Monheim-Lexikon: Freilichtbühne
Millowitsch war der Publikumsliebling
Aus vierzigjährigem Dornröschenschlaf erwachte die Freilichtbühne an der Kapellenstraße im Euroga-Jahr 2002. Zwei ausverkaufte Open-Air-Aufführungen von Bertolt Brechts „Dreigroschenoper“ knüpften an die Zeiten an, in denen Dramen, Millowitsch-Schwänke und Operetten ein tausendköpfiges Publikum fanden. Das war von 1951 bis 1962.
Das Vorspiel zur Freilichtbühne fand im Dritten Reich statt. Der von den Nazis eingesetzte Bürgermeister Josef Grütering kündigte im Oktober 1938 die Errichtung einer Gedenkstätte und eines „Aufmarschgeländes zu Parteizwecken“ an.
Das Areal wurde dominiert von „drei großen Altarblöcken“, die den Krieg überdauerten. Nachdem der Gemeinderat 1951 beschlossen hatte, den mittleren „Altarblock“ zu entfernen, erlebte das Gelände seine Premiere als Freilichtbühne.
Am 19. August 1951 begann man anspruchsvoll mit dem „Jedermann“ von Hugo von Hofmannsthal, inszeniert von einer Laienspielgruppe aus Leverkusen. 1952 kam erstmals die „Remscheider Bühne“ unter ihrem Intendanten Wilhelm Michael Mund (1909–1980) nach Monheim. Mit wenigen Ausnahmen bestritt sie fortan das sommerliche Programm, das meist aus drei Stücken bestand.
Regen stellte Akteure und Publikum auf eine harte Probe
Nicht immer hatte man Glück beim „Lotteriespiel Wetter“, wie es 1959 der damalige Kulturamtsleiter Heinrich Kirberg nannte. Regnete es vor Beginn der Vorstellung, wurde sie abgesagt oder in einen Gaststättensaal oder die Turnhalle an der Lottenstraße verlegt. Begann es während des laufenden Stücks zu regnen, wurden Darsteller und Besucher auf eine harte Probe gestellt.
Aber auch an trockenen Sommerabenden hatten die Freilichtbühne ihre Tücken, sprich Mücken. Zu Tausenden schwirrten die Plagegeister vom Rhein herbei und piesackten das Publikum. Die Abrechnung zur Operette "Schwarzmaldmädel" enthielt denn auch einen Posten von 9,90 Mark für "Mückenvertilgungsmittel".
Als Zugpferd wurde immer wieder der Kölner Volksschauspieler Willy Millowitsch verpflichtet. Eine Pressestimme aus dem Jahr 1959: „Der Andrang zum ‚Meisterboxer‘ war so groß, dass man schon überlegte, die Freilichtbühne polizeilich zu sperren. Neben den 1100 Sitzplätzen wurde für rund 200 weitere Besucher Platz geschaffen.“ Die Stadtkasse hatte da ebenfalls ihren Spaß – sie verbuchte 570 Mark Überschuss.
Nur 45 Karten wurden verkauft
Das blieb jedoch die Ausnahme. Knapp drei Wochen nach dem Millowitsch-Coup stand Heinz Coubiers Lustspiel „Aimée“ auf dem Programm, von der bewährten „Remscheider Bühne“ eigens für Monheim einstudiert. Ganze 45 Karten zu je 1,50 Mark und neun für eine Mark fanden Abnehmer. Aus dem städtischen Etat mussten 1600 Mark zugebuttert werden.
Solche Desaster verfehlten auf die Dauer nicht ihre Wirkung auf die Kommunalpolitiker. Goethes „Hermann und Dorothea“ waren am 12. August 1962 – nach fast genau elf Jahren – das letzte Freiluft-Schauspiel.
1970 tauchte der Vorschlag auf, auf der Anlage einen Minigolfplatz zu bauen – auch daraus wurde nichts. Die brüchigen Überreste der Bühne wurden 1973 zum Teil abgerissen, der Innenraum bepflanzt. Doch als im Rahmen der Euroga 2002 plus der Marienburgpark eröffnet wurde, rückte die alte Freilichtbühne wieder ins Blickfeld. Ein Gartenbaubetrieb sponserte die Wiederherrichtung der Anlage.
Kinder-Tag und Mondscheinkino
Für junges Leben auf der Freilichtbühne sorgt seit 2004 der jährliche Monheimer Kinder-Tag, organisiert vom städtischen Jugendamt und zahlreichen anderen Mitwirkenden. Auf der Bühne läuft jeweils ein großes Musikprogramm, gestaltet von einheimischen Kinder- und Jugendgruppen, aber auch von prominenten Gästen.
2004 gab es zudem erstmals Lichtspiele auf der Freilichtbühne. Das von Marke Monheim präsentierte „Mondscheinkino“ stieß auf große Resonanz und wird seither jährlich wiederholt, lediglich 2007 fielen die Vorführungen aus.
Letzte Änderung: 30. März 2009
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