Monheim wie überhaupt auf dem platten Lande bis ins 19. (!) Jahrhundert hinein sehr im argen. Der öffentliche Unterricht beschränkte sich auf Religion, Schreiben, Lesen, und die Anfangsgründe im Rechnen. Er wurde […] in der Regel vom Vikar erteilt […]“, schrieb Theodor Prömpeler 1929 in seiner „Geschichte der ehemaligen Freiheit Monheim“ (Erster Teil, Kapitel 9: Die Volksbildung, S. 63–68).

Als die Stelle des Vikars längere Zeit nicht besetzt war, berichtet Prömpeler, „[…] war das Schulmeisteramt einem geweckten Bauersmann, der vielleicht zugleich Freiheitschreiber war, übertragen, zum Beispiel um 1575 und später dem ‚Johan in der Scholen‘, kurz auch ‚Scholjan‘ genannt, der den Unterricht in einem Raume seiner Behausung hielt; diese ward daher die Schule genannt. Der Scholjan muß wohl einiges Ansehen genossen haben; denn 1575 war er mit der Bürgermeisterwürde bekleidet. Um 1580–1591 war dem ‚Gerhard in der Schol‘ die Monheimer Jugend anvertraut.“ Andernorts, etwa in Zons, wurden die Küster zum Schulmeisterdienst herangezogen.

Die 1786 fertiggestellte evangelische Schule an der Grabenstraße war bis 1933 in Betrieb. Das Gebäude, das heute als Küsterhaus dient, steht wie auch die Altstadkirche auf dem Gelände des einstigen Blomers-, Blomer- oder auch Blumerthofs, den die reformierte Gemeinde 1874 angekauft hatte. Die Zeichnung von Klemens Siebeneichler wurde aus dem Buch „Monheimer Kulturbilder aus Geschichte und Gegenwart“ (1972) reproduziert.

Dem Schulmeister stand ein Salär zu, das auf die Eltern der Schulkinder umgelegt wurde. Für bedürftige Familien konnte die kirchliche Armenverwaltung einspringen. Eine Schulpflicht bestand nicht, weshalb es weder Eltern noch Kinder mit dem regelmäßigen Schulbesuch besonders genau nahmen. Welche Folgen das hatte, beschreibt Prömpeler sehr anschaulich:

„Wie es […] mit der Schreibfertigkeit der Monheimer Bürger bestellt war, beweist der Umstand, daß 1659 einige Monheimer Ratsherren unter eine Urkunde ihren Namen selbst nicht setzen konnten und daher der eine oder andere Amtsbruder ihnen mit seiner Handschrift aushelfen mußte. Zwar waren im 18. Jahrhundert die Monheimer Ratsverwandten [Ratsherren] meistens fähig, ihre Unterschrift selbst zu leisten, aber manche ihre Unterschriften verraten eine derart ungelenke Hand, daß ich weitere Schreibkunst stark bezweifle.“

Der Monheimer Vogt Aschenbroich habe 1772 festgehalten, „‚daß es überhaupts zu beklagen sey, daß auf’m land durchgängig die unfähigkeit im schreiben außer den hausen der protestanten ein allgemeiner Fehler sey‘.“ Dieselbe Aussage zugunsten der Protestanten sei für 1774 vom Freiheitschreiber und Schöffen Theodor Linden belegt. „Mag das Urteil […] übertrieben sein, so bleibt doch die Tatsache bestehen, daß es damals noch mit der Schulbildung der Katholiken in Monheim nach heutigen Begriffen recht schlimm aussah“, resümiert Prömpeler und fügt folgende Zahlen an:

„Nach [gemeint ist wohl: noch] 1807 konnten von etwa 261 Personen, die in Monheim Liegenschaften hatten, 101 überhaupt nicht schreiben; von den übrigen 160 reichte, nach den Schriftzügen zu urteilen, bei vorsichtiger Schätzung bei mindestens 40 ihre Schreibkunst nicht über die Namensunterschrift hinaus.“

Eine Ursache für das niedrige Bildungsniveau lag in der geringen fachlichen Qualifizierung so manches Schulmeisters (von pädagogischen Fähigkeiten oder menschlicher Eignung ganz zu schweigen). „Wenn in der Freiheit Monheim auch Vikare mit dem Elementarunterricht betraut waren, so waren diese damals doch nicht alle in den Elementarfächern so bewandert, daß sie darin gediegenen Unterricht erteilen konnten“, so Prömpeler, dem zufolge es katholische Familien gab, die ihre Kinder lieber in die reformierte Schule schickten, da dort mehr gelernt werde und es im Unterricht stiller zugehe.

„Bis zum Jahre 1809 waren die Monheimer Vikare allein zugleich Schulmeister; der damalige Vikar wurde wegen hohen Alters von der Regierung vom Schuldienst entbunden und ihm eine Pension bewilligt. Ein weltlicher Lehrer namens Nuiß wurde mit seiner Vertretung beauftragt. Seitdem gab es in Monheim nur noch weltliche Lehrer.“ Dadurch, vor allem aber durch eine reglementierte Ausbildung, verbesserte sich fortan der Unterricht. Mit Kabinettsordre vom 14. Mai 1825 wurde in der preußischen Rheinprovinz die allgemeine Schulpflicht eingeführt.

Die ältesten Monheimer Schulen

Das von rechts vorspringende Haus beherbergte von 1822 bis 1933 die Monheimer Schule. Nach ihr hat die Alte Schulstraße ihren Namen. Im Hintergrund dieser Aufnahme von 1951 ist der Schelmenturm sichtbar. (Foto: Josef Greulich / Stadtarchiv)

Die letzte Monheimer Vikarie samt beengtem Klassenzimmer befand sich im heutigen Haus Poetengasse 14. Vom einstigen Schulbetrieb dürfte auch der Straßenname herrühren. „Puten“ nannte man in der Mundart des alten Dorfs scherzes- oder schimpfeshalber die Kinder. Mit der Entstehung amtlicher Straßennamen wurde „Puten“ dann zu „Poeten“ veredelt.

Deutlich mehr Platz für (katholische) Kinder und Lehrer schuf der 1822 eröffnete Schulneubau östlich des Schelmenturms. Das längst abgerissene Gebäude befand sich an der heutigen Alten Schulstraße (daher ihr Name), wo jetzt der Parkplatz des St. Josef Krankenhauses mit dem großen Kastanienbaum ist.

Im Januar 1933, gerade noch vor dem Beginn des Dritten Reiches, zogen Schüler und Lehrer um zur Lottenstraße, wo abermals ein Neubau errichtet worden war. Dorthin gingen dann auch die evangelischen Kinder, freilich getrennt von den katholischen. Architekt des imposanten Backsteinbaus war Ferdinand Crone, nach dessen Plänen auch das [intern]Rathaus an der Alten Schulstraße und das Direktoren- und Gästehaus der Hefefabrik in [intern]Blee entstanden.

Den Namen „Lottenschule“ (= Schule an der Lottenstraße) hatte über Jahrzehnte der Volksmund geprägt, zum fünfzigjährigen Bestehen der katholischen Grundschule wurde er 1983 offiziell vergeben. „Lotten“ ist die Verballhornung des Familiennamens [intern]Lottner.

Die ältesten Baumberger Schulen

Interessanter als die „St.-Dionysius-Pfarrkirche mit Ehrenmal und der uralten Linde“ ist auf dieser Postkarte das am linken Bildrand zu sehende Häuschen. In ihm wurden seit Ende des 17. Jahrhunderts die Baumberger Kinder unterrichtet. Es war das erste Schulgebäude, das es im Dorf je gab. Im Hintergrund befindet sich die Kirche St. Dionysius. Die Aufnahme dürfte vor 1952 entstanden sein. (Repro: Stadtarchiv)

„In Baumberg waren die Schulverhältnisse noch schlechter als in Monheim“, legt Theodor Prömpelers in der „Geschichte der ehemaligen Freiheit Monheim“ dar:

„Ob hier in früheren Jahrhunderten überhaupt Elementarunterricht erteilt wurde, erscheint sehr fraglich. Jedenfalls war die Schreibfertigkeit der ganz wenigen schreibkundigen Baumberger noch geringer als die der Monheimer […]. Über den Stand der allgemeinen Volksbildung […] kann man sich ein Bild machen, wenn festgestellt werden muß, daß 1843 von 160 Baumberger Männern 61, worunter sich wohl besonders die älteren befanden, nicht einmal ihren Namen schreiben konnten.“

Das älteste bekannte Baumberger Schulgebäude war ein heute nicht mehr vorhandenes Häuschen an der heutigen Hauptstraße in Höhe Von-Ketteler-Straße. Laut Prömpeler wurde 1709 die Baumberger Vikarie gegründet und mit ihr die bereits bestehende Lehrerstelle verbunden. „Im Jahr 1728 vermachte Peter von der Leyen, der Stifter der 1729 von Gottfried Dinkelmeyer verfertigten und 1926 umgegossenen Glocke, unter anderem ein Kapital von 100 Reichstalern, dessen Zinsen, etwa 5 Reichstaler, dem Vikar als Schulgeld für unbemittelte Kinder gezahlt werden sollten“, berichtet Prömpeler. An die Familie von der Leyen erinnern bis heute die Straßennamen „Leienstraße“ und „Altleienhof“.

Prömpeler weiter: „Bis 1814 versahen die Baumberger Vikare den Schuldienst allein. Damals verspürte der Vikar Christian Pohl [1778–1841], der ein klassisches Latein schrieb und nach maßgeblichem Urteil ‚geschickt und tätig und ein vorzüglich guter Redner‘ war, keine Lust mehr, weiter den Schulmeister zu spielen. Er betraute zunächst einen Verwandten, namens Simons, dann seinen Vetter [recte: Bruder] Johann Bapt[ist] Pohl, der noch 1829 Unterlehrer war, mit seiner Vertretung. Erst im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde zu Baumberg das Amt des Schullehrers endgültig von dem des Vikars getrennt.“

Wie es im einzigen Klassenraum der Baumberger Schule bisweilen zuging, darüber führte Lehrer Johann Baptist Pohl im Jahr 1817 lebhafte Klage (zitiert nach Fritz Hinrichs, Monheimer Kulturbilder in Geschichte und Gegenwart, Selbstverlag der Stadt Monheim, 1971, S. 151/152):

„Dieses Schulzimmer (19 Fuß lang, 13 breit und 7½ hoch) ist besonders in den fünf Wintermonaten so vollgepfropft, daß ich nur stehend unterrichten kann; denn über 100 Kinder besuchen alsdann die Schule. Sie sitzen in dem engen Raum so zusammengepreßt, daß ich in der Schreibstunde nicht zu den Tischen kommen kann […]. Auch ist dieses Zimmer eines der ungesundesten. Es ist nach Art alter Gebäude ganz niedrig, liegt zur Straße hin tiefer. Der Eintritt geht noch einen Fuß herunter, so daß die Kleinen hineinspringen oder wohl gar fallen. Bei jedem Regenguß strömt das Wasser herein und ergießt sich durch das ganze Zimmer. Ich befinde mich mit den Kindern im Schlamm und Wasser, die dann eine Freude daran haben, darin zu plätschern. Das war besonders im vorigen Sommer und ist fast jetzt noch täglich der Fall. Dahin sind also Ordnung und Stille!“

Für Abhilfe sorgte der von 1822 bis 1824 errichtete Neubau auf dem Kirchberg direkt neben der Pfarrkirche. Er wurde 1906/1907 abermals abgelöst von einem Neubau weiter südlich. Dieses Gebäude am Kreisverkehr Monheimer / [intern]Berghausener Straße ist das älteste noch in Betrieb befindliche Schulhaus im Stadtgebiet. Von 1950 bis 1952 wurde die Schule nach Plänen des Architekten Ferndinand Crone beträchtlich erweitert, 1956 folgte die Eröffnung der Turnhalle.

1972 beschloss der Rat die Benennung der Schule nach dem aus Monheim stammenden Ritter Winrich von Kniprode (geboren zwischen 1310 und 1315, gestorben 1382), dem einstigen Hochmeister des Deutschen Ordens. An Kniprode erinnert seit 1983 zudem ein Gedenkstein, den der Monheimer Steinmetz Heinrich Müller-Krott gestaltete und stiftete.

Letzte Änderung: 30. April 2012

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Rund 2000 Jahre zurück reicht die Geschichte des ehemaligen Römerkastells [extern]Haus Bürgel.