Der Marienpavillon
Der Marienpavillon ist eines der wenigen erhaltenen gartenarchitektonischen Bauwerke im Marienburgpark. Entstanden ist er zeitgleich mit dem Bau der Marienburg um 1880. Er besitzt einen achteckigen Grundriss, wobei drei Seiten aufgemauert und verputzt wurden. In der Mitte der Wand ist das Relief einer Mondsichelmadonna eingelassen.
Wer der Künstler war, der dieses Relief schuf, ist nicht mehr
zu ermitteln. Die Eckpunkte der noch offenen Seiten sind mit Natursteinbasen,
Säulen und Kapitellen versehen, auf denen ein kleines Spitzdach errichtet
wurde.
Bei der Untersuchung der Basen, Säulen und Kapitelle stellte sich eine Besonderheit heraus. Alle Teile haben romanischen Ursprung. Vermutlich stammen die Säulen aus einer Klosteranlage der Region, die abgebrochen wurde. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war es Mode, Ziersteine aus solchen Anlagen zu erwerben und in andere Bauwerke zu integrieren. Die Basen der vier Säulen bestehen aus Trachyt.
Zwei der Säulen sind aus Blaustein gefertigt, während es sich bei den zwei anderen Säulen um Kalksinter handelt. Dies ist ein sehr seltener Baustoff, der aus den alten römischen Wasserleitungen stammt, die zwischen der Eifel und Köln bestanden und sich durch Kalkablagerungen allmählich zusetzten. Im Mittelalter wurden diese Kalkablagerungen für den Sakralbau verwendetet, da diese poliert eine marmorähnliche Oberfläche besaßen.
Die Kapitelle bestehen aus Kalkstein und zeigen die typisch romanische Form. Leider sind nur noch zwei Orginalkapitelle vorhanden, die an den Mauerköpfen eingelassen sind.
Durch einen Sturmschaden 1986 verlor der Pavillon sein Dach. Die Säulen stürzten um und zerbrachen teilweise, die Kapitelle verschwanden. Zurück blieben nur die Mauern mit dem Relief und die Basen. Mit der Zeit verfiel das Bauwerk. Mit der Sanierung des Parks wurde auch der Marienpavillon restauriert.
In Zusammenarbeit mit Behörden, Restauratoren und ausführenden Firmen wurde die Substanz gereinigt und konserviert, die Säulen zusammengesetzt und wieder aufgestellt. Die fehlenden Kapitelle wurden durch vereinfachte Formen ersetzt. Ein neues Dach wurde errichtet und mit Schiefer eingedeckt, der Innenraum neu verputzt und gestrichen.
Heute verleiht der Marienpavillon dem Park wieder eine persönliche Note. Für die Gartenkunst bleibt der Pavillon weiterhin eine Besonderheit. Denn nur wenige Gartenbauwerke waren einem sakralen Thema gewidmet.