Monheim-Lexikon: Breker, Hans

Sechs Plastiken erinnern an Bildhauer Hans Breker

Der Bildhauer Hans Breker (1906–1993) ist wie kein anderer Künstler im Stadtbild präsent. Sechs Werke zeugen von Brekers gegenständlicher Bildhauerkunst. Älteste Plastik ist die „Ruhende“. Die Darstellung einer knienden, in sich versunkenen Frau befindet sich vor dem Deusser-Haus. Ihr ursprünglicher Standort war von 1967 bis 1993 vor dem damaligen Gesundheitsamt an der Heinestraße.

Die Porträtbüste Heinrich Zilles schuf der Bildhauer Hans Breker für den Heinrich-Zille-Platz im Berliner Viertel. Die Aufnahme entstand bei der Einweihung des Platzes am 2. September 1972. (Foto: Rolf Jacob / Stadtarchiv)

Für den Bau des Rathaus-Centers II wurde das Gesundheitsamt abgerissen und die Plastik musste umziehen. Breker hatte die steinerne Gestalt bereits 1946 in Weimar geschaffen und 1958 an die Gemeinde Monheim verkauft. Neun Jahre lang ruhte die „Ruhende“ in einem Schuppen, ehe sie endlich aufgestellt wurde.

1967 entstand in Brekers Düsseldorfer Atelier eine weitere Frauengestalt, die Bronzestatue „Schwester“, die bis heute Blickfang vor dem [intern]St. Josef Krankenhaus ist. Mit hilfsbereit ausgestreckten Armen wendet sich die „Schwester“ dem Betrachter zu. Ebenfalls in Bronze arbeitete 1971 Breker den „Lesenden Jungen“, der am Eingang zur [extern]Anton-Schwarz-Schule platziert ist.

Für das [extern]Otto-Hahn-Gymnasium entwarf Hans Breker den [intern]Brunnen „Atomspaltung“. Damit setzte sich der Professor 1973 in einem Wettbewerb gegen mehrere Konkurrenten durch. Die Plastik hatte in ihrer Mitte einen stilisierten Atomkern, aus dem Wasser sprudelte. Doch das Wasserspiel ist seit vielen Jahren versiegt, zudem wurde die Plastik 2002 auf eine Stelen-Konstruktion gesetzt.

1972 waren gleich zwei Bronze-Skulpturen Brekers enthüllt worden. Für den vom damaligen Berliner Bürgermeister Klaus Schütz eröffneten Heinrich-Zille-Platz schuf Breker eine Zille-Büste und die großdimenstionierte Plastik „Mutter und Kind“. Beide Werke rechnete Breker „zu den typischen Aussagen meines plastischen Gestaltens“.

Oft mit Arno Breker verwechselt

Oft ist Hans Breker mit seinem älteren Bruder Arno verwechselt worden, weshalb er sich zeitweilig das Pseudonym ‚Hans van Breek‘ zulegte. Arno Breker (1900–1991) erfuhr für seine monumentalen Plastiken und Bildnisse großzügige Förderung im Dritten Reich. Das künstlerische Talent hatten die Brüder wohl vom Vater geerbt, der Steinmetz war. Bei ihm ging der 1906 in Elberfeld geborene Hans Breker in die Lehre.

Breker war Monheim nicht nur durch sein Werk, sondern auch persönlich verbunden. Ab 1954 wohnte er gut zwanzig Jahre lang in Baumberg an der Schwanenstraße. Sein Atelier hatte er in Düsseldorf-Golzheim. Nach einer Zwischenstation in Weimar war Breker in den Westen zurückgekehrt. Die Weimarer Jahre seien schön gewesen, aber die DDR habe ihm nicht die nötige künstlerische Freiheit gelassen, sagte Breker 1967.

Noch in seinen letzten Lebensjahren suchte der Künstler den Kontakt nach Monheim. Im März 1991 zeigte er eine umfassende Ausstellung seines Schaffens im [intern]Schelmenturm. Die Eröffnungsgäste erlebten einen vitalen 85-jährigen, der mit flinken Schritten die lange Wendeltreppe im Turm erklomm. Hans Breker, dessen Werke die Erinnerung an ihn lebendig erhalten, starb im November 1993 in Düsseldorf. Der Plan, seinen Nachlass nach Monheim zu holen und in der Marienburg auszustellen, hat sich aus Geldmangel bisher nicht verwirklichen lassen.

Der Künstler über sein Werk

Für den Heinrich-Zille-Platz schuf Hans Breker auch die Plastik „Mutter und Kind“, hier in einer Aufnahme vom Mai 1994. (Foto: Martin Führer / Stadtarchiv)

Im Heimatkalender „Land an Rhein und Wupper“, Jahrgang 1975, schrieb Hans Breker über seine Porträtbüste Heinrich Zilles und die große Plastik „Mutter und Kind“:

„Es war für mich ein besonderer Reiz, […] die gutmütige Physiognomie unseres unsterblichen ‚Papa Zille‘ unterzubringen, dessen innige Liebe den kleinen ‚Rotznasen‘ aus den Berliner Hinterhöfen galt, und dessen Verdienst es ist, durch sein beispielhaftes Werk unermüdlich auf dieses Elend der Ärmsten der Armen hingewiesen zu haben.

So ist die in unmittelbarer Nähe des Zille-Porträts aufgestellte Plastik ‚Mutter und Kind‘ als Huldigung seines Werkes zu verstehen, denn er hat fast ausschließlich auf die schwierigen Situationen der werdenden und leidenden Mütter in diesen Volksschichten hingewiesen und dadurch mitgeholfen, dieses Elend zu reduzieren.

Die Beobachtung, nach der die Kinder der Umgebung meine Figur zum Tummel- und Spielplatz machen, gibt Auskunft darüber, unter welch anderen Lebensumständen heute, dank der gewerkschaftlichen Organisation und der ‚Neuen Heimat‘ im besonderen, eine glücklichere Jugend heranwächst, die es mir erspart, das Elend darzustellen, das Heinrich Zille zu seinem Wirken veranlasste.“

Letzte Änderung: 27. September 2011

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