Monheim-Lexikon: Gaststätte „Spielmann“
Aus Lichtspieltheater wurde Szene-Treff
Als im Oktober 1976 der Österreicher Hans Ertl im Haus Turmstraße 21 die nach der bergischen Sagen-Figur benannte Gaststätte „Spielmann“ eröffnete, entwickelte sie sich rasch zum Treffpunkt der jungen Generation. Geschäftsführer war von Anfang an Horst Sedlag. 1990 übernahm er das Lokal als Pächter und gab es 1994 an seinen Sohn Robin weiter. Im März 2003 wurde der „Spielmann“ geschlossen.
Das bewegte am 5. April jenes Jahres rund hundert Menschen zu einem symbolischen Trauerzug mit Sarg und Kondolenzbuch zur Peters und Bambeck Privatbrauerei. Der im Oktober 2006 im Alter von sechzig Jahren verstorbene Horst Sedlag begründete die Schließung mit finanziellen Problemen. Am 30. Oktober 2003 ging es unter der neuen Leitung von Jörg Wessel weiter. Im Februar 2004 übernahmen Wessel und Angela Odendahl auch das angrenzende „Café zur Altstadt“ (vormals „Grenzenlos“), das sie unter dem Namen „Spilles“ weiterführten.
Im Mai 2005 wurde der
„Spielmann“ abermals geschlossen, mit ihm das „Spilles“. Beide Lokale standen zum Verkauf. Neue Eigentümer wurden im November 2007 Christa Deutz und Frank Wiegand. Im Juni 2008 war nach Umbau Neueröffnung. Eingefügt wurde eine sechzig Quadratmeter große Empore. Im Erdgeschoss hatten die Gäste nun 100 Quadratmeter Fläche für sich. Aus dem „Spilles“ wurde im Oktober 2009 das Café „Neue Freiheit“. Es konnte sich jedoch nur wenige Monate halten.
Der Name Menrath steht für Tradition
Für etliche Jahrzehnte war der heutige „Spielmann“ eng mit der Familie Menrath verbunden. Als 1904 Wilhelm Menrath aus Hochdahl die damals schon seit langer Zeit bestehende Gaststätte gekauft hatte, war die Gastronomie noch eine florierende Branche. Menraths Sohn Bruno übernahm 1928 die Nachfolge. Die Familien-Tradition hielt bis in die 1970er-Jahre. Ein beliebter Treffpunkt war der Menrathsche Tanz- und Veranstaltungssaal, der auch die „Monheimer Lichtspiele“ beherbergte.
Die Zeit der Filmvorführungen ist lange vorüber. Zum letzten Mal ist das Kino im Adressbuch von 1968 aufgeführt, Besitzerin war Elisabeth Menrath. Seit wann im Menrathschen Saal Filme gezeigt wurden, geht aus den Unterlagen im Stadtarchiv nicht klar hervor. Nur vage Spuren lassen sich zurückverfolgen. Das „Adressbuch für den Rhein-Wupper-Kreis“ 1952/53 nennt die Lichtspiele unter der Adresse Turmstraße 29. Eine Zeitungsnotiz vom November 1954 kündigt eine „Filmvorstellung“ des Shell-Werks an. Auf dem Programm standen drei Sport-Dokumentationen, darunter die „Sinfonie in Weiß“ über das Deutsche Turnfest 1953.
Im 19. Jahrhundert hatte es auch die Gemeindeväter zum Alten Markt gezogen. „Ein Rathaus gab es in Monheim nicht; die Amtsstube war in der Wohnung des jeweiligen Bürgermeisters. Ratssitzungen wurden in dessen Wohnung oder in einer Wirtschaft abgehalten. Erst 1808 wurde für die Amtsstube die Miete eines Zimmers bei dem Gastwirt Franz Roth ins Aussicht genommen“, schreibt Theodor Prömpeler in seiner „Geschichte der ehemaligen Freiheit Monheim“ (S. 25).
Nach dem Tod von Franz Roth führte seine Frau die Gaststätte. Sie erlebte noch mit, wie 1867 die Bürgermeisterei Monheim auf der gegenüberliegenden Seite des Markts ihr erstes
Rathaus einrichtete. In der Ära Menrath trug die ehemalige Gaststätte Roth den Namen „Zum alten Rathaus“, in einer späteren Variante „Gasthof zum Rathaus“.
Letzte Änderung: 26. Juli 2010
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